Bossing bei Bossel: Sprockhöveler Betriebsrat wehrt sich

Der Betriebsrat des Kunststoffwerks Bossel hielt gestern erstmals eine Sitzung vor dem Betriebsgelände in Sprockhövel ab, aus Solidarität mit dem Vorsitzenden Mustafa Aydogan, dem der Geschäftsführer Bernd Knäpper in der vergangenen Woche Hausverbot erteilt hatte. Das Arbeitsgericht Hagen entscheidet erst in zwei Wochen über Aydo- gans Einstweilige Verfügung gegen den Rausschmiss. Der Rechtsanwalt des Arbeitgeberverbands Chemie Westfalen, Thomas Rosenke, der Bossels vor Gericht vertritt, spielte auf Zeit und bekam einen Aufschub, obwohl das Hausverbot auch nach Auffassung der Richterin rechtswidrig ist.

Schützenhilfe bekommt das Unternehmen nicht nur vom Arbeitgeber- verband Chemie, sondern auch von der IGBCE. Für die Chemie-Gewerk- schaft steht einiges auf dem Spiel. Obwohl fast zwei Drittel der Beschäf- tigten Ende letzten Jahres ihren Austritt erklärt hatten und verdi beitraten, will die IGBCE in letzter Minute mit einen Haustarifvertrag bei Bossel Fakten schaffen. Die Mitgliederversammlung, auf der die Tarifkommission der IGBCE gewählt wurde, galt als Arbeitszeit. Der Konflikt schlägt große Wellen. Eine Schiedsstelle des DGB muss jetzt entscheiden, welche Gewerkschaft für die Kunststoffdruckerei zuständig ist. Die IGBCE kämpft mit harten Bandagen gegen den Betriebsrat und beantragte beim Arbeitsgericht letzte Woche zu- dem den Ausschluss von drei Mitgliedern aus dem Gremium. Dafür präsentier- te sie Unterschriften von 43 Mitgliedern, viele davon Verwaltungsangestellte bei Bossel.

Der Betriebsrat hatte von Anfang an mit großem Gegenwind zu kämpfen. Bereits in der Gründungsphase kündigte die Geschäftsführung, Mustafa Aydogan. Zwar gewann er den Prozess, doch der Druck ließ nicht nach. Im Gegenteil, es folgten Abmahnungen, Hausverbote, Kündigungen. Das Ziel ist offensichtlich. Die Betriebsräte sollen isoliert und zermürbt werden. Es wird alles versucht, ihnen Fallen zu stellen, sie mit Prozessen zu überziehen, damit sie fast zwangsläufig Fehler begehen. Doch sie lassen sich nicht einschüch- tern. Als Mustafa Aydogan im vergangenen Jahr zum ersten mal Hausverbot erteilt wurde, legten die Beschäftigten spontan die Arbeit nieder. Auch in den letzten Woche stärkten zahlreiche Kolleg_innen ihrem Betriebsratsvorsitzenden den Rücken und begleiteten ihn zum Arbeitsgericht.

Mit einem mobilen Betriebsratsbüro wollen die Kolleg_innen ab Montag dafür sorgen, dass der Betriebsrat weiterhin seiner eigentlichen Arbeit nachgehen kann und für die Belegschaft vor Ort ansprechbar ist. Sie wollen die Strategie des Arbeitgebers ins Leere laufen lassen und setzten auf die Solidarität von Nachbarn, Betriebsräten und Beschäftigten anderer Unter- nehmen in Sprockhövel.