Komplettrausschmiss wegen Betriebsratsgründung

Die IG BAU infor­miert über einen kaum glaub­li­chen Vor­gang in einem Immo­bi­li­en­un­ter­neh­men. Wir dru­cken die Pres­se­er­klä­rung der IG BAU ab. Soli­da­ri­täts­er­klä­run­gen bit­te an den Gewerk­schafts­se­kre­tär Frank Lat­t­rich per Email Frank.Lattrich(at)IGBAU.de.

Von einem Tag auf den ande­ren gefeu­ert – weil sie einen Betriebs­rat grün­den woll­ten:
Der Immo­bi­li­en­un­ter­neh­mer Bir­ger Deh­ne hat 87 von ins­ge­samt 89 Beschäf­tig­ten sei­ner „Deut­schen Grund­stück­ser­vice GmbH“ zum 1. Febru­ar gekün­digt – kurz nach­dem sie die Wahl einer Arbeit­neh­mer­ver­tre­tung orga­ni­siert hat­ten. Betrof­fen von den Ent­las­sun­gen sind auch Mit­ar­bei­ter in Duis­burg, wie die IG BAU Duis­burg-
Nie­der­rhein mit­teilt. Die Gewerk­schaft spricht von einem „bei­spiel­lo­sen Vor­gang“:
„Deh­ne ist es ein Dorn im Auge, dass die Beschäf­tig­ten ihre Rech­te wahr­neh­men. Statt ein Gespräch zu suchen, hat der ‚Immo­bi­li­en-Boss‘ sei­ne Fir­ma gleich ganz geschlos­sen und alle Mit­ar­bei­ter vor die Tür gesetzt“, kri­ti­siert Nico­le Simons, stell­ver­tre­ten­de Regio­nal­lei­te­rin der IG BAU Rhein­land.
Bereits im Novem­ber hat­ten die Beschäf­tig­ten der „Deut­schen Grund­stücks­ser­vice“ ver­sucht, eine Wahl zum Betriebs­rat ein­zu­be­ru­fen. Dage­gen war Deh­ne, der als ver­mö­gen­der Erbe mit meh­re­ren Fir­men bun­des­weit Immo­bi­li­en­ge­schäf­te macht, juris­tisch vor­ge­gan­gen. Nach­dem nun alle Mit­ar­bei­ter in der ver­gan­ge­nen Woche für
eine erneu­te Wahl­ver­samm­lung unter­schrie­ben haben, erhiel­ten sie prompt eine Kün­di­gung. „Das ist mie­se Per­so­nal­po­li­tik nach Guts­her­ren­art“, sagt Gewerk­schaf­te­rin Simons. Die gesetz­lich ver­an­ker­te Mit­be­stim­mung sol­le „offen­bar um jeden Preis ver­hin­dert“ wer­den. Außer­dem habe Deh­ne in den letz­ten Mona­ten ver­sucht, an die
Namen der Gewerk­schafts­mit­glie­der in sei­ner Fir­ma zu kom­men – „ein ille­ga­ler Vor­gang“, so Nico­le Simons. Nach Anga­ben der IG BAU hat es einen ver­gleich­ba­ren Fall in der Regi­on in den letz­ten 15 Jah­ren nicht gege­ben.

 

Der Immo­bi­len-Erbe, dem es an Geld nicht zu man­geln scheint, zahlt gera­de ein­mal den gesetz­li­chen Min­dest­lohn“, berich­tet Simons. Zudem sei­en die Lohn­zah­lun­gen oft extrem unre­gel­mä­ßig gewe­sen. Als Deh­ne die Akti­vi­tä­ten der IG BAU bemerkt habe, sei­en die Löh­ne immer­hin pünkt­li­cher gekom­men. Dies zei­ge, so die stell­ver­tre­ten­de
Regio­nal­lei­te­rin, wel­che „enor­me Angst“ der Unter­neh­mer davor habe, dass sich die Mit­ar­bei­ter für ihre Rech­te ein­setz­ten.

 

Die IG BAU for­dert den Unter­neh­mer dazu auf, die Kün­di­gun­gen zurück­zu­neh­men. „Ent­we­der soll die ‚Deut­sche Grund­stücks­ser­vice‘ mit vol­ler Per­so­nal­stär­ke bestehen blei­ben – oder die Mit­ar­bei­ter müs­sen in einer neu­en Fir­ma ange­stellt wer­den“, betont Nico­le Simons. Die Gewerk­schaft wer­de alle zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­tel nut­zen,
um zu ver­hin­dern, dass die Beschäf­tig­ten auf der Stra­ße lan­den: „Mit sei­nem Heu­ern und Feu­ern nach Belie­ben hat Deh­ne die Rech­nung ohne uns gemacht.“