UPS am KölnBonner Flughafen auf antigewerkschaftlichem...

Work-watch weist auf Vorgänge bei UPS hin, die nach unserer Ansicht dem gesetzeskonformen Umgang mit Betriebsräten widersprechen. UPS ist ein Weltkonzern und ebenso wie andere gehalten, sich an Vorschriften des Arbeitsrechts zu halten.

Das Betriebsverfassungsgesetz erklärt den Betriebsrat zum Vertretungsorgan der Beschäftigten. Damit unvereinbar sind Versuche eines Arbeitgebers, einzelne Mitglieder eines Betriebsratsgremium oder den gesamten Betriebsrat unter seine Kontrolle zu bekommen. Werden Betriebsratsmitgliedern beeinflusst, indem sie begünstigt werden, drohen dem Arbeitgeber bzw. seinem Vertreter sogar Geld- oder Haftstrafe. Entgegen diesen Vorgaben versucht die zuständige „Labour Relation“ Abteilung  von UPS am Köln Bonner Flughafen – Umschlagzentrale für den internationalen UPS-Paketversand in Europa – eine unternehmernahe Fraktion im Betriebsrat aufzubauen, anzuleiten und gegen die gewerkschaftlich orientierte Mehrheit einzusetzen.  In diesem Zusammenhang sind work-watch Emails der „Labour Relation“ Abteilung zur Kenntnis gebracht worden, in denen sie „ihre“ Betriebsräte auf einen gemeinsamen, arbeitgebernahen Kurs einschwört.

Darüber und über mögliche Beweggründe haben wir die Belegschaft in folgendem Informationsblatt aufgeklärt:

 

 

 

An die Beschäftigten von

UPS am Flughafen KölnBonn

 

 

Achtung! UPS will die gelbe Ernte einfahren!

UPS darf TNT nicht schlucken, die Europäische Union hat es verboten. Aber dennoch wird der Kampf um Marktanteile in der Logistikbranche 2013 in die nächste Runde gehen. Was haben die Arbeitnehmer zu erwarten?

Nichts Gutes.

Im nun gestoppten Übernahmevertrag zwischen UPS und TNT gab es einen Abschnitt mit der Überschrift „Personalabbau“. Darin ist von „Entlassungsplänen“ und „künftigen Sozialplänen“ (die regeln die Einzelheiten bei Massenentlassungen) die Rede. UPS wollte also im Zuge der TNT-Übernahme diejenigen Arbeitnehmer aussieben, die sich am besten verwerten lassen: gesund, mobil und pflegeleicht. UPS, der für TNT 5,2 Milliarden Euro bezahlt hätte, wird auch nach der gescheiterten Übernahme nicht mehr alle UPS-„Partner“ weiter bezahlen wie bisher – das rechnet sich nicht. Er will an der Belegschaft sparen, die Arbeitskosten weiter senken und den Profit weiter steigern. Schon 2011 lag der Gewinn bei 3,8 Mrd. Dollar und damit um 14% über dem Vorjahresniveau. Das den Beschäftigten vorenthaltene Geld wandert in den gewaltigen Geldsack, mit dem in den nächsten Konkurrenzschlachten der Branche ein nächster Übernahmekandidat zu Boden gestreckt werden soll. Dagegen müssen die Belegschaften aus jedem einzelnen Konzern auf ihren Rechten, ihren Löhnen, ihren Arbeitsbedingungen beharren und sie sogar verbessern.

Jetzt geht’s auf die Löwenjagd!

Am liebsten wäre es den Oberen bei UPS, wenn sie sich nun wie bei der Löwenjagd aufführen könnten: Die stärksten, besten, größten Katzen mit dem Betäubungsgewehr abknallen und in den Arbeitszoo abschleppen. Der Rest verhungert in der freien Wildbahn: arbeitslos, auf Hartz-IV-Niveau oder als Billigfahrer bei den Subunternehmern, die auch für UPS immer häufiger die Drecksarbeit machen müssen.

Schon in den letzten Jahren hat sich UPS ja immer rücksichtsloser seine „Partner“ zusammengeholt. Allein im Köln sortieren von tausend Beschäftigten fast 500 mit befristeten Arbeitsverträgen die Pakete. Wer von den Kolleginnen und Kollegen kann sein Leben planen oder auch nur die nächsten fünf Jahre? UPS ist das egal. Genauso egal wie der Armutslohn der vielen Teilzeitbeschäftigten, die gar keine sein wollen. Wer soll von zwei, drei oder vier Stunden Arbeitszeit pro Tag leben? UPS ist das, wie gesagt, egal.

Katzen sollen kuschen

Im UPS-Plan, größer und größer zu werden, spielen die Betriebräte eine wichtige Rolle. Gute Betriebräte stören nämlich, wenn der Konzern bei den Beschäftigten abkassieren will. Deshalb verfolgt UPS seit langem eine ziemlich ausgebuffte Strategie: Die Personalunterabteilungen mit dem schönen Namen „Labour Relation“ („Abteilung für Arbeit und Soziales“) backen sich ihre eigenen Betriebräte, gelbe Betriebräte. Die Farbe gelb steht dabei für das gute Geld, das sie den Unternehmen einbringen, weil sie die Beschäftigten wehrlos machen.

Die „Labour Relation“ Manager am Köln Bonner Flughafen (CGN) sind da schon ziemlich weit. Sie stehen nämlich in engem, wenn auch verschwiegenem Kontakt zu einigen arbeitgeberverschmusten Mitgliedern im Betriebsrat. Im mündlichen Gespräch, in Konferenzen und in Emails überlegen sie gemeinsam, mit welchen Tricks sie den Beschäftigten einreden können, dass sie ganz tolle Interessenvertreter sind und die Belegschaft ihnen blind vertrauen kann.

Einige dieser Emails sind aus Versehen „nach draußen“ gelangt.

Da berichtet z.B. ein Vertreter der „Labour Relation“ Abteilung über eine Betriebsvereinbarung zur Ausbildung von „Zolldeklaranten“, eine innerbetriebliche Zusatzqualifikation, um die Paketverschickung über Grenzen hinweg abzuwickeln. Kein großes Ding – aber wenn man als Betriebsratsmitglied im Betrieb behaupten kann, man hat es gedreht, macht es doch Eindruck.

Was also tun als gelber Betriebsrat? Man lässt die Geschäftsleitung die Betriebsvereinbarung erarbeiten und behauptet anschließend, man selber habe da etwas ganz Tolles durchgesetzt.

Einer der Schmusekatzen fragt also ihren Manager per Email, wie weit es denn sei mit der Vereinbarung. Die Labour Relations Abteilung antwortet, es dauere noch ein wenig. Abschließend solle aber „das feintuning natürlich mit Euch!“ erfolgen. Dann könne die gelbe Fraktion im Betriebsrat „wieder einen Haken mehr auf (ihrer) To-Do-Liste machen“.

In einer anderen Mail legt die „Labour Relation“ Abteilung ihren Kätzchen nahe, „ein paar Sachen (zu) fordern, die wir ja dann auch gerne umsetzen wollen“. Weil die wohl selbst für das Fordern zu doof sind, hat der Manager „im Anhang mal zwei Entwürfe beigefügt“.

Das ist nicht nur Kollegen-Verarsche, das kann auch strafbare Einflussnahme auf die Betriebsratsarbeit sein. Das Betriebsverfassungsgesetz verbietet solche Kungelei zwischen Management und einzelnen Betriebsratsmitgliedern. Eigentlich müsste das der „Supervisor“ der „Labour Relation“ Abteilung und erst recht sein Vorgesetzter „Division Manager“ wissen, hat der doch 12 Jahre lang als Gesamtbetriebsratsmitglied UPS treu und für gutes Geld gedient.

Es kommt aber noch besser. Weil sich die gelben Schmusekätzchen im Betriebsrat blöderweise mit einem Kollegen unterhalten haben, der etwas mehr Krallen zeigt (nennen wir in der Einfachheit halber Paulchen Panter, P.P.), bekommen sie von ihrem Aufpasser postwendend was aufs Pfötchen. „Ihr habt also mit P.P. gesprochen. HALLOO??????? Wollt ihr Erfolge sammeln oder wollt ihr der Steigbügelhalter für P.P. sein? Wir haben die ganzen Anstrengungen im Wahlkampf doch nicht auf uns genommen, damit P.P. davon profitiert!“ Das schreibt ein leitender Manager an seine gelben Freunde in der Arbeitnehmervertretung. Und hofft, dass die endlich die Mehrheit dort bekommen und dann alles abnicken, was die Geschäftsführung von oben diktiert.

Aber so weit ist es noch nicht. Noch ist die Kätzchenfraktion in der Minderheit. Weshalb UPS den Schmusekurs gegenüber seinen Schoßkatzen ergänzt durch systematische Treterei gegen Gewerkschafter im Betriebsrat, die dem Arbeitgeber nicht um die Beine schleichen. Bis zum Kündigungsversuch des Kollegen Ilker Erdener haben sie es dabei gebracht! Den Prozess haben sie zwar im Oktober mit Pauken und Trompeten verloren. Aber eine Entschuldigung für das jahrelange Mobbing (mit 16 Abmahnungen haben sie den Kollegen terrorisiert!) ist bis heute ausgeblieben. Im Gegenteil: andere Betriebsräte, die als aktive Gewerkschafter im Betrieb bekannt sind, werden mit ähnlichen Methoden angegriffen, wie z.B. Murat Sahin.

Den Durchmarsch verhindern!

In den kommenden Wochen und Monaten werden bei UPS die Weichen gestellt: entweder für mehr Teilzeitarbeit, mehr befristete Jobs, mehr Leiharbeit, mehr Subunternehmer und untertarifliche Zahlungen und das heißt für weniger Lohn und weniger Sicherheit für die Beschäftigten.

Oder es gelingt einer starken Belegschaft, die eigenen Interessen durchzusetzen. Dazu muss sie sich organisieren, muss miteinander reden, muss wissen, was auf dem Spiel steht und muss an ihrer Seite einen starken Betriebsrat haben.

Ver.di Betriebräte und UPS-Beschäftigte brauchen die Solidarität der Öffentlichkeit, die Unterstützung von sozialen Bewegungen und die Aufmerksamkeit aller Menschen, die die ungerechten Methoden des UPS-Arbeitgebers nicht gutheißen! Deshalb wendet sich work-watch mit diesem Flugblatt an die Belegschaft.

Schaut Euch also um! Fragt nach! Tauscht Euch aus!

Solidarisiert Euch und unterstützt Eure ver.di-Betriebsräte!

!!!!!!!!!!!!!!!!!!

_______________________________________________________________________________________________

Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung. Am besten mit Email oder Anruf.

Work-watch.de ist ein Projekt von „Arbeit und Leben“ NWR und der Günter Wallraff Stiftung.

Kommentare sind geschlossen.