Harte Zeiten bei Bossel

Erneu­te Kün­di­gun­gen von gewerk­schaft­lich akti­ven Kol­le­gen im Sprock­hö­ve­ler Kunst­stoff­werk

 

Die Beleg­schaft des Sprock­hö­ve­ler Unter­neh­mens ist eini­ges gewohnt. Seit die Beschäf­tig­ten mit­be­stim­men wol­len und einen Betriebs­rat wähl­ten, hagelt es Abmah­nun­gen, Haus­ver­bo­te, Dro­hun­gen und Kün­di­gun­gen. Zuerst traf es den Betriebs­rats­vor­sit­zen­den Mus­ta­fa A., dann ande­re akti­ve Betriebs­rä­te. Mit tat­kräf­ti­ger Unter­stüt­zung der Gewerk­schaft IGBCE und des Arbeit­ge­ber­ver­ban­des Che­mie ver­such­te der Eigen­tü­mer, Bernd Knäp­per, die Beleg­schafts­ver­tre­tung zu zer­schla­gen. Doch der Betriebs­rat gab nicht auf und bekam vor Gericht jedes Mal recht. Knäp­per droh­te immer wie­der, den Betrieb zu schlie­ßen, soll­te der Betriebs­rat wei­ter­hin im Amt blei­ben.

 

Nun infor­mier­te das Unter­neh­men die Beleg­schaft per Aus­hang, dass der Betrieb „mit sofor­ti­ger Wir­kung“ an zwei „neue Eigen­tü­mer“ über­ge­ben wor­den sei. Bereits am ers­ten Arbeits­tag der neu­en Geschäfts­füh­rer Ste­phan Lau­er und Alex­an­der Wag­ner kam es zu einem Eklat. Weil die Druck­ma­schi­ne mal wie­der nicht funk­tio­nier­te, rede­ten sie von Sabo­ta­ge und setz­ten drei Arbei­ter der Nacht­schicht vor die Tür, zwei davon Mit­glie­der des Betriebs­rats. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Die Gewerk­schaft ver­di for­dert, die frei­ge­stell­ten Kol­le­gen unver­züg­lich wei­ter zu beschäf­ti­gen und gewährt ihnen Rechts­schutz.

 

Mit ihrem Pau­ken­schlag stel­len die neu­en Eigen­tü­mer unmiss­ver­ständ­lich klar, dass sie den Betriebs­rat wohl so schnell wie mög­lich los­wer­den wol­len. Die neu­en Gesell­schaf­ter Ste­phan Lau­er und Alex­an­der Wag­ner sind erfah­re­ne Unter­neh­mens­be­ra­ter. Mit sei­ner Fir­ma ver­dien­te Lau­er 2012 über 1 Mil­li­on Euro. Ende Dezem­ber grün­de­te er mit Wag­ner zwei neue Unter­neh­men, die Fir­ma lau­er­wag­ner eins GmbH und lau­er­wag­ner zwei GmbH, Unter­föh­ring. Die bei­den sind Pri­va­te Equi­ty-Exper­ten. Die­se Bran­che ist wegen ihrer skru­pel­lo­sen Unter­neh­mens­po­li­tik berüch­tigt. Die „Heu­schre­cken“ ver­su­chen mit der Über­nah­me von Unter­neh­men in kur­zer Zeit mög­lichst viel Geld für die Eigen­tü­mer und Inves­to­ren aus dem Betrieb her­aus­zu­ho­len, stets zu Las­ten der Beschäf­tig­ten. Die Frei­stel­lung der drei akti­ven Kol­le­gen ist eine kla­re Kampf­an­sa­ge an die Beleg­schaft und ver­mit­telt eine ein­deu­ti­ge Bot­schaft: Bei Bos­sel ste­hen har­te Zei­ten bevor.