Berliner Charité: hausgemachte Krankheit

Die Ber­li­ner Cha­rité ist ein berühm­tes Kran­ken­haus, ein his­to­ri­sches, ein welt­be­rühm­tes dazu, Glanz­stück ärzt­li­cher Kunst und wis­sen­schaft­li­chen Kön­nens.

Das ist die eine Sei­te. Die ande­re ist eher dun­kel. Denn mit der immer wei­ter um sich grei­fen­den Öko­no­mi­sie­rung auch der Kran­ken­häu­ser hat in der Cha­rité anschei­nend ein fins­te­rer Grund­satz Ein­zug gehal­ten: Pro­fit­wirt­schaft durch Lohn­dum­ping.

 

Die Cha­rité erwirt­schaf­tet „mehr als eine Mil­li­ar­de Euro im Jahr”, ver­rät die Anstalt. Was sie nicht ver­rät: das geschieht unter ande­rem in out­ge­sourc­ten Betrie­ben, zum Bei­spiel der „Cha­rité Faci­li­ty Manage­ment (CFM)”. Dort sind Rei­ni­gungs­kräf­te, Fah­rer und ande­re Ser­vice­kräf­te zusam­men­ge­fasst, die frü­her für bes­se­re Löh­ne direkt bei der Cha­rité ange­stellt waren und jetzt zu nied­ri­gen, zu Dum­ping­löh­nen eben, in einer eige­nen Gesell­schaft arbei­ten. 2011 muss­ten die dor­ti­gen Beschäf­tig­ten 89 Tage strei­ken, um wenigs­tens einen Min­dest­lohn von 8,50 € zu erhal­ten.

 

Was für die Beschäf­tig­ten ein Erfolg war, war für die Geschäfts­füh­rung eine Nie­der­la­ge. Die hat sie offen­sicht­lich nicht ver­ges­sen, son­dern ver­sucht der­zeit, an einem der Streik­füh­rer ein Exem­pel zu sta­tu­ie­ren. Aaron Wil­liams, Betriebs­rats­mit­glied, wur­de frist­los gekün­digt (hier ein Bericht des rbb). Weil das Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz eine sol­che Kün­di­gung ver­bie­tet, soll nun das Arbeits­ge­richt sie erlau­ben. Ver­han­delt wird dar­über am 9.12. 2013, sicher­lich unter gro­ßer Anteil­nah­me von Wil­liams Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen.

 

Gut wäre, wenn die­ser Pro­zess eine wirk­lich brei­te Auf­merk­sam­keit erfährt. Denn es geht um Grund­sätz­li­ches: Die Geschäfts­lei­tung wirft Aaron Wil­liams näm­lich vor, er habe „den Betriebs­frie­den (durch) belei­di­gen­de und ver­leum­de­ri­sche Äuße­run­gen erheb­lich gestört”. Wil­liams hat­te dar­auf hin­ge­wie­sen, dass bei der CFM eine arbeit­ge­ber­freund­li­che Betriebs­rats­lis­te („Fri­scher Wind” ) nicht nur erheb­li­che Unter­stüt­zung durch die Geschäfts­lei­tung erfah­ren hat (z.B. durch die Ein­rich­tung einer eige­nen Web­site mit­hil­fe des Sys­tem­ad­mi­nis­tra­tors der CFM), son­dern dass min­des­tens eine Betriebs­rats­an­ge­hö­ri­ge die­ser Lis­te in auf­fal­len­der zeit­li­cher Nähe zu ihrer Streik­bre­cher­agi­ta­ti­on 2011 eine 50%ige Lohn­er­hö­hung erhal­ten hat.

 

Offen über Kor­rup­ti­on und Bevor­zu­gung zu reden, tut weh. Dass ein welt­be­rühm­tes Krank­haus, in des­sen Auf­sichts­rat sogar Ber­li­ner Senats­mit­glie­der sit­zen, das ver­bie­ten will, tut noch mehr weh. Es ist eine der Aktio­nen, die dar­auf abzie­len, demo­kra­ti­sche und gewerk­schaft­li­che Rech­te — zu ihnen gehört die Mei­nungs­frei­heit — im Betrieb zu unter­bin­den. Kein Ruh­mes­blatt für die Cha­rité.

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