Bossing bei Rheinbahndienstleister ISO-Security

Das Düs­sel­dor­fer Wach­schutz­un­ter­neh­men ISO-Secu­ri­ty greift zu immer rabia­te­ren Metho­den, um den erst im März gewähl­ten Betriebs­rat los­zu­wer­den und kün­dig­te gleich drei Mit­glie­dern der Beleg­schafts­ver­tre­tung. Die Fir­ma, des­sen Per­so­nal für die Rhein­bahn und ande­re bekann­te Auf­trag­ge­ber im Raum Düs­sel­dorf wie die VHS und die TV-Agen­tur Brain­pool arbei­tet, bei der unter ande­rem Ste­fan Raab und Anke Engel­ke unter Ver­trag ste­hen, sieht sich als Opfer ille­ga­ler Machen­schaf­ten. Der Betriebs­rat und ver­di hal­ten dage­gen.

Mit Hil­fe der Gewerk­schaft hat­ten die drei Mit­ar­bei­ter des Unter­neh­mens Anfang des Jah­res einen Betriebs­rat gegrün­det. Bernd Roll, Chef von I.S.O. Secu­ri­ty und Ex-Poli­zist, ver­such­te von Anfang an, die Wahl eines Betriebs­rats zu ver­hin­dern, sagt ver­di-Sekre­tär Özay Tarim. Weil Roll das nicht schaff­te, soll er den drei Beleg­schafts­ver­tre­tern gro­ße Sum­men ange­bo­ten haben, damit sie die Fir­ma frei­wil­lig ver­las­sen und als das nicht zog, habe er schließ­lich den Spieß umge­dreht und Straf­an­zei­ge wegen ver­such­ter gemein­schaft­li­cher Erpres­sung erstat­tet, unter ande­rem auch gegen Tarim. „Straf­recht­lich wird das nichts“, sagt er. Die Anzei­ge gegen ihn sei inzwi­schen vom Tisch.

Hin­ter­grund der Kon­flik­te bei ISO-Secu­ri­ty sei­en fort­ge­setz­te Ver­stö­ße des gegen den Tarif­ver­trag im Sicher­heits­ge­wer­be.  Das mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men, bei dem rund 60 Beschäf­tig­te arbei­ten, sei nach den Arbeits­ver­trä­gen zwar an die Tarif­ver­ein­ba­run­gen der Bran­che gebun­den, die wür­den aber nicht umge­setzt: Zu wenig Urlaubs­ta­ge, kei­ne Zuschlä­ge bei kurz­fris­ti­gen Ein­sät­zen an eigent­lich dienst­frei­en Tagen. Die Initia­ti­ve zur Grün­dung eines Betriebs­rats ging von einem Kol­le­gen aus, der seit elf Jah­ren in der Fir­ma ist. Im Febru­ar lud er mit ande­ren Mit­ar­bei­tern zu einer Betriebs­ver­samm­lung, bei der es um die Wahl des ers­ten Betriebs­rats ging. Eine Woche spä­ter erhielt er die frist­lo­se Kün­di­gung. Das Unter­neh­men mach­te erst nach der Wahl des Betriebs­rats einen Rück­zie­her.

Die gewerk­schaft­li­che Orga­ni­sie­rung und die Grün­dung des Betriebs­rats zahl­te sich für die Beleg­schaft prompt aus. ISO-Secu­ri­ty zahl­te die tarif­li­che Lohn­er­hö­hung für ein gan­zes Jahr nach. Doch der Druck auf den Betriebs­rat ließ nicht nach, im Gegen­teil. Der stän­di­ge Psy­cho­ter­ror ver­an­lass­te eini­ge Mit­glie­der schließ­lich, über eine Abfin­dung zu ver­han­deln. Um die Mit­be­stim­mung aus­zu­he­beln, stell­te ISO-Chef Roll neue Mit­ar­bei­ter nun bei der „Fir­ma Bernd Roll“ an, stat­te­te sie aber mit Dienst­klei­dung von ISO-Secu­ri­ty aus. Das sorg­te für neu­en Ärger, nicht nur mit dem Betriebs­rat, den er bei den Ein­stel­lun­gen nun außen vor­ließ, son­dern auch mit sei­nem größ­ten Auf­trag­ge­ber, der Rhein­bahn, die die­ses Geschäfts­ge­ba­ren nicht akzep­tier­te und dafür sorg­te, dass die neu­en Kol­le­gen nun auch bei ISO-Secu­ri­ty ange­stellt wer­den.

Weil sich die drei gekün­dig­ten Betriebs­rä­te nicht ein­schüch­tern las­sen und wei­ter­hin ihrer Betriebs­rats­ar­beit nach­ge­hen, leg­te ISO-Secu­ri­ty jetzt noch einen drauf und schob eine wei­te­re frist­lo­se Kün­di­gung nach. Die Betriebs­rä­te sol­len den Betriebs­frie­den gestört haben, weil sie in einer Mail ihre zwei Betriebs­rats­kol­le­gen dar­auf hin­ge­wie­sen hat­ten, dass sie trotz Kün­di­gung wei­ter­hin im Amt sind. Die Inter­es­sen des Unter­neh­mens wer­den übri­gens von der Düs­sel­dor­fer Kanz­lei Burg­mer wahr­ge­nom­men, deren Anwäl­te nicht nur Arbeit­ge­ber, son­dern auch Beschäf­tig­te, Betriebs­rä­te und Gewerk­schaf­ten in der Regi­on ver­tre­ten.  Der Rechts­an­walt der gekün­dig­ten ISO Betriebs­rä­te Marc Hess­ling berei­tet dage­gen eine Straf­an­zei­ge wegen Behin­de­rung des Betriebs­rats, § 119 Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz, vor. Das Unter­neh­men ver­sucht, die legi­ti­me Inter­es­sen­ver­tre­tung der Beleg­schaft zu zer­schla­gen, sagt ver­di-Sekre­tär Tarim und ruft zur Soli­da­ri­tät mit den Kol­le­gen auf.