Skandal bei OBI: Angriff auf Belegschaften und ihre...

Die Beschäftigen wehren sich. Die angekündigte Schließung des OBI-Marktes in Augsburg ist aufgeschoben

 

Die Baumarktkette OBI greift Betriebsräte und gewerkschaftlich aktive Beschäftigte massiv an. Der Baumarkt im thüringischen Sömmerda wurde an eine eigens gegründete Franchise-Firma verkauft und die Filiale in Augsburg sollte geschlossen werden, um den Gesamtbetriebsrats-Vorsitzenden und dessen Stellvertreterin loswerden, die in diesen Märkten arbeiten. Der Gesamtbetriebsrat (GBR) hatte sich gegen die Missachtung der Mitbestimmungsrechte zur Wehr gesetzt und die Forderung der Beschäftigten nach einem Tarifvertrag unterstützt

 

Die OBI-Gruppe beschäftigt europaweit rund 46.440 Mitarbeiter_innen und ist mit einem Jahresumsatz von 5,6 Milliarden Euro und über 630 Baumärkten in elf europäischen Ländern Marktführer der Branche. In Deutschland erwirtschafteten 23.799 Mitarbeiter_innen im vergangenen Jahr in 353 OBI-Märkten einen Jahresumsatz von 3,145 Milliarden Euro.

 

Einer der Hintergründe des Konflikts bei OBI. die Mitarbeiter_innen verdienen durchschnittlich zehn bis zwanzig Prozent weniger, als anderer Baumärkte. Die Gewerkschaft verdi rief die Beschäftigten deshalb in den vergangenen Jahren wiederholt zu Streiks bei OBI auf. Filialen in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen hatten sich daran immer wieder beteiligt. Seit 2001 zahlt OBI keine Tariflöhne mehr und lehnt Verhandlungen mit der Gewerkschaft verdi strikt ab. Stattdessen bereitet
das Management ein eigenes Entlohnungssystem vor, das der Konzern nach
Angaben von verdi unter Missachtung der Mitbestimmungsrechte einführen
möchte.

 

In rund einem Drittel  der Märkte gibt es einen Betriebsrat. An vielen Standorten gibt es Konflikte und rechtliche Auseinandersetzungen mit der Geschäftsleitung. Die Gewerkschaft ver.di wirft Obi zahlreiche Verstöße gegen Mitbestimmungsrechte vor, darunter bei der Einführung von Überwachungstechnik und dem Prämiensystem. Obi wolle Mitbestimmungsstrukturen zerschlagen und die Beschäftigten einschüchtern, sagt verdi.. Offenbar soll ein Exempel statuiert werden, um unbequeme Interessenvertreter loszuwerden. Nach heftigen Protesten der Belegschaft, die ein großes Echo in den Medien fanden, hat die Unternehmensleitung die geplante Schließung des OBI-Marktes in Augsburg erst einmal aufgeschoben. Der Betriebsrat verhandelt nun über einen Sozialplan. In Sömmerda wurden Kollegen, die dem Betriebsübergang widersprochen haben, durch Leiharbeiter ersetzt. Der Gesamtbetriebsrat hat Strafanzeige gegen gegen die OBI Geschäftsleitung wegen Behinderung seiner Arbeit eingeleitet.