Paketdienste unterlaufen Mindestlohn

Das Ein­falls­tor wur­de vom Finanz­mi­nis­te­ri­um auf­ge­sto­ßen. Das Ein­falls­tor für den Betrug an Fah­rern in der Logis­tik­bran­che, die mit dem Min­dest­lohn wenigs­tens ein biss­chen bes­ser gestellt wer­den soll­ten als bis­her. Minis­ter Schäub­le, der es bei den Grie­chen immer sehr genau nimmt, hat mit­hil­fe einer Durch­füh­rungs­ver­ord­nung mög­lich gemacht, dass im Fal­le even­tu­el­ler amt­li­cher Kon­trol­len nicht die tat­säch­li­che Arbeits­zeit von Fah­rern doku­men­tiert wer­den muss. Statt den Beginn, das Ende und die tat­säch­li­che Dau­er des Arbeits­ta­ges auf­zu­zeich­nen, muss für die Fah­rer nur die (angeb­lich) geleis­te­te Gesamt­stun­den­zahl pro Tag ver­merkt wer­den. War­um sie z.B. nur acht Stun­den arbei­ten, obwohl sie doch zwi­schen 6 Uhr und 18 Uhr unter­wegs sind, brau­chen die Behör­den nicht mehr her­aus­zu­fin­den, falls sie über­haupt jemals zu einer Kon­trol­le vor­bei­kom­men. Die­se kas­trier­te Auf­zeich­nungs­pflicht ist die Fort­set­zung der Mär­chen­bü­cher, die von den Fah­rern per Hand geführt wer­den (müs­sen), um bei Ver­kehrs­kon­trol­len ihre wah­ren Arbeits­zei­ten zu ver­schlei­ern.

 

Auf die­ser Basis ist der Min­dest­lohn ein Witz. Wer offi­zi­ell acht Stun­den arbei­tet und dafür 8,50 Euro bekommt, also am Tag 68 Euro, aber tat­säch­lich 12 Stun­den malocht, ver­dient eben nicht den Min­dest­lohn, son­dern nicht mal 5,70 Euro. So sehen das auch Paket­kon­zer­ne. Und for­dern ihre abhän­gi­gen  Sub­un­ter­neh­mer auf, die Fah­rer offi­zi­ell höchs­tens 10 Stun­den arbei­ten zu las­sen und ihnen dafür den Min­dest­lohn zuzu­si­chern. Jede wei­te­re Stun­de geht dann sozu­sa­gen auf die Kap­pe der Fah­rer und wird nicht mehr ver­gü­tet. Eigent­lich wie gehabt: Ein Monats­lohn von 1.500 Euro brut­to brach­te bei einer tat­säch­li­chen Arbeits­zeit von 250 Stun­den einen Stun­den­lohn von 6 Euro. Ab dem 1.1. 2015 wird „ange­ord­net”, dass der Fah­rer offi­zi­ell unter 200 Stun­den arbei­tet. Durch den Rechen­trick lan­det er dann — auf dem Papier — beim Min­dest­lohn. In der Wirk­lich­keit hat sich für ihn nichts geän­dert: Weder gibts mehr Geld noch muss er weni­ger arbei­ten.

 

Wer sel­ber prak­ti­sche Erfah­run­gen macht, die die­se Betrü­ge­rei bestä­ti­gen, den bit­ten wir um Kon­takt­auf­nah­me mit uns. Natür­lich freu­en wir uns auch über posi­ti­ve Bei­spie­le. Es soll sie auch geben.