Sabine Kleemann bleibt

Lan­des­ar­beits­ge­richt kas­siert Ver­dachts­kün­di­gung der Arbei­ter­wohl­fahrt gegen Alten­pfle­ge­fach­kraft

 

Die Arbei­ter­wohl­fahrt (AWO) West­li­ches West­fa­len schei­ter­te auch in zwei­ter Instanz mit einer Ver­dachts­kün­di­gung gegen die enga­gier­te Gewerk­schaf­te­rin und stell­ver­tre­ten­de Betriebs­rats­vor­sit­zen­de im Rosa­lie-Adler-Zen­trum Bochum-Dah­l­hau­sen. Der Arbeit­ge­ber hat­te Sabi­ne K. unter­stellt, einer Pfle­ge­dienst­lei­te­rin eine Trau­er­kar­te ins Post­fach gelegt und sie gemobbt zu haben. Ein vom Arbeit­ge­ber in Auf­trag gege­be­nes pri­va­tes Schrift­gut­ach­ten konn­te den Vor­wurf nicht erhär­ten. Sabi­ne hat­te den Vor­wurf stets zurück­ge­wie­sen. Wo die Tat nicht nach­ge­wie­sen wer­den kann, kön­ne der Arbeit­ge­ber kei­ne Ver­dachts­kün­di­gung nach­schie­ben, sag­te der Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm in Rich­tung Arbeit­ge­ber­an­walt Man­fred Ehlers, der die AWO ver­trat. Eine Beschwer­de beim Bun­des­ar­beits­ge­richt ist aus­ge­schlos­sen.

Seit Jah­ren ver­such­te die AWO schon, Sabi­ne ein­zu­schüch­tern und sie los zu wer­den. Als das nichts nütz­te, dreh­te der Arbeit­ge­ber den Spieß ein­fach um und warf aus­ge­rech­net der Betriebs­rä­tin, die sich immer für Kol­le­gin­nen ein­ge­setzt hat, Mob­bing vor. „Ich bin sehr froh, dass die­se Stra­te­gie nicht auf­ge­gan­gen ist“, sagt Agnes Wes­ter­hei­de von ver­di. Sobald das Urteil rechts­kräf­tig ist, kann Sabi­ne wie­der in der Pfle­ge arbei­ten. Sie ist seit 1995 in dem AWO-Senio­ren­zen­trum tätig, seit 2009 Betriebs­rä­tin und inzwi­schen auch Ver­trau­ens­per­son der Schwer­be­hin­der­ten. Eine Zeit lang geis­ter­te die so genann­te Fin­ger­na­gel­af­fäi­re durch die Bochu­mer Lokal­pres­se. Sabi­ne war wegen ihrer lan­gen und gegel­ten Fin­ger­nä­gel in Kon­flikt mit dem Arbeit­ge­ber gera­ten. Das Arbeits­ge­richt Bochum been­de­te die Pos­se und ver­ur­teil­te die AWO schließ­lich dazu, alle Abmah­nun­gen ersatz­los aus der Per­so­nal­ak­te zu strei­chen.

Sabi­ne Klee­mann ist froh über die Ent­schei­dung und dass zahl­rei­che Kol­le­gin­nen, Freun­de und Gewerk­schaf­ter zum Pro­zess nach Hamm kamen, um ihre Soli­da­ri­tät zu demons­trie­ren. Trotz Kün­di­gung ließ sie sich nicht ein­schüch­tern und erschien täg­lich im Rosa­lie-Adler-Zen­trum, um ihrer Betriebs­rats­ar­beit nach­zu­ge­hen. Ob die AWO den Kon­flikt nun ad acta legt, bleibt abzu­war­ten. Sabi­ne bleibt.