Die „Spiel-Kiste” (GmbH &...

240 Beschäf­tig­te hal­ten das immer­hin aus, seit vie­len Jah­ren schon: die Art von Arbeit, die ihnen vom Eigen­tü­mer der „Spiel-Kis­te” zuge­mu­tet wird. Die Spiel­sa­l­on­ket­te im Rhein­land mit Haupt­sitz in Ber­gisch-Glad­bach zahlt schlecht — 6,50 € Ein­gangs­lohn — und haut ger­ne weg, wer als Ange­stell­te auf­muckt und nicht jeder­zeit ver­füg­bar ist. Ver­füg­bar — das kann schon mal hei­ßen, 240 oder auch 260 Monats­stun­den in der Filia­le ste­hen, die Kun­den bedie­nen, die Auto­ma­ten war­ten und gute Mie­ne zum bösen Spiel machen.

 

Eigen­tü­mer und Geschäfts­füh­rer Mar­cus Seuf­fert weiß um die Kri­tik „sei­ner” Beschäf­tig­ten. Immer­hin muss­te er zäh­ne­knir­schend Ende 2012 die Wahl eines Betriebs­ra­tes zulas­sen. Zum ers­ten Mal in der Geschich­te. Aber er scheint ent­schlos­sen, die­se Kri­tik ent­we­der an sich abpral­len zu las­sen oder aus­zu­sit­zen. Einen Brief von work-watch, mit dem wir um Ant­wor­ten zu 8 Fra­gen baten, fer­tig­te er jeden­falls schrift­lich mit dem Satz ab: „Aus unse­rer Sicht gibt es kei­ner­lei Ver­an­las­sung zu Bean­stan­dun­gen unse­rer Unter­neh­mens­füh­rung”.

 

Und das hat­te work-watch geschrie­ben:

Sehr geehr­ter Herr Seuf­fert!

Wir wen­den uns mit die­sem Schrei­ben an Sie, weil wir dar­über Infor­ma­tio­nen erhal­ten haben, dass in Ihrem Unter­neh­men pro­ble­ma­ti­sche Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se exis­tie­ren könn­ten.

Bevor wir uns gege­be­nen­falls an zustän­di­ge staat­li­che Auf­sichts- oder Ermitt­lungs­be­hör­den wen­den oder mög­li­cher­wei­se die Öffent­lich­keit infor­mie­ren, möch­ten wir Sie bit­ten, auf die fol­gen­den Fra­gen zu ant­wor­ten. Wir schlie­ßen nicht aus, dass Sie unse­re Fra­gen hin­rei­chend auf­klä­ren kön­nen, sodass wei­te­re Schrit­te unser­seits nicht mehr not­wen­dig sind.

1.) Trifft es zu, dass in Filia­len Ihres Unter­neh­mens ohne vor­he­ri­ge Ankün­di­gung gegen­über dem Per­so­nal und ohne Infor­ma­ti­on der Gäs­te Video­über­wa­chun­gen vor­ge­nom­men wer­den? Eine sol­che Pra­xis wider­sprä­che nach unse­rer Ansicht den gesetz­li­chen Daten­schutz­vor­ga­ben.

2.) Trifft es zu, dass die Grund­ver­gü­tung für Beschäf­tig­te in Ihrem Unter­neh­men bei 6,50 € und damit erheb­lich unter ver­gleich­ba­ren tarif­li­chen Min­dest­löh­nen liegt? Inwie­weit die von Ihnen gezahl­ten Lohn­hö­he den Tat­be­stand der Sit­ten­wid­rig­keit erfüllt, wäre zu prü­fen.

3.) Unse­rer Kennt­nis nach erhal­ten die von Ihnen voll­be­schäf­tig­ten Arbeit­neh­mer in der Regel Arbeits­ver­trä­ge über „ca. 160 Monats­stun­den”. Trifft es zu, dass bei Unter­schrei­tung die­ser Arbeits­zeit aus betrieb­li­chen Grün­den den betrof­fe­nen Arbeit­neh­mer ent­spre­chen­de Lohn­kür­zun­gen zuge­mu­tet wer­den? Wenn ja, wür­den wir dar­in eine Ver­let­zung Ihrer arbeits­ver­trag­li­chen Pflich­ten sehen.

4.) Trifft es zu, dass Beschäf­tig­te in Ihrem Unter­neh­men z.T. ohne Pau­se 10 Stun­den durch­ar­bei­ten müs­sen und kei­ne Mög­lich­keit besteht, unge­stört etwas zu essen? Damit wären die Bestim­mun­gen des Arbeits­zeit­ge­set­zes deut­lich ver­letzt.

5.) Trifft es zu, dass Sie ein­zel­ne Beschäf­tig­te mehr als 8 Tage, z.T. sogar mehr als 10 Tage ohne frei­en Tag in Ihren Filia­len ein­set­zen und dass bei Schicht­wech­sel häu­fig die Min­destru­he­zeit von 11 Stun­den unter­schrit­ten wird? Auch dar­in wür­den wir einen Ver­stoß gegen das Arbeits­zeit­ge­setz sehen.

6.) In Ihrem Unter­neh­men exis­tiert ein Betriebs­rat. Trifft es zu, dass die Schicht­plä­ne für die Beschäf­tig­ten den­noch ohne Bera­tung mit bzw. Zustim­mung durch den Betriebs­rat ein­sei­tig durch den Beauf­trag­ten der Geschäfts­füh­rung fest­ge­legt wer­den (was gegen die Mit­be­stim­mungs­ver­pflich­tun­gen aus dem Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz ver­sto­ßen wür­de)?

7.) Trifft es zu, dass die Per­so­nal­lei­tung Ihres Unter­neh­mens erkrank­te Beschäf­tig­te zuhau­se auf­sucht und erkrank­te Arbeit­neh­mer zu Ein­zel­hei­ten ihrer Erkran­kung befragt und von ihnen sogar schrift­li­che Anga­ben über ihre Erkran­kung ein­for­dert? Das wäre, wie Sie sicher­lich wis­sen, ein kras­ser Ver­stoß gegen die ein­schlä­gi­gen Daten­schutz­be­stim­mun­gen.

8.) Die Beschäf­tig­ten in Ihrem Unter­neh­men kön­nen unse­res Wis­sens prin­zi­pi­ell an allen sie­ben Tagen der Woche ein­ge­setzt wer­den. Den­noch erhal­ten Sie nur einen Jah­res­ur­laub von 22 Tagen. Trifft das zu, wür­den Sie damit die Min­dest­be­stim­mun­gen im Bun­des­ur­laubs­ge­setz ver­let­zen.

Wir wür­den uns freu­en, wenn Sie unse­re Fra­gen inner­halb der nächs­ten 14 Tage beant­wor­ten könn­ten.

Mit freund­li­chen Grü­ßen…

 

Nun neh­men also die Din­ge einen ande­ren Ver­lauf, als erhofft. Wir wer­den uns mit den genann­ten und nicht beant­wor­te­ten Vor­wür­fen an die Ermitt­lungs­be­hör­den wen­den.

 

 

 

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