Die Bossing-Methoden der WISAG...

Die lan­ge Lis­te der nach­weis­lich fal­schen Kün­di­gungs­vor­wür­fe gegen den akti­ven Gewerk­schaf­ter Karl S.

Gleich zwei frist­lo­se Kün­di­gun­gen hat der dritt­größ­te hie­si­ge Dienst­leis­tungs­kon­zern WISAG (46.000 Beschäf­tig­te) gegen Karl S. aus­ge­spro­chen. Der enga­gier­te Gewerk­schaf­ter ist stellv. Betriebs­rats­mit­glied bei der WISAG Sicher­heit & Ser­vice Nord­west GmbH, Nie­der­las­sung Düs­sel­dorf, dort Ver­trau­ens­leute­vor­sit­zen­der. Er war Spre­cher des Wirt­schafts­aus­schuss des Gesamt­be­triebs­rats. Er ist stellv. Mit­glied der Lan­des­ta­rif­kom­mis­si­on WaSi NRW. Die Gewerk­schaft Ver­di berich­te­te auf ihrer bran­chen­spe­zi­fi­schen Inter­net­sei­te www.wasi-nrw.de mehr­fach über die Kün­di­gung ihres Funk­ti­ons­trä­gers und pro­tes­tier­te gegen sie, zuletzt unter dem Titel:

WISAG: Es wird gro­tesk

Auch Work Watch hat über den Fall berich­tet:

WISAG feu­ert akti­ven Gewerk­schaf­ter

Karl S. hat sei­ne ers­te Kün­di­gungs­schutz­kla­ge im Febru­ar 2016 gewon­nen. WISAG hat Beru­fung beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf ein­ge­legt. Ver­hand­lungs­ter­min ist am:

Frei­tag, 11. Novem­ber 2016
13:30 Uhr, Saal 103
Lud­wig-Erhard-Allee 21

Der Kol­le­ge braucht unse­re Soli­da­ri­tät. Kommt also zur Gerichts­ver­hand­lung und unter­stützt Karl S.

Wir doku­men­tie­ren hier den ers­ten Teil der lan­gen Lis­te der nach­weis­lich fal­schen Kün­di­gungs­vor­wür­fe, die WISAG gegen den Kol­le­gen erho­ben hat (Az: 12 Ca 563515, Az: 14 Ca 113616):

• Karl S. habe für zwei Betriebs­rats­sit­zun­gen zuviel Rei­se­kos­ten abge­rech­net. Am 14. und am 19. August 2015. Je 8 km zuviel. Die Ent­fer­nung zwi­schen sei­nem Wohn­sitz und dem Betriebs­sitz der WISAG betra­ge „ein­fach ca. 25,0 km”. Hin und zurück „50 km und nicht wie” von Karl S. „ange­ge­ben 58 km.” Das sei „Abrech­nungs­be­trug”. (Kla­ge­er­wi­de­rung 1. Kün­di­gung, S. 2) Nach­weis­lich aller­dings des Goog­le Maps Aus­zugs, den WISAG dem Arbeits­ge­richt als Beweis vor­ge­legt hat, beträgt die kür­zes­te Fahrt­stre­cke zwi­schen Wohn­sitz und Betriebs­sitz 27,9 km. Hin und zuru­eck 55,8 km. (ebd. Anla­ge B4) Damit wei­chen die Anga­ben von Karl S. nur 1,1 bzw. 2,2 km ab, wäh­rend die Anga­ben von WISAG 2,9 bzw. 5,8 km von ihrem eige­nen Beweis­stück, ihrem eige­nen Goog­le Maps Aus­zug abwei­chen. Von Rei­se­kos­ten­ab­rech­nungs­be­trug kann also gar kei­ne Rede sein. Das muss­te WISAG im ers­ten Kün­di­gungs­schutz­ver­fah­ren auch ein­ge­ste­hen:

„Die Dif­fe­ren­zen in den Ent­fer­nun­gen sind uner­heb­lich”, hieß es in ihrem letz­ten erst­in­stanz­li­chen Schrift­satz, „ins­be­son­de­re ange­sichts der «ca.»-Angaben.” Frei­lich folg­te der nächs­te Vor­wurf auf dem Fuß: „Maß­geb­lich” sei „die Ein­rei­chung einer Rei­se­kos­ten­ab­rech­nung ohne ent­spre­chen­den Auf­wand”.

• Karl S. habe für den 19. August 2015 KFZ-Rei­se­kos­ten zu einer Wirt­schafts­aus­schuß­sit­zung des Gesamt­be­triebs­rats der WISAG SiS Nord­west in Lan­gen­feld ein­ge­reicht. Ihm sei aber gar kein KFZ-Rei­se­kos­ten­auf­wand ent­stan­den, da er sich von dem Kol­le­gen J. in des­sen Fahr­zeug habe mit­neh­men las­sen. Der sei „zu einem Schlich­tungs­ge­spräch zum Betriebs­rat” der Nie­der­las­sung Düs­sel­dorf „ein­ge­la­den” gewe­sen, eben­falls in Lan­gen­feld (Kla­ge­er­wi­de­rung 1. Kün­di­gung, S. 4). Das sei „Abrech­nungs­be­trug” (S. 1). Am 19.08.2015 hat aller­dings nach­weis­lich gar kein Schlich­tungs­ge­spräch beim Betriebs­rat statt­ge­fun­den. Weder hat­te der Kol­le­ge J. dazu eine Ein­la­dung erhal­ten noch Karl S. Obwohl der WISAG aus ihrer Dienst­pla­nung, aus den Wach­buch­ein­trä­gen des Kol­le­gen J. bekannt war, daß die­ser am 18.08.15, am 19.08.15 im Nacht­dienst auf dem Som­mer­fest­ge­län­de des Unter­neh­mens in Duis­burg ein­ge­setzt war, obwohl sie ihn gar nicht für eine Schlich­tungs­sit­zung aus­ge­plant hat­te, erhob sie den­noch und wider bes­se­ren Wis­sens den Kün­di­gungs­vor­wurf, Karl S. sei „am 19.08.15 von Herrn J. mit des­sen Fahr­zeug … mit­ge­nom­men wor­den”. (S. 3)

• Karl S. habe auch für den 14. August 2015 KFZ-Rei­se­kos­ten abge­rech­net. Zu einem Schlich­tungs­ge­spräch des Betriebs­rats. Um 12:00 in Lan­gen­feld. Er habe aber auch hier vom Kol­le­gen J. in des­sen PKW sich mit­neh­men las­sen. Der habe, aus Duis­burg kom­mend, Karl S. von des­sen Wohn­adres­se im Düs­sel­dor­fer Nor­den abge­holt. Auch das sei Rei­se­kos­ten­ab­rech­nungs­be­trug. Karl S. hat­te aller­dings nach­weis­lich an die­sem Tag bereits um 09:30 Uhr im Stadt­zen­trum einen Ter­min beim Arbeits­ge­richt in Sachen Ein­grup­pie­rung in die rich­ti­ge Lohn­grup­pe. Im Pro­to­koll des Gerichts­ter­mins ist fest­ge­hal­ten, daß Karl S. per­sön­lich erschien. Der Mann war also erwie­se­ner­ma­ßen nicht mehr an sei­nem Wohn­sitz, als er — laut Kün­di­gungs­vor­wurf der WISAG — vom Kol­le­gen J. abge­holt wor­den sein soll. Obwohl die WISAG in der Kün­di­gungs­be­grün­dung für den Betriebs­rat sel­ber nur von einem „mög­li­chen Sze­na­rio J. holt S. ab” sprach, hat sie den­noch die­sen Kün­di­gungs­vor­wurf erho­ben. Mit der Rei­se­kos­ten­ab­rech­nung vom 14.08.15 habe Karl S. WISAG „getäuscht …, um sich unge­recht­fer­tigt zu berei­chern”. (Kla­ge­er­wi­de­rung 1. Kün­di­gung, S. 2) Nach­dem die­ser Vor­wurf im ers­ten Kün­di­gungs­schutz­ver­fah­ren nach­weis­lich wider­legt wor­den war, muss­te WISAG ein­ge­ste­hen, Karl S. habe — „inso­weit zutref­fend” — vor­ge­tra­gen, „er sei am 14.08.2015 nicht von der Pri­vat­adres­se … aus ange­reist”. (Kla­ge­er­wi­de­rung 2. Kün­di­gung, Anla­ge B5)

• Frei­lich behaup­te­te WISAG gleich im nächs­ten Schrift­satz des ers­ten Kün­di­gungs­schutz­ver­fah­rens, Karl S. habe sich eben vom Arbeits­ge­richt aus vom Kol­le­gen J. mit­neh­men las­sen, denn ihre Zeu­gen hät­ten gese­hen, wie Karl S. am Betriebs­sitz der WISAG in Lan­gen­feld aus des­sen Auto aus­ge­stie­gen sei. Der Kol­le­ge J. sagt aller­dings aus, er habe Karl S. ledig­lich die letz­ten 200 Meter zum Betriebs­sitz der WISAG in Lan­gen­feld mit­ge­nom­men, als die­ser aus dem Bus aus­stieg und er zufäl­lig vor­bei­fuhr. Die Aus­sa­ge liegt dem Lan­des­ar­beits­ge­richt schrift­lich vor. Was die Zeu­gen anbe­langt, die WISAG zum Vor­gang des Ein­bie­gens in die Stra­ße vor ihrem Betriebs­sitz und zum Vor­gang des Ankom­mens vor die­sem anbot, so konn­te Karl S., ver­tre­ten durch sei­nen DGB-Rechts­schutz­se­kre­tär, in der schrift­li­chen Beru­fungs­er­wi­de­rung detail­liert, akri­bisch und exakt nach­wei­sen, daß ihre Aus­sa­gen unge­nau, feh­ler­be­haf­tet, teil­wei­se falsch sind, teil­wei­se sich wider­spre­chen, sich aus­schlie­ßen, somit nicht beweis­kräf­tig sind.

• Ohne jeden Nach­weis gab WISAG die Ent­fer­nung zwi­schen der Bus­hal­te­stel­le, von der aus der Kol­le­ge J. den Kol­le­gen Karl S. zufäl­lig mit­ge­nom­men hat, und dem Betriebs­sitz der WISAG in Lan­gen­feld mit 8 km an. Und erhob „höchst­vor­sorg­lich” einen Rei­se­kos­ten­ab­rech­nungs­be­trugs­vor­wurf von 16 km (8 km von der Bus­hal­te zum Betriebs­sitz, 8 km zurück). Nach­weis­lich Goog­le Maps beträgt die Ent­fer­nung aller­dings ledig­lich 190 Meter. Wie­der war es nichts mit dem Rei­se­kos­ten­ab­rech­nungs­be­trug. Für die behaup­te­te Rück­fahrt vom Betriebs­sitz zur Bus­hal­te­stel­le gab WISAG weder ein Indiz noch einen Zeu­gen noch einen Beweis an. Der Vor­wurf basier­te ein­zig und allein auf nichts, auf gar nichts.

Die also hier auf­ge­zähl­ten Kün­di­gungs­vor­wür­fe haben sich nach­weis­lich als falsch her­aus­ge­stellt. Das hat aber WISAG nicht davon abge­hal­ten im zwei­ten Kün­di­gungs­schutz­ver­fah­ren neue, glei­cher­ma­ßen von vorn­her­ein fal­sche Kün­di­gungs­vor­wür­fe zu erhe­ben.

Fort­set­zung folgt …