Berlin: Botanischer Garten der Uni unter aller Sau

Die Ber­li­ner Akti­on gegen Arbeits­un­recht orga­ni­siert eine Pro­test­ak­ti­on gegen die Angrif­fe auf Beschäf­tig­te und Gewerk­schaft­ler im berühm­ten Bota­ni­schen Gar­ten der Haupt­stadt.

Arbeits­be­din­gun­gen im Bota­ni­schen Gar­ten

Uni­on Bus­ting, Betriebs­rat-Bashing, Lohn­dum­ping, Mob­bing & Out­sour­cing!

Der Bota­ni­sche Gar­ten ist der größ­te sei­ner Art in Deutsch­land. Im Jahr zieht er ca. eine hal­be Mil­li­on Besu­cher an. Doch die Idyl­le trügt.

Die dras­ti­schen Kür­zun­gen der Lan­des­mit­tel wer­den seit Jah­ren sei­tens der Frei­en Uni­ver­si­tät ohne Rück­sicht auf Ver­lus­te an den Bota­ni­schen Gar­ten wei­ter gege­ben, mit betriebs­ver­fas­sungs­feind­li­chen und gesund­heit­li­chen Fol­gen für die Beschäf­tig­ten. 18 offe­ne Stel­len sor­gen dafür, dass den Gärt­ne­rin­nen und Gärt­nern die Arbeit buch­stäb­lich über den Kopf wächst. Der Gar­ten ver­unkrau­tet und Besu­cher beschwe­ren sich!

Beschäf­tig­te der Betriebs­ge­sell­schaft, eine 100prozentige Toch­ter der FU, ver­die­nen bis zu 72 Pro­zent weni­ger als ihre Kol­le­gen, die bei der FU ange­stellt sind, für ein und die­sel­be Arbeit!

Nach Jah­ren der Angst hat sich die Beleg­schaft der Betriebs­ge­sell­schaft orga­ni­siert und strebt gemein­sam mit ver.di Tarif­ver­hand­lun­gen und eine Ver­bes­se­rung der Arbeits­be­din­gun­gen an. Wohl nicht anders zu ver­ste­hen als Reak­ti­on dar­auf wur­de kur­zer­hand die Schlie­ßung des Bereichs Rei­ni­gung im BGBM in die Wege gelei­tet.

Man will sich – so wört­lich – von „sozia­len Ver­pflich­tun­gen“ befrei­en.

Die 6 Rei­ni­gungs­kräf­te, deren Lohn nur knapp über dem Min­dest­lohn liegt, ste­hen vor dem Aus! Sie rei­ni­gen seit Jah­ren eine Flä­che von 30.000 Qua­drat­me­tern pro Woche für einen Hun­ger­lohn.

Sie arbei­ten bis zu 12 Tage am Stück, um die Arbeit bewäl­ti­gen zu kön­nen. Den­noch droht die Freie Uni­ver­si­tät damit, eine pri­va­te Rei­ni­gungs­fir­ma zu beauf­tra­gen und schürt damit Exis­tenz­ängs­te in der Beleg­schaft. Dabei hat gera­de der Bereich Rei­ni­gung einen erheb­li­chen Bei­trag zu den Spar­maß­nah­men geleis­tet, die das Land Ber­lin durch Mit­tel­kür­zun­gen der Frei­en Uni­ver­si­tät in Auf­trag gege­ben hat.

Über den Damen der Rei­ni­gung schwebt seit Mona­ten das Schwert des Damo­kles.

Die Zer­mür­bungs­tak­tik soll beson­ders bei 2 von 6 Rei­ni­gungs­kräf­ten, die gleich­zei­tig Betriebs­rä­te sind, Wir­kung zei­gen. Eine der bei­den setzt sich der­zeit für höhe­re Löh­ne in der Tarif­kom­mis­si­on ein. Gewerk­schaft­li­che Arbeit soll mit allen Mit­teln unter­bun­den wer­den und in Miss­kre­dit gebracht wer­den. Mit­glie­der der Tarif­kom­mis­si­on und Betriebs­rä­te wer­den wie „Men­schen 2. Klas­se“ behan­delt. Im Betrieb wird die Stim­mung erzeugt, die Arbeit­neh­mer­ver­tre­tun­gen sei­en dafür ver­ant­wort­lich, dass alle Beschäf­tig­te bald ihren Arbeits­platz ver­lie­ren wer­den.

Betriebs­rats­mit­glie­der, die sich im Bota­ni­schen Gar­ten für den Erhalt der Arbeits­plät­ze und für sta­bi­le Arbeits­be­din­gun­gen ein­set­zen, sehen sich seit Jah­ren in der Wahr­neh­mung ihrer Auf­ga­be und Ver­ant­wor­tung mas­siv ein­ge­schränkt.

Die Repres­sa­li­en gegen Betriebs­rats­ar­beit fin­den sys­te­ma­tisch und im gro­ßen Stil statt. Zusam­men mit einer Rei­he von Ver­stö­ßen gegen das Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz, Tarif­ver­trä­ge, Betriebs­ver­ein­ba­run­gen & Arbeits­ver­trä­ge ent­fal­tet der Füh­rungs­stil der Frei­en Uni­ver­si­tät die Merk­ma­le des

Uni­on Bus­ting!!!

Die­ser Begriff steht für die sys­te­ma­ti­sche Bekämp­fung, Unter­drü­ckung und Sabo­ta­ge von Arbeit­neh­mer­ver­tre­tun­gen, also Gewerk­schaf­ten und Betriebs­rä­ten.

Gerichts­ver­fah­ren am Ber­li­ner Arbeits­ge­richt, Lan­des­ar­beits­ge­richt, Ver­wal­tungs- bzw. Ober­ver­wal­tungs­ge­richt sind anhän­gig und sor­gen für erheb­li­che Zusatz­kos­ten, an denen sich die Freie Uni­ver­si­tät in vor­aus­ei­len­der Für­sor­ge betei­ligt und das frag­wür­di­ge Ver­hal­ten der Toch­ter (Betriebs­ge­sell­schaft) unter­stützt. Es hält sich tap­fer der Vor­wurf, dass die FU in den letz­ten Jah­ren 340 000 Euro an Steu­er­gel­dern für Wis­sen­schaft und For­schung zweck­ent­frem­det hät­te, um sich von Betriebs­rä­ten im BGBM und somit von ihren betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Pflich­ten frei­zu­kau­fen.

Dabei wird immer gleich ver­fah­ren, Betriebs­rä­te wer­den sys­te­ma­tisch gemobbt, so dass ihnen oft, um wei­te­ren gesund­heit­li­chen Repres­sa­li­en aus dem Weg zu gehen, die Auf­lö­sung des Arbeits­ver­tra­ges, als letz­ter Aus­weg erscheint.

Enga­gier­te Betriebs­rä­te wer­den in kost­spie­li­ge, indi­vi­du­al­recht­li­che Gerichts­pro­zes­se gezerrt und in ihrer Exis­tenz bedroht. Ein Fall sorg­te für beson­ders gro­ßes Auf­se­hen. Ein Betriebs­rats­mit­glied wur­de kurz vor einem Ver­hand­lungs­ter­min vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt mit einer 6stelligen Sum­me abge­fun­den. Im Raum stand der Vor­wurf der Kör­per­ver­let­zung durch den Betriebs­lei­ter. Man hät­te ver­sucht, so der Vor­wurf, das Betriebs­rats­mit­glied ohne Ankün­di­gung gegen sei­nen Wil­len in das Büro der Betriebs­lei­tung in ein Per­so­nal­ge­spräch zu zer­ren.

In Samm­lungs­be­rei­chen (frü­her Revie­re genannt), in denen enga­gier­te Betriebs­rä­te beschäf­tigt sind, wird das Per­so­nal dras­tisch redu­ziert, so dass sie vor der Arbeit kapi­tu­lie­ren und letzt­end­lich ihrem Amt nicht mehr nach­kom­men kön­nen. Dabei ver­liert die Lei­tung das Maß der Din­ge und den eigent­li­chen, wis­sen­schaft­li­chen Auf­trag, die Kul­ti­vie­rung von Pflan­zen, völ­lig aus den Augen. Gesund­heit­li­che Fol­gen für die Beschäf­tig­ten und Schä­den an Pflan­zen­be­stän­den wer­den bil­li­gend in Kauf genom­men.

In der Beleg­schaft brö­ckelt das Ver­ständ­nis für die­se kon­fron­ta­ti­ve Betriebs­füh­rung. Anstatt sich von Betriebs­rä­ten für hohe Sum­men frei­zu­kau­fen, soll­te man lie­ber den tarif­ver­trag­li­chen und gesetz­li­chen Pflich­ten nach­kom­men, so ein Arbeit­neh­mer der nicht genannt wer­den will. Sai­son­ar­bei­ter bekla­gen, die Betriebs­ge­sell­schaft wür­de seit Grün­dung 2008 gegen das Bun­des­ur­laubs­ge­setz ver­sto­ßen. Im Raum ste­hen ca. 1350 nicht gege­be­ne Urlaubs­ta­ge und eine Sum­me von ca. 90 000 Euro, die der Beleg­schaft auf die­sem Wege vor­ent­hal­ten wur­de.

Um tarif­lich ver­ein­bar­te Über­stun­den­zu­schlä­ge drückt man sich eben­falls seit März 2010. Die Lei­tung ver­tritt die Auf­fas­sung: „Sol­len die ein­zel­nen Arbeit­neh­mer doch kla­gen, wer befris­tet ist, muss dann aller­dings damit rech­nen, dass er nicht mehr ein­ge­stellt wird“.

Pri­va­ti­sie­rung um jeden Preis!!!

Dazu beauf­trag­te Peter Lan­ge, Kanz­ler der Frei­en Uni­ver­si­tät, eine Unter­neh­mens­be­ra­tung. Die­se lie­fer­te den ver­ant­wort­li­chen Füh­rungs­kräf­ten im Bota­ni­schen Gar­ten die Anlei­tung zur Umwand­lung der öffent­li­chen Ein­rich­tung in eine pri­va­te Betriebs­ge­sell­schaft. Die Bera­ter grif­fen zu befremd­li­chen Mit­teln, schleus­ten über Jah­re ein Mit­glied der Unter­neh­mens­be­ra­tung als Gärt­ner ein.

Die­ser spal­te­te und mobb­te die Beleg­schaft, stör­te kon­se­quent den Betriebs­frie­den und schal­te­te pri­vat­recht­li­che Anzei­ge gegen einen Beschäf­tig­ten um ihm den Arbeits­all­tag zur Höl­le zu machen. Er agi­tier­te und ver­lei­te­te Beschäf­tig­te zu betriebs­ver­fas­sungs­feind­li­chen Hand­lun­gen. Alles mit Rücken­de­ckung des Kanz­lers Peter Lan­ge, so teil­te es der Bera­ter regel­mä­ßig sei­nen Kol­le­gen mit, um sich Respekt zu ver­schaf­fen.

Er ver­wen­de­te über Jah­re unbe­hel­ligt sei­ne Arbeits­zeit und den Email­ac­count der FU und betrieb eine Web­sei­te um die Beleg­schaft gegen den ansäs­si­gen Betriebs­rat auf­zu­het­zen. Die Lei­tung griff nicht ein, pro­fi­tier­te von der Spal­tung der Beleg­schaft und setz­te im Eil­ver­fah­ren ihre Pri­va­ti­sie­rungs- und Umstruk­tu­rie­rungs­maß­nah­men fort. Inzwi­schen trenn­te man sich nach jah­re­lan­ger Zusam­men­ar­beit und ergriff erneut die Mög­lich­keit einer üppi­gen Abfin­dung.

So kann es nicht wei­ter gehen!

Der Bota­ni­sche Gar­ten Ber­lin ist ein Para­de­bei­spiel für eine geschei­ter­te Pri­va­ti­sie­rung einer öffent­li­chen Ein­rich­tung. Die­ser Wahn­sinn muss gestoppt wer­den!!! Die Ver­ant­wort­li­chen im BGBM set­zen den guten Ruf der his­to­ri­schen Ein­rich­tung aufs Spiel. Dabei scheint jedes Mit­tel Recht. Kürz­lich wur­de der Beleg­schaft sogar mit einer Rand­be­bau­ung des denk­mal­ge­schütz­ten Are­als gedroht.

Erneu­ter Schlie­ßungs­ver­such des Bota­ni­schen Gar­tens?

2003 gaben 80 000 Ber­li­ne­rin­nen und Ber­li­ner ein kla­res Votum gegen die Schlie­ßung ab und setz­ten sich gegen den Senat durch. Die Pro­tes­te gegen die Schlie­ßung ent­wi­ckel­ten sich damals, aus dem Herz des Gar­tens, aus der Arbeit­neh­mer­schaft her­aus. Eini­ge Beschäf­tig­te mut­ma­ßen heu­te, die Schlie­ßung war nie vom Tisch. Jetzt soll nach Sala­mi­tak­tik ver­fah­ren wer­den. Die Öffent­lich­keit soll nichts mit­be­kom­men! Die Lei­tung koket­tiert offen mit der Schlie­ßung oder der Umwand­lung in einen Park.

Hel­fen Sie mit, dass der Bota­ni­sche Gar­ten Ber­lin in der Form erhal­ten bleibt! Soli­da­ri­sie­ren Sie sich mit der „Akti­on gegen Arbeits­un­recht Ber­lin“ und tei­len Sie die­sen Bericht mit Ihren Freun­den, Bekann­ten, Jour­na­lis­ten und Poli­ti­kern.

Betei­li­gen Sie sich an unse­rem Auf­ruf und ver­fas­sen Sie ein Schrei­ben an den Kanz­ler der FU, Peter Lan­ge und dem Direk­tor des BGBM, Tho­mas Borsch:

Sehr geehr­ter Herr Lan­ge, sehr geehr­ter Herr Borsch,

ich habe von den schlech­ten Arbeits­be­din­gun­gen und den fest­ge­fah­re­nen Tarif­ver­hand­lun­gen im Bota­ni­schen Gar­ten erfah­ren. Bit­te stop­pen Sie die­se Ent­wick­lung und sor­gen Sie dafür, dass die Men­schen im Bota­ni­schen Gar­ten in Wür­de und mit einer anstän­di­gen Bezah­lung ihren Dienst tun kön­nen. Been­den Sie wei­te­re Aus­glie­de­run­gen und den Aus­ver­kauf. Der Gar­ten soll mit glück­li­chen Beschäf­tig­ten und schö­nen Pflan­zen erhal­ten blei­ben, so wie die Ber­li­ne­rin­nen und Ber­li­ner ihn ins Herz geschlos­sen haben.

Mit freund­li­chen Grü­ßen

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Kon­takt­da­ten:

Peter Lan­ge, Kanz­ler der FU: kanzler@nullfu-berlin.de

Fax: (030) 838–732 17

Tho­mas Borsch, Direk­tor des Bota­ni­schen Gar­tens: t.borsch@nullbgbm.org

Fax: (030) 838–502 18