Massenentlassungen in Mannheim: Überbetriebliche Proteste

(gk) Im Kampf um Arbeits­plät­ze zusam­men­hal­ten — mit die­sem Ziel hat sich in Mann­heim Anfang des Jah­res auf Initia­ti­ve der IG Metall ein über­be­trieb­li­ches Soli­da­ri­täts­ko­mi­tee für die Rhein-Neckar-Regi­on gegrün­det. Und sie haben gleich zu tun bekom­men: Die Möbel­haus­ket­te XXXL hat­te am 1.Februar 99 Mit­ar­bei­ter der Auf­trags­sach­be­ar­bei­tung kur­zer­hand frei­ge­stellt. Die Beschäf­tig­ten wur­den bei Arbeits­be­ginn am Ein­gang abge­fan­gen und mit sofor­ti­ger Wir­kung frei­ge­stellt. Weder sie noch der Betriebs­rat sind zuvor über die Frei­stel­lung infor­miert wor­den – ein Ver­stoß gegen das Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz. Nur weni­ge Tage spä­ter demons­trier­ten etwa 400 Teil­neh­mer gegen die Frei­stel­lung und geplan­te Mas­sen­ent­las­sung, dar­un­ter ver.di, IG-Metall und die Beschäf­tig­ten zahl­rei­cher Betrie­be aus der Regi­on.

 

Die Hoff­nun­gen der XXXL-Beschäf­tig­ten rich­te­ten sich dann zunächst auf einen Ter­min vor dem Arbeits­ge­richt am 16.Februar in Mann­heim. Der Betriebs­rat woll­te per einst­wei­li­ger Ver­fü­gung die Frei­stel­lung rück­gän­gig machen, denn in der Betriebs­ver­ein­ba­rung war von einer Beschäf­ti­gungs­ga­ran­tie bis Ende 2016 die Rede.

 

Die Anwäl­tin von XXXL woll­te das nicht gel­ten las­sen, berich­te­te „Mor­gen­web – das Nach­rich­ten­por­tal Rhein-Neckar“:

Die Mit­ar­bei­ter hät­ten sofort frei­ge­stellt wer­den müs­sen, da die Gesell­schaft, bei der sie beschäf­tigt sind, die LH Ser­vice GmbH, Ende Janu­ar ihren ein­zi­gen Auf­trag­ge­ber ver­lo­ren habe. Dabei han­delt es sich um die Han­dels­ge­sell­schaft BDSK, die eben­so wie LH Ser­vice zur XXXL-Grup­pe gehört. Zwar habe es zwi­schen den Gesell­schaf­ten einen Ver­trag gege­ben, der bis Ende 2016 lau­fen soll­te. Am 26. Janu­ar, weni­ge Tage vor der Frei­stel­lung der LH-Ser­vice-Mit­ar­bei­ter, habe BDSK den Ver­trag aber gekün­digt, da die Mann­hei­mer Gesell­schaft trotz zwei­ma­li­ger Abmah­nung Kri­te­ri­en nicht erfüllt habe.

So habe die Bear­bei­tung von Rekla­ma­tio­nen zu lan­ge gedau­ert. „Unter den 80 Ser­vice­cen­tern der Grup­pe in Deutsch­land war Mann­heim das aller­schlech­tes­te”, argu­men­tiert die Anwäl­tin von XXXL — und löst einen Pro­test­sturm bei den Mit­ar­bei­tern im Gerichts­saal aus. Auch dem Betriebs­rats­vor­sit­zen­den Tho­mas Becker platzt der Kra­gen: „Für mich ist das Stra­te­gie, um sich der Mit­ar­bei­ter zu ent­le­di­gen”, schimpft er.“

 

Das Gericht folg­te im voll­be­setz­ten Gericht­saal den­noch der Argu­men­ta­ti­on der Rechts­an­wäl­tin Karo­li­ne Weiss, die bei XXXL fest ange­stellt ist,  und lehn­te die einst­wei­li­ge Ver­fü­gung gegen die Frei­stel­lung der Beschäf­tig­ten ab. D.h. für das Arbeits­ge­richt Mann­heim wog der Schutz die­ser win­di­gen Geschäfts­kon­struk­ti­on offen­sicht­lich schwe­rer als der Schutz der Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter.

 

Aber nicht nur vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt soll die­ses Urteil ange­foch­ten wer­den, auch auf der Stra­ße wird wei­ter mobi­li­siert. Nach Anga­ben des über­re­gio­na­len Soli­da­ri­täts­ko­mit­tees pro­tes­tier­ten rund 800 Men­schen am Sams­tag, dem 27.02.2016, auf dem Mann­hei­mer Para­de­platz gegen den Skan­dal bei der Möbel­haus­ket­te XXXLutz, dar­un­ter zahl­rei­che Kol­le­gIn­nen aus ande­ren Betrie­ben: Benz, Bom­bar­dier, Gene­ral Elec­tric, John Deere, Mer­ce­des-Nie­der­las­sung, Rhen­us, Roche, Stadt Mann­heim , uvm.

 

Das Soli­da­ri­täts­ko­mit­tee erfüllt dabei eine wich­ti­ge Funk­ti­on, denn es mobi­li­siert zu betrieb­li­chen Kon­flik­ten Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter über Werks- und Betriebs­gren­zen hin­aus. Dar­an könn­ten sich auch ande­re Regio­nen ein Vor­bild neh­men.