Bossing in Weinheim

Manage­ment und BR-Mehr­heit feu­ern kri­ti­sches BR-Mit­glied- Aktu­el­le Gerichts­ter­mi­ne

 

Die Betriebs­rats­wahl hat er gewon­nen, unbe­quem ist er schon immer, des­halb beliebt bei Beleg­schaft (über 800 Beschäf­tig­te arbei­ten im Stamm­werk) und gefürch­tet bei Mana­gern und Mau­sch­lern. Die Rede ist von Hel­mut Schmitt, dem Vor­sit­zen­den der Wein­hei­mer Orts­grup­pe der Gewerk­schaft IG BCE. Obwohl oder gera­de weil er 2010 die mit Abstand meis­ten Stim­men bei der Betriebs­rats­wahl der Fir­ma für Boden­be­lä­ge, nora-sys­tems, auf sich ver­bu­chen konn­te, wird er seit­dem vom Manage­ment unter Druck gesetzt. Mit einer Kla­ge gegen ihn, die jedoch so abwe­gig war, dass ihr in der Ver­hand­lung ganz schnell die Luft aus­ge­gan­gen ist und mit einer Dop­pel-Abmah­nung, die mit einer Dop­pel-Nie­der­la­ge der Geschäfts­füh­rung ende­te. Jetzt wur­de er als Gip­fel des Gan­zen frist­los gekün­digt. Die Begrün­dung: Hel­mut Schmitt habe auf der letz­ten Betriebs­ver­samm­lung Unwahr­hei­ten ver­brei­tet, indem er Miss­stän­de im Betrieb und Betriebs­rat ange­pran­gert habe. Dadurch habe er den Betriebs­frie­den mas­siv gestört. Dies wird vor dem Arbeits­ge­richt zu klä­ren sein.

 

Mit der glei­chen Argu­men­ta­ti­on hat jetzt die BR-Mehr­heit ein Aus­schluss­ver­fah­ren aus dem BR ange­strengt. Und schickt dem anti­ge­werk­schaft­li­chen Bos­sing von oben noch einen wei­te­ren unkol­le­gia­len Kinn­ha­ken hin­ter­her. Schon bis­her war die Rol­le der Betriebs­rats­mehr­heit bei den ehe­ma­li­gen Freu­den­berg Bau­sys­te­men mehr als pein­lich. Es begann damit, dass man dem Kol­le­gen Schmitt  die Mit­ar­beit in der BR-Füh­rung oder als frei­ge­stell­tes Betriebs­rats­mit­glied ver­wei­ger­te. Danach wur­de er, um ihn zu iso­lie­ren, aus bestimm­ten BR-Aus­schüs­sen ent­fernt. Am 29.6. 2012 beschloss die Mehr­heits­frak­ti­on im Betriebs­rat ein Amts­ent­he­bungs­ver­fah­ren gegen Hel­mut Schmitt. Als Begrün­dung wur­de eine angeb­li­che Belei­di­gung von BR-Mit­glie­dern ange­führt. Weil sei­ne Geg­ner befürch­ten, dass auch die­ses Ver­fah­ren vor dem Arbeits­ge­richt für sie ver­lo­ren geht, erhielt er zusätz­lich am 1.7. die frist­lo­se Kün­di­gung.


Dass die Mehr­heit im BR ihre Zustim­mung gab, ist ein Skan­dal.

 

Denn durch die Zustim­mung des Betriebs­rats wird die per­sön­li­che Situa­ti­on von Hel­mut Schmitt pre­kär, da z.B. die Lohn­zah­lung sofort ein­ge­stellt wird und nicht, wie bei einem Wider­spruch des BR, bis zum Tag der Urteils­ver­kün­di­gung wei­ter­ge­zahlt wer­den muss. Und bis zum Pro­zess­ende und damit der zu erwar­ten­den Rück­kehr Hel­muts in den Betrieb, wird eini­ge Zeit ver­ge­hen. Am schlimms­ten ist aber, dass die nora-Beleg­schaft in die­ser Zeit ihren wich­tigs­ten Für­spre­cher ver­liert, der z.B. auch die anste­hen­den Ver­kaufs­ver­hand­lun­gen des Unter­neh­mens in ihrem Inter­es­se kri­tisch beglei­ten soll­te. Dazu ein Hin­ter­grund­be­richt hier.

 

Das Manage­ment und auch die BR-Mehr­heit schie­ßen mit die­ser Akti­on ein vol­les Eigen­tor. Denn ein bun­des­wei­ter Skan­dal, der in Pres­se und Inter­net dis­ku­tiert wird, beein­flusst die Preis­ver­hand­lun­gen beim beab­sich­tig­ten Ver­kauf der Fir­ma sicher nicht posi­tiv. Eine ers­te Soli­da­ri­täts­ak­ti­on hat am 17.7. vor nory-sys­tems statt­ge­fun­den. Ein Soli­da­ri­täts­ko­mi­tee (aktu­el­le Infor­ma­tio­nen auf der eige­nen Home­page hier) hat sich gebil­det. Die Kon­takt­adres­se des Komi­tees lau­tet:  Indus­trie­pfar­rer i.R. Mar­tin Huhn, Lud­wig-Rich­ter-Str. 6, 68163 Mann­heim, E-Mail: solihelmut@nullweb.de. Ein Soli­da­ri­täts­kon­to ist ein­ge­rich­tet: Maria Rigot, Kon­to-Nr. 356 412 752 , Post­bank Karls­ru­he, BLZ  660 100 75, Kenn­wort „Soli­hel­mut“.

Die ers­ten Güte­ter­mi­ne bei Gericht erbrach­ten erwar­tungs­ge­mäß kei­ne Eini­gung.

 

 

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