Bagel direkt: Bei Betriebsratsgründung Kündigung

Der Mön­chen­glad­ba­cher Druck­be­trieb Bagel Direkt, ein Unter­neh­men der Düs­sel­dor­fer Bagel-Grup­pe, kün­dig­te Mit­te April der kom­plet­ten Beleg­schaft, weil die Beschäf­tig­ten einen Betriebs­rat grün­den wol­len. In zwei bis drei Schich­ten ver­pa­cken und ver­sen­den rund zwei­hun­dert Mit­ar­bei­ter, über­wie­gend Leih­ar­bei­ter, Wer­be­bei­la­gen wie „Ein­kauf aktu­ell”, die als Post­wurf­sen­dung wöchent­lich in unse­rem Brief­kas­ten ste­cken.

Die Beleg­schaft arbei­te unter sehr har­ten Bedin­gun­gen im Schicht­sys­tem mit sehr gerin­gem Lohn und uner­träg­li­chen Arbeits­be­din­gun­gen, erklär­te Jörg Krings, der zustän­di­ge Ver­di-Sekre­tär, der die Beschäf­tig­ten unter­stützt. Sie woll­ten nichts wei­ter, als ihr gesetz­lich ver­brief­tes Recht in Anspruch neh­men. „In ande­ren Tei­len des Kon­zerns sind Betriebs­rä­te ja auch selbst­ver­ständ­lich“, meint Krings. Bagel direkt, das den meis­ten Arbei­ter-innen nur den Min­dest­lohn und zwan­zig Tage

Urlaub zahlt, will offen­sicht­lich mit aller Macht ver­hin­dern, dass sich die Beleg­schaft gewerk­schaft­lich orga­ni­siert und einen Tarif­ver­trag durch­setzt. Geschäfts­füh­rer Udo Bogner phan­ta­sier­te in der Pres­se von einem „Erzwin­gungs­streik“ und fürch­tet eine „nicht bezahl­ba­re

Kos­ten­struk­tur”. Den 44 Fest­an­ge­stell­ten leg­te er die Pis­to­le auf die Brust. Sie sol­len Auf­he­bungs­ver­trä­ge zu erheb­lich schlech­te­ren Bedin­gun­gen akzep­tie­ren. Die meis­ten Beschäf­tig­ten unter­schrie­ben zäh­ne­knir­schend. Wer sich wei­ger­te, wur­de am Frei­tag vom Geschäfts­füh­rer per­sön­lich frei­ge­stellt. Die Fir­ma wur­de auf­ge­löst. Der Betrieb läuft aller­dings u nge­hin­dert wei­ter. ABC Druck sprang mit Leih­ar­bei­tern ein.

Wir machen natür­lich wei­ter“, sagt Edith Buchs. Am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag wähl­ten sie über ein­hun­dert Beschäf­tig­te auf einer außer­or­dent­li­chen Betriebs­rats­ver­samm­lung an die Spit­ze des Wahl­vor­stands, der die Betriebs­rats­wahl ein­lei­ten soll. „Wir wol­len Gerech­tig­keit“, sagt sie. Ver­di for­dert, die Kün­di­gun­gen umge­hend zurück­zu­neh­men und die Grün­dung des Betriebs­ra­tes nicht wei­ter zu behin­dern. Zum 1. Mai will die Gewerk­schaft Soli­da­ri­täts­post­kar­ten ver­tei­len und so den Druck auf loka­ler Ebe­ne ver­stär­ken. Eine Unter­schrif­ten­samm­lung wird durch­ge­führt.

 

Bagel Direkt ver­ar­bei­tet vor allem Erzeug­nis­se der benach­bar­ten Tief­druck Schwann-Bagel GmbH & Co. KG, TSB, die eben­falls im Besitz der Düs­sel­dor­fer Fami­lie Bagel ist. Neben Dru­cke­rei­en hält die Grup­pe auch Betei­li­gun­gen am Pat­mos Ver­lag, an der Cor­nel­sen Ver­lags­hol­ding und dem

Karl Rauch Ver­lag, der die Wer­ke von Antoi­ne de Saint Exu­pery publi­ziert, dar­un­ter den Best­sel­ler „Der klei­ne Prinz“.