Steakhaus-Kette Maredo noch nicht gestoppt

Die Steak­haus-Ket­te Mare­do hat in Frank­furt fast die kom­plet­te Beleg­schaft einer Filia­le ent­las­sen – und die kri­ti­schen Betriebs­rä­te gleich mit; der Wider­stand der Kol­le­gen und eines brei­ten Bünd­nis­ses wird auch von „Brenn­punkt Betrieb“ unter­stützt. Par­al­lel zum Ent­las­sungs­ver­fah­ren in Frank­furt wird eine Betriebs­rats­kol­le­gin in der Osna­brü­cker Filia­le des Unter­neh­mens drang­sa­liert, weil sie öffent­lich die Vor­fäl­len in Frank­furt kri­ti­siert hat. Ein Soli­da­ri­täts­ko­mi­tee orga­ni­siert die Pro­tes­te. Gerecht­fer­tigt wer­den die Ent­las­sun­gen in Frank­furt mit dem Vor­wurf, die Beschäf­tig­ten hät­ten uner­laub­ter­wei­se Mare­do-eige­ne Geträn­ken und Spei­sen zu sich genom­men.

Am 10. Juli hat das Arbeits­ge­richt Frank­furt in den ers­ten drei Kün­di­gungs­schutz­kla­gen sein Urteil gespro­chen und die Kla­gen abge­lehnt. Mit der in der Rechts­spre­chung mitt­ler­wei­le übli­chen Begrün­dung, Beschäf­tig­te dann ent­las­sen zu kön­nen, wenn sie auch nur einen uner­laub­ten Schluck Kaf­fee des Arbeit­ge­bers getrun­ken haben.

 

Das Soli­da­ri­täts­ko­mi­tee schreibt zur Gerichts­ent­schei­dung, die mit­hil­fe der Gewerk­schaft NGG ange­foch­ten wer­den wird (die mitt­ler­wei­le auch eine eige­ne Inter­net­sei­te ein­ge­rich­tet hat):

In prak­tisch jedem Betrieb gibt es eine klei­ne Grau­zo­ne, die den All­tag erleich­tert. Egal ob es sich um Kugel­schrei­ber han­delt, die pri­vat genutzt wer­den oder ande­re Klei­nig­kei­ten. Im Gegen­zug wer­den, wenn nötig spon­tan Über­stun­den gemacht, oder das Pri­vat­au­to wird dienst­lich ein­ge­setzt, obwohl die Kilo­me­ter nicht abge­rech­net wer­den kön­nen, weil kei­ne Ver­ein­ba­rung exis­tiert. Dann, wenn die Betriebs­lei­tung das Ziel ver­folgt, ein­zel­ne oder eine gan­ze Beleg­schaft raus­zu­schmeis­sen, um die Löh­ne zu sen­ken oder die Gewerk­schaft aus dem Betrieb zu drän­gen, dann wird aus der klei­nen Grau­zo­ne, ganz schnell eine Pro­blem­zo­ne. Des­we­gen muss es an an die­ser Stel­le hei­ßen: Vor­sicht Fal­le!

Mare­do hegt und pflegt bis heu­te die­se Grau­zo­ne in sei­nen Filia­len, so wie es ande­re Betrie­be auch tun, um für den Fall der Fäl­le etwas „Gerichts­fes­tes” in der Hand zu haben.  Das wol­len wir uns nicht gefal­len las­sen und wol­len genau auf die­se Fal­le hin­wei­sen.”

 

Ein Hin­ter­grund­be­richt fin­det sich auch auf der Sei­te von „Arbeits­un­recht”. Ein aktu­el­les Flug­blatt des Soli­da­ri­täts­ko­mi­tees hier:

Die „Metho­de Mare­do”: Schock und Ent­set­zen
Mare­do fei­ert ein Jahr Mas­sen­ent­las­sung
Vor einem Jahr, am 26. Novem­ber 2011, ent­le­dig­te sich der Steak­haus-Kon­zern „Mare­do” fast der gesam­ten Beleg­schaft der Filia­le in der Frank­fur­ter Freß­gass». Dabei wen­de­te er die Metho­de „Schock und Ent­set­zen” an.
Am 26.11.2011 gab es in die­ser Filia­le „zufäl­lig” einen Strom­aus­fall. Nach­dem alle Gäs­te aus dem dunk­len Lokal ver­schwun­den waren, kamen etwa ein Dut­zend Mana­ger, Rechts­an­wäl­te und Sicher­heits­kräf­te. Die ver­ängs­tig­ten Mit­ar­bei­ter blie­ben stun­den­lang im dunk­len Lokal, ohne Erlaub­nis zu tele­fo­nie­ren, ohne Kom­mu­ni­ka­ti­on mit­ein­an­der. Ein­zeln wur­den sie ver­hört und vor die Alter­na­ti­ve gestellt: Eigen­kün­di­gung schrei­ben und kei­nen Stress mehr haben, oder statt­des­sen Kri­mi­na­li­sie­rung und frist­lo­se Kün­di­gung.
Etwa ein Dut­zend Kol­le­gIn­nen hielt dem Druck nicht stand, woll­te nichts wie raus, schrieb die eige­ne Kün­di­gung. Ein Kol­le­ge ist bei der Akti­on kol­la­biert, meh­re­re Kol­le­gin­nen sind immer noch trau­ma­ti­siert. 14 Kol­le­gIn­nen erstat­te­ten Straf­an­zei­ge gegen Mare­do wegen Frei­heits­be­rau­bung und Nöti­gung. Die Staats­an­walt­schaft ermit­telt noch.

Über­wa­chen, bespit­zeln, ent­las­sen
Der Vor­wand der Akti­on: Alle Mit­ar­bei­ter hät­ten angeb­lich geklaut. Um dies zu „bewei­sen”, hat­te Mare­do im Vor­feld — natür­lich geset­zes­wid­rig ohne Zustim­mung des Betriebs­rats — die Kol­le­gen mona­te­lang durch zwei „ver­deck­te Ermitt­ler” aus­ge­forscht, und über min­des­tens vier Wochen durch drei gehei­me Kame­ras durch­ge­hend beob­ach­tet. Nach­dem jede Bewe­gung auf­ge­zeich­net war, wur­de dies mona­te­lang aus­ge­wer­tet. Jede Kau­be­we­gung wur­de als Dieb­stahl bezeich­net, dicke Akten­ord­ner mit angeb­li­chen Doku­men­ta­tio­nen zusam­men­ge­stellt. Das Frank­fur­ter Arbeits­ge­richt hat sich in ers­ter Instanz auf Sei­ten Mare­dos gestellt. Doch
unser Kampf geht wei­ter.
Tat­säch­li­che Grün­de für die Mas­sen­ent­las­sung sind aller­dings: Die Kol­le­gIn­nen in Frank­furt waren zu alt, zu teu­er und zu eigen­wil­lig.
Die meis­ten kann­ten Mare­do noch von Anfang an. Sie haben noch alte unbe­fris­te­te Ver­trä­ge. Und sie sind des­halb zu teu­er. Mare­do stellt heu­te ihre Mit­ar­bei­ter mit 7,50 Euro brut­to ein, ein Nied­rig­lohn, der die Kol­le­gen zwingt, zusätz­lich Hartz zu bean­tra­gen.
Die Kol­le­gIn­nen waren zu 80 Pro­zent gewerk­schaft­lich orga­ni­siert, ein für die Gas­tro­no­mie hoher Pro­zent­satz. Und sie unter­stütz­ten ihren Betriebs­rat, der auch in der Tarif­kom­mis­si­on gegen die Nied­rig­löh­ne antrat.
Mare­do will: betriebs­rats- und gewerk­schafts­freie Zonen, ver­un­si­cher­te Mit­ar­bei­ter, die alles mit sich machen las­sen, und noch bil­li­ge­res Per­so­nal. Dies auch des­halb, weil Mare­do dem Pri­va­te-Equi­ty-Unter­neh­men ECM mit Sitz in Frank­furt gehört. Sol­che
Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten kau­fen „mit­tel­stän­di­ge Unter­neh­men” wie Mare­do, um sie nach fünf bis sie­ben Jah­ren gewinn­brin­gend wei­ter zu ver­äu­ßern.
Wir for­dern statt­des­sen: Wie­der­ein­stel­lung der gefeu­er­ten Kol­le­gIn­nen, Ent­schul­di­gung durch die Geschäfts­füh­rung, Abschaf­fung der Nied­rig­löh­ne!

Soli­da­ri­täts­ko­mi­tee für die Mare­do-Mit­ar­bei­ter, Frank­furt
V.i.S.d.P. und Kon­takt: Volk­hard Mos­ler, 0157 – 7185 – 9219, volkhard.mosler@nullgmx.de

 

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