Modekette H&M: 5....

Damia­no Quin­to arbei­tet seit 14 Jah­ren bei H&M in Trier. Jetzt hat das Arbeits­ge­richt Trier einen Kün­di­gungs­an­trag gegen den Betriebs­rats­vor­sit­zen­den — den fünf­ten seit Dezem­ber 2012 — durch­ge­wun­ken. Quin­to geht, unter­stützt von Ver­di, in Beru­fung, und wird vor­erst im Betrieb blei­ben; aber der Skan­dal ist per­fekt: ein Arbeit­ge­ber, der sich mit Sys­tem gewerk­schafts­feind­lich ver­hält und einen höchst frag­wür­di­gen Feld­zug gegen einen ihm miß­lie­bi­gen Betriebs­rat führt, erhält dafür auch noch den Segen des ört­li­chen Arbeits­ge­richts.

 

Gut, dass in die­sem Fall die Öffent­lich­keit in Trier längst wach ist. Vom DGB bis zur Katho­li­schen Arbeit­neh­mer­be­we­gung reicht das Bünd­nis, das den rich­ter­li­chen Knie­fall vor der Mode­macht nicht hin­neh­men wird. Der Hin­ter­grund: Damia­no Quin­to hat nicht nur in sei­ner Filia­le als Betriebs­rat, son­dern auch in meh­re­ren Eini­gungs­stel­len ande­rer H&M-Filialen gegen die Ver­su­che des Kon­zerns argu­men­tiert, die Beschäf­tig­ten einem völ­lig will­kür­li­chen („fle­xi­bel” heißt das unter­neh­men­samt­lich) Arbeits­zeit­mo­dell zu unter­wer­fen. Das Modell wider­spricht zu allem Über­fluss dem gül­ti­gen Tarif­ver­trag, wür­de also einen Rechts­bruch dar­stel­len, wenn es umge­setzt wür­de. Dass Quin­to trotz­dem gefeu­ert wer­den sol­le, recht­fer­tigt das Arbeits­ge­richt mit dem Hin­weis, er habe sei­ne Tätig­keit in der Eini­gungs­stel­le nicht zuvor gericht­lich geneh­mi­gen las­sen. Eine „Erlaub­nis”, die wohl sel­ten ein Arbeit­neh­mer jemals hat ein­ho­len müs­sen…

 

Die Aus­ein­an­der­set­zung um den „fle­xi­blen” Ein­satz der Beschäf­tig­ten, die sich auf Abruf und jeder­zeit zur Arbeit bereit­hal­ten sol­len, zieht sich durch den gesam­ten Kon­zern. Wider­stand gibt es in vie­len Filia­len, z.B. in Ber­lin. Dort hat­te die zustän­di­ge H&M-Filiale gleich den gesam­ten ört­li­chen Betriebs­rat auf­lö­sen wol­len, weil er sich mehr­fach gewei­gert hat­te, Dienst­plä­ne zu akzep­tie­ren, die die Filia­le ohne Rück­sicht auf die Gesund­heit­heit Beschäf­tig­ten durch­set­zen woll­te. Aber das dor­ti­ge ange­ru­fe­ne Arbeits­ge­richt ent­schied weni­ger arbei­ter­ge­ber-freund­lich. Es mach­te dem Arbeit­ge­ber klar, er wer­de mit sei­nem Antrag nicht durch­kom­men — wor­auf­hin ihn H&M zurück­zog (hier der Bericht).

 

Die Schlach­ten, die H&M gegen selbst­be­wuss­te, gewerk­schaft­lich ori­en­tier­te Betriebs­rä­te schlägt, gehen auf ein aus­ge­ar­bei­te­tes Kon­zept der Kon­zern­spit­ze zurück. Das Unter­neh­men hat eine „Stra­te­gie im Umgang mit dem Betriebs­rat – streng ver­trau­lich, nur für den inter­nen Manage­ment­ge­brauch“ aus­ge­ar­bei­tet. Dar­in heißt es unter ande­rem:

Wir wol­len eine Rich­tungs­än­de­rung! Die Aus­ein­an­der­set­zung mit Betriebs­rä­ten als Invest­ment begrei­fen, um mit­tel­fris­tig einen pro­duk­ti­ven Out­put zu errei­chen. Infor­ma­ti­ons­ho­heit anstre­ben. Hyper­ak­tive im Zaum hal­ten. Die für uns geeig­ne­ten Kan­di­da­ten errei­chen. Kos­ten der Betriebs­rats­ar­beit ver­rin­gern.“

 

Mög­lich, dass so viel anti­ge­werk­schaft­li­che Ent­schie­den­heit irgend­wann dem Kon­zern nicht nur image­mä­ßig son­dern sogar umsatz­mäch­tig auf die Füße fällt. Denn man­che Kun­den mögen ungern dort ein­kau­fen, wo Beschäf­tig­ten­rech­te sys­te­ma­tisch miß­ach­tet wer­den. Eine Demons­tra­ti­on von H&M-Betriebsräten im Juni 2013 zur damals noch nicht gericht­lich durch­ge­wun­ke­nen Kün­di­gung von Quin­to in Han­no­ver fand jeden­falls gro­ße öffent­li­che Auf­merk­sam­keit (hier der Bericht). Und über die Platt­form change.org läuft eine Peti­ti­on gegen H&M mit der Auf­for­de­rung, alle Kün­di­gun­gen gegen Quin­to zurück­zu­neh­men.

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