Haben die Stadtwerke Forchheim ein Demokratie-Problem?

Die Stadt­wer­ke Forch­heim haben wie alle Unter­neh­men, die etwas auf sich hal­ten, ein Leit­bild. Auf dem Papier jeden­falls. Denn in der Rea­li­tät scheint es doch zu hapern mit dem, was das Unter­neh­men in so heh­ren Wor­ten vor sich her trägt:

Unse­re Struk­tur ist demo­kra­tisch und wir stre­ben einen koope­ra­ti­ven Füh­rungs­stil an. Unser Umgangs­ton ist offen, fair und kol­le­gi­al, denn wir wis­sen, dass wir nur bei einem offe­nen und respekt­vol­len Umgang mit­ein­an­der unse­re Kom­pe­ten­zen und Fähig­kei­ten zusam­men­füh­ren und voll aus­schöp­fen kön­nen.” (Aus dem Leit­bild.)

Tat­säch­lich blo­ckiert nach Infor­ma­tio­nen, die work-watch aus dem Stadt­rat erhal­ten hat, die Geschäfts­füh­rung der Stadt­wer­ke ein ganz essen­ti­el­les Instru­ment geleb­ter betrieb­li­cher Demo­kra­tie, den demo­kra­tisch gewähl­ten Betriebs­rat. Der Druck auf das Gre­mi­um ist offen­sicht­lich so stark, dass bereits Mit­glie­der des Gre­mi­ums das Hand­tuch gewor­fen haben, ande­re sind erkrankt. Der gesetz­lich vor­ge­ge­be­ne Auf­trag, das gewähl­te Ver­tre­tungs­or­gan der Beleg­schaft an den mit­be­stim­mungs­re­le­van­ten Ent­schei­dun­gen im Betrieb zu betei­li­gen, wird anschei­nend nicht wirk­lich gelebt.

Auf Nach­fra­gen der ört­li­chen Pres­se demen­tier­te die Geschäfts­füh­rung. Ober­bür­ger­meis­ter  Franz Stumpf, gleich­zei­tig Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­der der Stadt­wer­ke, behaup­te­te sogar, die Vor­wür­fe ent­behr­ten „jeg­li­cher Grund­la­ge”. Zwei­fel­los ein Schnell­schuss. Bes­ser wäre, die auf­ge­kom­me­ne  Dis­kus­si­on in Ruhe und pro­duk­tiv zu füh­ren. Denn es ist ja oft nicht ganz leicht, eine gedeih­li­che Arbeits­be­zie­hung zwi­schen einer Geschäfts­füh­rung und einem akti­ven Betriebs­rat zu fin­den.

 

Statt sich zu fra­gen, was man viel­leicht bes­ser machen könn­te, sucht die Geschäfts­füh­rung der Stadt­wer­ke jetzt danach, wer wohl die „inter­nen” Infor­ma­tio­nen aus dem Unter­neh­men „nach drau­ßen” gege­ben haben könn­te. Mit die­ser Reak­ti­on offen­bart sie aller­dings tat­säch­lich ein Demo­kra­tie­de­fi­zit. Denn wenn sie die Betriebs­rats­ar­beit in der Ver­gan­gen­heit wirk­lich behin­dert hat, wäre das ein Vor­gang, der eben gera­de nicht betriebs­in­tern blei­ben darf. So etwas gehört an die Öffent­lich­keit. Im Zwei­fel sogar vor ein öffent­lich tagen­des Arbeits­ge­richt oder, wenn es ganz hart kommt, vor ein Straf­ge­richt. Die Behin­de­rung der Betriebs­rats­ar­beit ist näm­lich ein Straf­tat­be­stand. Hat jedoch die Geschäfts­füh­rung eine wei­ße Wes­te, braucht sie auch nicht „Infor­man­ten” zu jagen. Dann kann sie in aller Gemüts­ru­he die Vor­wür­fe im Ein­zel­nen debat­tie­ren und womög­lich rich­tig­stel­len.

 

Dafür ist das hef­ti­ge und schnel­le Demen­ti, das sie zusam­men mit Ober­bür­ger­meis­ter Franz Stumpf in die ört­li­che Pres­se geho­ben hat, exakt der fal­sche Weg.  Bes­ser wäre, wenn sich die Ver­ant­wort­li­chen in die­ser Lage klar­ma­chen wür­den, dass es auch in Forch­heim kei­ne demo­kra­tiefrei­en Zonen geben kann. Und dass ein­ver­nehm­li­che Lösun­gen mög­lich sind. Dazu gehört der ernst­haf­te Wil­le zur Eini­gung (sicher­lich von bei­den Sei­ten) und die Bereit­schaft für pro­duk­ti­ve Kon­flikt­lö­sungs­ge­sprä­che. Ande­re Unter­neh­men haben vor­ge­macht, wie z.B. unter Lei­tung eines neu­tra­len Drit­ten, so etwas bes­tens funk­tio­niert.