Möbelgangster XXXL —...

Gro­ßer Stuhl, gro­ße Klap­pe

(ak) Unter die­ser Über­schrift berich­tet die Tages­zei­tung „Neu­es Deutsch­land” am 21.5. über die Politk des Möbel­kon­zerns XXXL gegen Beschäf­tig­ten­rech­te und Betriebs­rä­te. Wir dru­cken mit freund­li­cher Geneh­mi­gung der Zei­tung den Arti­kel hier ab:
„Die XXXLutz-Unter­neh­mens­grup­pe ist einer der größ­ten Möbel­händ­ler der Welt. Das pro­fi­ta­ble Geschäfts­mo­dell grün­det auf einem tariflosen Zustand, einer aus­ge­tüf­tel­ten Steu­er­ver­mei­dungs­po­li­tik
und einer Kon­zern­struk­tur, die Beschäf­tig­te zu einer Art Leih­ar­bei­ter degra­diert.

Es ist ein Kon­zern der Super­la­ti­ve. Allein der Eigen­na­me, die Über-Über­grö­ße XXXL, in die er sei­ne Geschäf­te
ein­klei­det. Dann der rie­si­ge rote Stuhl, der vor jeder Filia­le protzt, ein­ge­tra­gen ins Guin­ness­buch der Rekor­de. Und die Ver­drei­fa­chung des Umsat­zes in den ver­gan­ge­nen 15 Jah­ren auf vier Mil­li­ar­den Euro, genau­so wie die der Mit­ar­bei­ter auf 20 000 und der Filia­len auf über 200. Nichts zu wün­schen übrig las­sen auch die Visio­nen:
»Die XXXLutz-Unter­neh­mens­grup­pe ist heu­te einer der größ­ten Möbel­händ­ler der Welt. Doch das Ziel lau­tet klar: Wir wol­len in Euro­pa an die Pole­po­si­ti­on.«

Nach Auf­fas­sung von Gewerk­schaf­ten lässt aller­dings der Umgang des Möbel­kon­zerns mit den Beschäf­tig­ten zu wün­schen übrig – obwohl die ent­spre­chen­den Absichts­er­klä­run­gen des Möbel­händ­lers natür­lich über jeden Zwei­fel erha­ben sind: »Die mensch­li­che Kom­po­nen­te ist die Basis unse­res Erfol­ges. (…) Gemäß dem Leit­satz ›Mit Son­ne im Her­zen zur Nr. 1 der Welt‹ sieht die gro­ße XXXLutz-Fami­lie den täg­li­chen Her­aus­for­de­run­gen mit Freu­de ent­ge­gen.«

 

Gegen Tarif und Gesetz
Mit Son­ne im Her­zen? Fami­lie? Freu­de? Ein ehe­ma­li­ger Mit­ar­bei­ter aus Böb­lin­gen schil­dert in einem schrift­li­chen Bericht sei­ne Erfah­run­gen: »Mei­ne hef­tigs­te Arbeits­zeit­über­schrei­tung war von 7 Uhr mor­gens bis 22.30 Uhr beim Kun­den, Fahrt­zeit ins Lager noch mal 30 Minu­ten, dann Müll sor­tie­ren und Lkw aus­keh­ren
wei­te­re 30 Minu­ten. Ich habe also um 23.30 Uhr Fei­er­abend gemacht. Aber die Lauf­lis­te die­ses Tages ent­hielt eine Arbeits­zeit von 7 Uhr bis 18 Uhr mit einer Stun­de Pau­se in der Mit­tags­zeit. Die ich auch nicht gemacht, son­dern nur gestem­pelt habe.«

Wie das geht? Wir fra­gen auf einem Tref­fen von XXXL-Betriebs­rä­ten am 9. April in Köln nach und erhal­ten die Erklä­rung: Die Mon­teu­re stel­len ihre Aus­lie­fe­rungs­wa­gen, Sie­ben­ein­halb­ton­ner, pünkt­lich kurz vor 18 Uhr auf dem Fir­men­ge­län­de ab und stem­peln aus. Damit kann der Arbeit­ge­ber bei even­tu­el­len Kon­trol­len durch
die Gewer­be­auf­sicht sau­be­re Papie­re vor­zei­gen. Danach aller­dings laden die­sel­ben Mon­teu­re die Möbel, die noch auf dem Lkw sind, auf einen klei­ne­ren Lkw ohne elek­tro­ni­sche Tacho­schei­be um, fah­ren wie­der los und bau­en sie bei den Kun­den auf. Das kann auch schon mal bis in die Nacht dau­ern, offi­zi­ell ist die Arbeits­zeit ja längst
schon been­det. Wer trotz­dem »offi­zi­ell« nicht vor 18 Uhr abstem­pelt, dem pas­siert nach dem vor­lie­gen­den
Bericht des Böb­lin­ger Mon­teurs Fol­gen­des: »Wäh­rend mei­nes Abstem­pel­vor­gangs sprang die Uhr um eine Minu­te nach 18 Uhr wei­ter. Am nächs­ten Mor­gen erhielt ich eine Abmah­nung, wor­in beteu­ert wird, dass wir die Arbeits­zei­ten zwin­gend ein­zu­hal­ten haben. Die­se Abmah­nung muss­te ich natür­lich unter­zeich­nen. Etwa drei Mona­te spä­ter wer­den sol­che Abmah­nun­gen wie­der gelöscht. Die Abmah­nun­gen die­nen ledig­lich dem Schut­ze des Unter­neh­mens XXXLutz bei Arbeits­zeit­kon­trol­len.« Erfah­run­gen, die – nach Aus­sa­ge der Betriebs­rä­te auf dem Köl­ner Tref­fen – auch ande­re Mon­teu­re in ande­ren XXXL-Filia­len machen.
Natür­lich sieht der Kon­zern das alles anders. Auf Nach­fra­ge des »nd« erklärt die Pres­se­stel­le, dass die gesetz­li­chen Arbeits­zei­ten in der Unter­neh­mens­grup­pe ein­ge­hal­ten wer­den. »Soll­ten ein­mal Über­stun­den aus betrieb­li­chen Grün­den not­wen­dig sein, so wer­den die­se durch Frei­zeit­aus­gleich oder finan­zi­el­le Zuschlä­ge abge­gol­ten.« Inter­es­sant ist in die­sem Zusam­men­hang, dass bereits 2013 ein inter­ner Unter­su­chungs­be­richt,
der »nd« vor­liegt, »in Ein­zel­fäl­len Über­schrei­tun­gen der Arbeits­zeit über 60 Stun­den in der Woche« und damit einen Bruch des Arbeits­zeit­ge­set­zes fest­stell­te.

 

Auch die Ver­käu­fer bei XXXLutz ste­hen gehö­rig unter Druck. »Jedes Jahr soll ein Ver­käu­fer den Umsatz um zehn Pro­zent stei­gern«, berich­te­te ein Betriebs­rats­mit­glied einer Filia­le auf einem Tref­fen von Betriebs­rä­ten aus Nord­rhein-West­fa­len im März 2016. Das habe tat­säch­lich die ers­ten zwei Jah­re nach der Über­nah­me ihres
Möbel­hau­ses durch XXXL geklappt. Im drit­ten aber sei das nicht mehr gelun­gen. Die Fili­al­lei­tung habe dar­auf­hin die Kol­le­gen bedrängt und vor­ge­schla­gen, sie könn­ten ja ihren Urlaub »als Gegen­wert ein­brin­gen«. Dann wür­de die Umsatz­stei­ge­rung sicher­lich gelin­gen. Der Kon­zern demen­tiert gegen­über »nd« sol­che Prak­ti­ken.
Aber auch hier lohnt ein Blick in den inter­nen Unter­su­chungs­be­richt von 2013: »Beson­de­ren Druck spü­ren Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter wegen der Fest­le­gung der Per­so­nal­kenn­zah­len (PKZ) und der damit ver­bun­de­nen Befürch­tung, dass Arbeits­plät­ze abge­baut wer­den und dass sie davon betrof­fen sein kön­nen.
« Gemeint ist die Mög­lich­keit, bei Unter­schrei­ten der Umsät­ze pro Beschäf­tig­tem mit Lohn­kür­zun­gen oder Ent­las­sun­gen zu reagie­ren.
Die Brü­der Andre­as und Richard Sei­fert, die über den Kon­zern mit­hil­fe zwei­er Pri­vat­stif­tun­gen herr­schen, fah­ren – auch dank sol­cher Rege­lun­gen – eine zwei­stel­li­ge Ren­di­te ein und gehö­ren zu den reichs­ten Öster­rei­chern. Ihr geschätz­tes Ver­mö­gen: 650 Mil­lio­nen Euro.
Ihrem Wohl­erge­hen för­der­lich ist sicher­lich auch, dass der öster­rei­chi­sche Kon­zern XXXLutz sein Kern­un­ter­neh­men nach Mal­ta ver­legt hat und dort Steu­ern ein­spa­ren kann bzw. fast kei­ne Steu­ern zahlt. Die mal­te­si­sche XXXLutz Mar­ken GmbH kas­siert näm­lich von XXXL-Gesell­schaf­ten in ande­ren Län­dern hohe Lizenz­ge­büh­ren. Dadurch sin­ken die in Öster­reich oder Deutsch­land erwirt­schaf­te­ten Gewin­ne. In Mal­ta
braucht der Kon­zern auf sei­ne Pro­fi­te nur fünf Pro­zent Steu­ern abzu­füh­ren. Die nach Öster­reich in die Mut­ter­ge­sell­schaft rück­trans­fe­rier­ten Gewin­ne blei­ben steu­er­frei. Dadurch ent­gin­gen dem dor­ti­gen Fis­kus in einem Geschäfts­jahr die Steu­ern auf einen zwei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­trag, wie es öster­rei­chi­schen Medi­en
2014 ein­hel­lig schil­der­ten. Der Kon­zern kom­men­tiert hier­zu lapi­dar: »Die XXXL-Unter­neh­mens­grup­pe
zahlt sämt­li­che Steu­ern (Umsatz­steu­er, Lohn­steu­er und Ertrag­steu­ern) in den Län­dern, in denen ihre Betrie­be ansäs­sig sind.«
In Deutsch­land erwirt­schaf­ten über 100 Ein­zel­ge­sell­schaf­ten ihre Gewin­ne für die Zen­tra­le in Würz­burg. Jede Filia­le ist in meh­re­re GmbHs zer­glie­dert, einer­seits für das eigent­li­che Ver­kaufs­ge­schäft, ande­rer­seits für das Per­so­nal. Eine trick­rei­che Kon­stel­la­ti­on mit weit­rei­chen­den Fol­gen. Die Per­so­nal­ge­sell­schaf­ten ver­fü­gen
näm­lich über kein eige­nes Ver­mö­gen und kön­nen mit die­sem Argu­ment sowohl Abfin­dun­gen wie Sozi­al­plä­ne ver­wei­gern – und behaup­ten, sie sei­en gezwun­gen, »ihren« Beschäf­tig­ten ohne Ein­hal­tung von Fris­ten zu kün­di­gen, wenn ihr Auf­trag­ge­ber – zum Bei­spiel die Zen­tra­le in Würz­burg oder eine ande­re GmbH vor Ort – ihnen den Auf­trag ent­zieht. In Mün­chen, Mann­heim und Ober­hau­sen wur­de die­se Pra­xis von der ört­li­chen Pres­se mal mit Erstau­nen, mal mit Ent­set­zen zur Kennt­nis genom­men. Die GmbH-Kon­struk­ti­on ist jeden­falls auf
mög­lichst gerin­ge Haf­tung aus­ge­legt und soll Schutz­rech­te von Arbeit­neh­mern unter­lau­fen. Erbost zeig­te sich dar­über die ehe­ma­li­ge Arbeits­mi­nis­te­rin von Baden-Würt­tem­berg, Kat­rin Alt­pe­ter (SPD): Sie nann­te die XXXL-Kon­struk­ti­on »zutiefst unmensch­lich und ver­ab­scheu­ungs­wür­dig. Genau­so empör­te sich der ehe­ma­li­ge
Arbeits­mi­nis­ter von Nord­rhein-West­fa­len, Gun­tram Schnei­der, dar­über, der eine Task- Force ein­rich­ten woll­te, um die GmbH-Kon­struk­ti­on von XXXLutz bzw. die dar­aus fol­gen­den Angrif­fe auf die Beschäf­tig­ten zu stop­pen. Seit dem Abschied Schnei­ders vom Minis­ter­amt hört man von dem Pro­jekt lei­der nichts mehr.

Die GmbHs sämt­li­cher XXXL-Filia­len tref­fen in den wesent­li­chen Geschäfts­be­rei­chen kei­ner­lei eige­ne Ent­schei­dun­gen, son­dern wer­den von der Zen­tra­le in Würz­burg mit har­ter Hand geführt. Das zeigt der »Sub­un­ter­neh­mer­rah­men­ver­trag für Dienst- und Werk­leis­tun­gen«, den die GmbHs vor Ort mit der Zen­tra­le in Würz­burg, der BDSK Han­dels GmbH und Co KG abzu­schlie­ßen haben. Dar­in heißt es: »Die Auf­trag­ge­be­rin
(also die BDSK, d. Verf.) teilt schrift­lich oder per Email die Ein­zel­auf­trä­ge mit. In einem Ein­zel­auf­trag wird grund­sätz­lich fol­gen­der Inhalt fest­ge­legt: Beginn und Ende der Leis­tungs­er­brin­gung; Auf­ga­ben und Zie­le des Tätig­wer­dens in Form einer detail­lier­ten Leis­tungs­be­schrei­bung …« Und im Hin­ter­grund regie­ren die bei­den Eigen­tü­mer zum Teil bis in die Details hin­ein.

 

Betriebs­rats- und gewerk­schafts­feind­lich
Der über­fall­ar­ti­ge Raus­schmiss von Beschäf­tig­ten ist ein Kern­be­stand­teil der Kon­zern­po­li­tik. Zwar stei­gen die Mit­ar­bei­ter­zah­len durch die stän­di­ge Über­nah­me von Kon­kur­ren­ten, beson­ders in Deutsch­land. Aber die Über­nah­men wer­den so abge­wi­ckelt, dass auch mal Dut­zen­de der alten Mit­ar­bei­ter gekün­digt wer­den. Wenn neue Mit­ar­bei­te­rIn­nen ein­ge­stellt wer­den, dann zu schlech­te­ren Kon­di­tio­nen: Für län­ge­re Arbeits­zei­ten
bekom­men sie weni­ger Geld. Begrün­det wer­den die Ent­las­sun­gen meist mit der Zusam­men­le­gung von Auf­ga­ben, die bis dahin dem über­nom­me­nen Betrieb obla­gen. Das kön­ne nun bes­ser in der Kon­zern­zen­tra­le erle­digt
wer­den, z.B. Wer­bung, Bestel­lun­gen, Ver­wal­tung oder Per­so­nal­ma­nage­ment. Bei Über­nah­men in Ober­hau­sen und Aachen will XXXLutz des­halb jeweils mehr als 60 Beschäf­tig­te kün­di­gen.

In Mann­heim ver­sperr­te der Kon­zern 99 Mit­ar­bei­tern von einem Tag auf den ande­ren den Zugang zu ihren Arbeits­plät­zen. Selbst­ver­ständ­lich hal­te man alle gesetz­li­chen Kün­di­gungs­fris­ten ein, erwi­dert der Kon­zern
auf die Vor­wür­fe, die­se Fris­ten zu unter­lau­fen. Beim Ser­vice­cen­ter in Mann­heim sei­en zuletzt frist­ge­rech­te Kün­di­gun­gen erst aus­ge­spro­chen wor­den, nach­dem mit dem Betriebs­rat ein Inter­es­sen­aus­gleich und ein Sozi­al­plan ver­ein­bart wor­den waren. Nach zahl­rei­chen Pro­tes­ten, Demons­tra­tio­nen und Gerichts­ver­fah­ren
stimm­te der Betriebs­rat im April dem Sozi­al­plan und damit den Mas­sen­ent­las­sun­gen zu.

Wie Betriebs­rats­mit­glie­der gegen­über »nd« einräumten,hatten sie sich erpresst gefühlt: Die Ser­vice­ge­sell­schaft für die betrof­fe­nen Mit­ar­bei­ter in Mann­heim wer­de, so sei ihnen mit­ge­teilt wor­den, umge­hend Insol­venz anmelden,sollte sie z.B. durch das vom Betriebs­rat ange­streb­te und wahr­schein­li­che Urteil des Lan­des­ar­beits­ge­richts dar­an gehin­dert wer­den, die Ent­las­sun­gen durch­zu­füh­ren. Immer­hin haben der
Wider­stand der Beleg­schaft und die gro­ße Unter­stüt­zung in der Bevöl­ke­rung dazu geführt, dass der Kon­zern ent­ge­gen sei­nen ursprüng­li­chen Absich­ten über eine Mil­li­on Euro für Abfin­dun­gen locker­ma­chen muss­te.

Im Streit um die Ent­las­sun­gen in Ober­hau­sen kas­sier­te der Kon­zern eine Nie­der­la­ge vor Gericht: Die Kün­di­gun­gen sei­en unwirk­sam. Die Betriebs­rä­te von XXXL-Rück schil­der­ten »nd«, wie der Kon­zern vor­ge­gan­gen war. »Als wir am Mon­tag zu unse­ren Arbeits­plät­zen woll­ten, war alles aus­ge­räumt und die Büros ver­schlos­sen.
Man hat uns ein­fach auf die Stra­ße gesetzt und in Kauf genom­men, dass wir vor Gericht gehen und natür­lich Recht bekom­men. Das haben wir auch. Aber bis heu­te sind alle unse­re Betriebs­rä­te frei­ge­stellt.« Seit Som­mer 2015 pro­zes­sie­ren die Kol­le­gen gegen die Will­kür von XXXL und ihrem Deutsch­land­chef Alois Kobler. Trotz des
gewon­ne­nen Pro­zes­ses wer­den die Betriebs­rä­te wei­ter ohne Gehalt gelas­sen; die Ers­ten müs­sen bereits Hartz-IV-Anträ­ge stel­len. Denn der Kon­zern spielt auf Zeit und geht in die Beru­fung.

Wer XXXL Gewerk­schafts­feind­lich­keit oder eine prin­zi­pi­el­le Geg­ner­schaft gegen Betriebs­rä­te unter­stellt, den ver­weist die Geschäfts­füh­rung auf die »Arbeits­ge­mein­schaft der Betriebs­rä­te, eine Ein­rich­tung, die der Kon­zern,
unter­stützt und för­dert. Deutsch­land­chef Alois Kobler rief die­se Arbeits­ge­mein­schaft gegen Kri­ti­ker der Mas­sen­ent­las­sun­gen in Mann­heim in den Zeu­gen­stand. Sie hat dann ihrem Arbeit­ge­ber auch gleich eine Gene­ral­ab­so­lu­ti­on erteilt: »Die Arbeits­ge­mein­schaft der Betriebs­rä­te stellt aus­drück­lich klar, dass die Zusam­men­ar­beit mit der Arbeit­ge­ber­sei­te auf einer ver­nünf­ti­gen Basis erfolgt und auf­grund des stän­di­gen Dia­logs und der koope­ra­ti­ven Zusam­men­ar­beit stets gute und für bei­de Sei­ten ver­tret­ba­re Lösun­gen für
die Mit­ar­bei­ter der ein­zel­nen Stand­or­te gefun­den wer­den.«

Wirk­lich? In Mann­heim flog Eigen­tü­mer Richard Sei­fert eigens zum Gespräch mit dem dor­ti­gen kämp­fe­ri­schen Betriebs­rat ein. Die ört­li­che Pres­se mel­det: »Es sei­en zum Teil sehr hit­zi­ge Debat­ten geführt wor­den, die in dem Aus­spruch der Kon­zern­lei­tung gegen­über Betriebs­rat Becker mit: ›Hal­ten Sie Ihr Maul!‹ einen trau­ri­gen
Höhe­punkt hat­ten.« Sol­che Wort­at­ta­cken mögen absurd wir­ken. Hand­fes­te Dro­hun­gen mit Gewalt, die an Erpres­sung her­an­rei­chen, sind aller­dings nicht mehr wit­zig, son­dern schlicht kri­mi­nell. Deutsch­land­chef Alois Kobler griff in Ober­hau­sen zu die­sem Mit­tel, schil­dert ein Betriebs­rats­vor­sit­zen­der, und kün­dig­te den Betriebs­rä­ten an, er wer­de sei­ne Kon­tak­te zu den­Hells Angels nut­zen, wenn der Betriebs­rat nicht parie­ren wür­de. »Voll­kom­me­ner Unsinn« sei das, so das Unter­neh­men. »Es wur­de nie­mand mit den Hells Angels bedroht, schon gar nicht von Sei­ten des Manage­ments der XXXL-Unter­neh­mens­grup­pe. « Aber die eides­statt­li­che Erklä­rung
des Betriebs­rats­vor­sit­zen­den über die­sen Vor­fall in Ober­hau­sen, die »nd« vor­liegt, spricht eine ande­re Spra­che.

Die Hal­tung dahin­ter mach­te der Inha­ber in einem offe­nen Brief an die Zeit­schrift »Möbel Kul­tur« deut­lich. Wenn Gewerk­schaf­ten und ande­re Beden­ken­trä­ger nicht in die Schran­ken ver­wie­sen wür­den, schrieb er, stün­de uns am Ende »die Wie­der­auf­er­ste­hung des Kom­mu­nis­mus« bevor.

Trotz sol­chen Vor­ge­hens kann XXXL auf die Unter­stüt­zung ein­fluss­rei­cher Per­sön­lich­kei­ten set­zen. Der öster­rei­chi­sche Mut­ter­kon­zern ist in sei­nem Hei­mat­land gut ver­netzt. Das Steu­er­spar­mo­dell von XXXLutz wur­de ent­wi­ckelt, als der jet­zi­ge öster­rei­chi­sche Finanz­mi­nis­ter Hans-Jörg Schel­ling (ÖVP) noch Mit­in­ha­ber, Geschäfts­füh­rer bzw. Auf­sichts­rats­mit­glied bei der XXXLutz GmbH war. Und dass er dem ehe­ma­li­gen
Geschäfts­part­ner sei­ne schüt­zen­de Hand ent­zo­gen hät­te, wird nir­gend­wo berich­tet. Im Gegen­teil: Ant­wor­ten auf Nach­fra­gen im öster­rei­chi­schen Par­la­ment zur Steu­er­flucht des Möbel­rie­sen ver­wei­ger­te er unter Hin­weis auf »abga­ben­recht­li­che Geheim­hal­tungs­pflich­ten«.

 

Initia­ti­ve prüft straf­recht­li­che Rele­vanz
In Deutsch­land sicher­te sich XXXLutz wäh­rend der ers­ten öffent­li­chen Kri­tik an sei­ner Unter­neh­mens­po­li­tik
die Für­spra­che des ehe­ma­li­gen Rats­vor­sit­zen­den der Evan­ge­li­schen Kir­che Deutsch­land, Bischof Wolf­gang Huber. Im Jahr 2012 gin­gen erst­mals Erzäh­lun­gen um, dass der Kon­zern Betriebs­rats­wah­len abblock­te, sei­ne
Beschäf­tig­ten deut­lich unter Tarif bezahl­te, dafür aber län­ger arbei­ten ließ und Aus­zu­bil­den­de mas­sen­haft wie nor­mal Beschäf­tig­te ein­setz­te. Unter dem Vor­sitz von Bischof Huber wur­den die­se Vor­wür­fe akri­bisch auf­ge­lis­tet. Die »unab­hän­gi­ge « Unter­su­chung der Zustän­de bei XXXL mün­de­te Mit­te 2013 in den inter­nen Unter­su­chungs­be­richt, dem­zu­fol­ge der Kon­zern in Ein­zel­punk­ten Ver­bes­se­run­gen gelobt. Tat­säch­lich trieb es XXXLutz nur weni­ge Mona­te spä­ter noch wüs­ter. Er schloss von einem Tag auf den ande­ren sei­ne Münch­ner Filia­le auf der The­re­si­en­hö­he, warf die Beschäf­tig­ten ohne Vor­ankün­di­gung und ohne Sozi­al­plan auf die
Stra­ße und hin­der­te sie am Betre­ten ihrer Arbeits­plät­ze. Die Möbel der Filia­le ließ er in einer Son­der­ak­ti­on von ande­ren Beschäf­tig­ten ver­kau­fen, wie die »Süd­deut­sche Zei­tung« berich­te­te.

Zu die­sen Vor­gän­gen äußer­te sich der Bischof, zum Ärger man­cher evan­ge­li­schen Gemein­de und auch auf aus­drück­li­che Nach­fra­ge von Jour­na­lis­ten, nicht mehr.

Ob die Metho­den von XXXL straf­recht­lich rele­vant sind, lässt der­zeit eine Initia­ti­ve aus Ober­hau­sen prü­fen. Sie sei­en nach dem Straf­ge­setz Betrug, ist die Grup­pe über­zeugt und hat bei der Staats­an­walt­schaft Straf­an­zei­ge ein­ge­reicht.
Da aber der Kon­zern bis­lang weder durch betrieb­li­che und öffent­li­che Pro­tes­te noch durch die Gerich­te gestoppt wur­de, scheint es so, als wer­de er nun in Aachen bei der Ein­glie­de­rung des ehe­mals selbst­stän­di­gen Möbel­hau­ses
Wohn­welt-Pal­len auf ähn­li­che Wei­se vor­ge­hen: Die Zer­schla­gung des Betrie­bes in fünf GmbHs sei unver­han­del­bar, lässt er ver­lau­ten. Das ist nicht nur für die Betrof­fe­nen bit­ter. Es sind wei­te­re Dra­men vor­pro­gram­miert, solan­ge XXXL sei­nen Expan­si­ons­kurs mit die­sen Mit­teln wei­ter­füh­ren kann.”

 

Tat­säch­lich ste­hen wei­te­re Über­nah­men von Möbel­häu­sern an oder wer­den schon durch­ge­führt, so von Mah­ler in Wolf­raths­hau­sen, Schaf­f­rath mit der Zen­tra­le in Mön­chen­glad­bach und meh­re­ren Filia­len in der Regi­on sowie Oster­mann in Bot­trop und ande­ren Städ­ten. Work-watch bit­tet Betriebs­rä­te und haupt­amt­li­che Kol­le­gIn­nen von ver­di, sich in unse­rem Büro zu mel­den oder direkt Kon­takt mit den Betrof­fe­nen in Ober­hau­sen und Aachen auf­zu­neh­men.