Saarlouis ist beleidigt

Zerknirscht mussten wir vor wenigen Tagen zur Kenntnis nehmen, dass work-watch möglicherweise eine ganze Stadt beleidigt hat. Einer unserer Kollegen war von der Kölner Polizei als Zeuge geladen worden, weil, Zitat aus dem Schreiben der Polizei,

"die Stadt Saarlouis vertreten durch die Bürgermeisterin Frau Jost"

bei der dortigen Staatsanwaltschaft ein Beleidigungsverfahren angestrengt hatte. Im Wege der Amtshilfe wollte die Kölner Polizei nun zur Zeugeneinvernahme schreiten.

 

Der Kollege ist nicht hingegangen, schließlich ist er ja als work-watcher gegebenenfalls auch Beschuldigter und die ganze Sache wandert nun zur Weiterbearbeitung zurück an die Staatsanwaltschaft Saarlouis.

 

Um es nicht noch spannender zu machen: die „Stadt Saarlouis, vertreten durch die Bürgermeisterin Frau Jost“, wirft work-watch einen Brief vor. Der stelle eine Beleidigung dar. Warum? Wir hatten im November 2015 wirklich einen Brief an die Bürgermeisterin der Stadt, Marion Jost (CDU), geschrieben. Weil Frau Jost, die zwischenzeitlich zur Oberbürgermeisterkandidatin gekürt wurde, Geschäftsführerin der „Wirtschaftsbetriebe Saarlouis GmbH“ ist und gegen Betriebsräte dieses Unternehmens mit üblen Methoden vorgegangen sein soll. In unserem Brief haben wir die uns bekannt gewordenen Vorwürfe aufgezählt und höflichst um Aufklärung gebeten. Wir erhielten eine recht dürre Antwort – und berichteten über beides.

 

Warum nun dieser Brief eine Beleidigung darstellen soll, ist uns, ehrlich gesagt, nicht wirklich nachvollziehbar. Es sei denn, in Saarlouis gilt schon als Beleidigung, wenn man die Obrigkeit ungefragt fragt. So wie das früher im Feudalismus war, da machte man auch nicht das Maul auf, wenn man keine Audienz bekommen hatte. Und wenn man eine bekommen hatte, machte man es auch nicht auf, sondern man säuselte Lobreden.

Ob das in Saarlouis noch so ist, werden wir spätestens erfahren, wenn die örtliche Staatsanwaltschaft tatsächlich ein Beleidigungsverfahren gegen work-watch eröffnet. Wir sind fast schon gespannt.