Selbstverwaltung in der Universität

An der Frank­fur­ter Uni kon­sti­tuir­te sich der „unter_bau”. Eine Gewerk­schaft neu­en Typs?

 

Nach mona­te­lan­ger Vor­be­rei­tung hat sich Ende Novem­ber 2016 in Frank­furt die Hoch­schul­ge­werk­schaft unter_bau gegrün­det. Ihr Ziel: Mit Räte­de­mo­kra­tie und Soli­da­ri­tät die Goe­the-Uni­ver­si­tät trans­for­mie­ren. Mathi­as Schmidt sprach für die GWR mit den Pres­se­spre­che­rIn­nen Con­ny und Mat­thi­as über Zie­le, Metho­den und Per­spek­ti­ven der neu­en Gewerk­schaft.

 

Gras­wur­zel­re­vo­lu­ti­on: Hal­lo ihr zwei! Erst ein­mal ganz all­ge­mein: Wer seid ihr und was macht der „unter_bau”?

 

unter_bau: Der unter_bau ist eine räte­de­mo­kra­ti­sche Gewerk­schaft an der Goe­the-Uni­ver­si­tät, Frank­furt am Main. Wir wol­len durch eine umfas­sen­de Orga­ni­sie­rung und Poli­ti­sie­rung die unmit­tel­ba­ren Arbeits­ver­hält­nis­se ver­bes­sern und die Hoch­schu­le grund­le­gend demo­kra­ti­sie­ren und trans­for­mie­ren. Wir ori­en­tie­ren uns an den vier Grund­la­gen einer inklu­si­ven Basis­ge­werk­schaft. Das bedeu­tet ers­tens: die sta­tus­über­grei­fen­de Ver­net­zung von Stu­die­ren­den, stu­den­ti­schen Hilfs­kräf­ten, wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ten­den, Pro­mo­vie­ren­den, Lehr­be­auf­trag­ten, admi­nis­tra­tiv-tech­ni­schen Ange­stell­ten und extern Beschäf­tig­ten. Zwei­tens: die Selbst­ver­wal­tung durch impe­ra­ti­ve Man­da­te. Drit­tens: den Auf­bau einer Gegen­macht zum hier­ar­chi­schen Hoch­schul­sys­tem durch Soli­da­ri­tät unter den Hoch­schul­an­ge­hö­ri­gen. Vier­tens: Die Wei­ter­ga­be von Wis­sen und kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit den Inhal­ten, wel­che an der Hoch­schu­le behan­delt wer­den. Wir bei­de sind per Impe­ra­ti­vem Man­dat die Pressesprecher_innen von unter_bau und freu­en uns, die­ses Inter­view geben zu dür­fen.

 

GWR: Die­ses Wochen­en­de habt ihr euch nun offi­zi­ell kon­sti­tu­iert. Beschreibt doch mal die Stim­mung auf dem Kon­gress.

 

unter_bau: Es war ein vol­ler Erfolg! Wir haben gemein­sam pro­duk­tiv und inten­siv an den not­wen­di­gen Schrit­ten zur Grün­dung gear­bei­tet. Sams­tags konn­ten wir ein­stim­mig unse­re Grün­dungs­pa­pie­re ver­ab­schie­den und sonn­tags das elf Man­da­te umfas­sen­de Sekre­ta­ri­at und wei­te­re Man­da­te wäh­len. Abends wur­den an der eigens ein­ge­rich­te­ten Whis­key­bar Ide­en und Träu­me gespon­nen und natür­lich aus­ge­las­sen gefei­ert. Beson­ders gefreut haben wir uns über die inter­na­tio­na­len Gruß­wor­te: Aus fünf ver­schie­de­nen Län­dern haben sechs Gewerk­schaf­ten uns zur Grün­dung beglück­wünscht und ihre Soli­da­ri­tät kund­ge­tan. Trotz der Anstren­gung, die der Grün­dungs­kon­gress abver­langt hat, liegt viel posi­ti­ve Ener­gie in der Luft, die gewerk­schaft­li­che Arbeit anzu­ge­hen.

 

GWR: Ihr kri­ti­siert nach eige­nen Wor­ten die „Neo­li­be­ra­li­sie­rung der Hoch­schu­le” und strebt eine „räte­de­mo­kra­ti­sche Selbst­ver­wal­tung” an. Was bedeu­tet das für euch?

 

unter_bau: Die „räte­de­mo­kra­ti­sche Selbst­ver­wal­tung” ist sicher­lich das lang­fris­tigs­te Ziel. Das dient uns momen­tan auch als Ori­en­tie­rung, da wol­len wir hin: kein Stän­de­sys­tem mehr an der Hoch­schu­le, son­dern Basis­gre­mi­en, die Inhal­te und Aus­rich­tung von For­schung und Leh­re eben­so frei bestim­men, wie die Orga­ni­sa­ti­on des Hoch­schul­all­tags. Mit­tel­fris­tig stre­ben wir ins­be­son­de­re die eige­ne Tarif­fä­hig­keit an, aber arbei­ten auch an klei­nen Din­gen wie dem Abbau von Kon­troll­me­cha­nis­men z.B. durch Prü­fungs­an­mel­dun­gen und Anwe­sen­heits­lis­ten sowie einem ein­fa­che­ren Zugang zu einem frei­en Stu­di­um. Dies und auch alle ande­ren Zie­le wol­len wir durch ein soli­da­ri­sches, sta­tus­über­grei­fen­des Mit­ein­an­der errei­chen. Das bedeu­tet ein Ver­ständ­nis über die eige­nen indi­vi­du­el­len Lohn­ver­hält­nis­se und For­de­run­gen hin­aus, hin zu einer gemein­sa­men umfas­sen­den Ana­ly­se und Refle­xi­on der gesam­ten Situa­ti­on an der Hoch­schu­le und in der Gesell­schaft. Was die Orga­ni­sie­rung von Beschäf­tig­ten an der Goe­the-Uni­ver­si­tät angeht, sind wir bereits jetzt eine trei­ben­de Kraft. Wenn wir die­sen Dri­ve auf­recht­erhal­ten, wer­den das nicht nur 2017 hei­ße Tarif­ver­hand­lun­gen. Wir wol­len mit­tel­fris­tig die sys­te­ma­ti­sche Pre­ka­ri­sie­rung sämt­li­cher Arbeits­ver­hält­nis­se abschaf­fen.

Allem vor­an kri­ti­sie­ren wir die Unsit­te, wis­sen­schaft­li­che Stel­len durch Dritt­mit­tel zu finan­zie­ren und Per­so­nal als Sach­mit­tel zu betrach­ten. Dau­er­haft anfal­len­de Tätig­kei­ten von Putz­kräf­ten und Sicher­heits­dienst oder auch Instand­hal­tung der Gebäu­de sol­len nicht län­ger out­ge­sourct wer­den, wie es die Goe­the-Uni­ver­si­tät als Auf­trag­ge­ber hand­habt. Die Pra­xis Sub­un­ter­neh­men ein­zu­schal­ten, die eben­falls Gewin­ne machen wol­len, führt zwangs­läu­fig zu Lohn­dum­ping. Damit ent­zieht sich die Uni­ver­si­tät als Auf­trag­ge­ber und Pro­fi­teur ihrer Ver­ant­wor­tung. Statt­des­sen for­dern wir unbe­fris­te­te Stel­len an der Uni, bezahl­te Über­stun­den, sowie Tarif­ver­trä­ge.

 

GWR: Unter­bau ist ja ein eher mar­xis­tisch anmu­ten­der Begriff. Wie ist es zu dem Namen gekom­men und was macht der Unter­strich dabei?

 

unter_bau: Der Name spielt natür­lich mit dem mar­xis­ti­schen Basis-Über­bau-Modell, aber auch mit der hoch­schul­ei­ge­nen Bezeich­nung „Mit­tel­bau” für wis­sen­schaft­li­ches und admi­nis­tra­tiv-tech­ni­sches Per­so­nal. Auch sie sind auf­grund ihrer pre­kä­ren Situa­ti­on, aber auch ele­men­ta­ren Rol­le an der Uni, aus unse­rer Sicht eher Teil des Unter­baus. Kurz: Zum Unter­bau zäh­len wir alle, außer Pro­fes­so­ren. Die­se zah­len­mä­ßig kleins­te Grup­pe ver­fügt — voll­kom­men unde­mo­kra­tisch — über die größ­te Macht im aktu­el­len, drei­glied­ri­gen Sys­tem, wes­halb wir es auch mit einem mit­tel­al­ter­li­chen Stän­de­sys­tem ver­glei­chen. Mit dog­ma­ti­schem Mar­xis­mus hat das wenig zu tun. Gera­de auch, weil es durch­aus erwünscht ist, den Unter­strich femi­nis­tisch zu lesen. Als eine sich femi­nis­tisch ver­ste­hen­de Gewerk­schaft beach­ten wir die pro­ble­ma­ti­schen Ver­hält­nis­se repro­duk­ti­ver Arbeit aus­drück­lich mit. Das fällt in klas­si­scher Gewerk­schafts­ar­beit wie im Mar­xis­mus ja ger­ne mal hin­ten run­ter.

 

GWR: Man­che Gewerk­schaf­te­rIn­nen träu­men von der Ein­heit der Arbei­te­rIn­nen. Woher rühr­te die Not­wen­dig­keit jetzt noch eine wei­te­re Gewerk­schaft zu grün­den?

 

unter_bau: Die Ein­heit der Arbeiter_innen ist auch uns wich­tig. Dazu ist der ers­te Schritt, gera­de an der Hoch­schu­le, sich erst ein­mal als Ange­stell­te in Abhän­gig­keits­ver­hält­nis­sen inner­halb eines Betrie­bes zu ver­ste­hen und sich nicht ein­zu­re­den, pri­vi­le­giert zu sein und sich mit die­sem Argu­ment von oben spal­ten zu las­sen. Die eta­blier­ten Gewerk­schaf­ten schaf­fen das an der Hoch­schu­le lei­der nicht und sind außer­halb der Tarif­ver­hand­lun­gen wenig prä­sent. Wir ver­ste­hen uns aber expli­zit nicht als Kon­kur­renz, son­dern als eine Ergän­zung. Eine Gewerk­schaft mit einem brei­te­ren poli­ti­schen Pro­gramm, wel­ches auch ande­re Ziel­grup­pen anspricht und wie­der mehr Leu­te akti­viert. Davon pro­fi­tie­ren auch GEW und ver.di, wenn sie die Ver­hand­lun­gen füh­ren. Gewerk­schafts­plu­ra­lis­mus kann zu einer deut­li­chen erfolg­rei­che­ren Streik­kraft füh­ren, als weni­ge gro­ße Gewerk­schaf­ten.

 

GWR: Ihr bezeich­net euch als „alter­na­ti­ve Hoch­schul­ge­werk­schaft”. Grenzt ihr euch da vom DGB oder der anar­cho-syn­di­ka­lis­ti­schen FAU ab? Was macht ihr anders, als die Gewerk­schaf­ten, wel­che ihr kri­ti­siert?

 

unter_bau: Eine Gewerk­schaft kann viel­fäl­ti­ge For­men anneh­men, sei es in punc­to Struk­tur und Funk­ti­ons­wei­se oder in Fra­gen der Stra­te­gie und Pro­gram­ma­tik. Allein ein Blick auf die gro­ßen Ver­bän­de in ande­ren EU-Län­dern zeigt, dass deren Basis häu­fig viel mehr Auto­no­mie genießt, als wir es vom DGB ken­nen, und dass sie sich poli­tisch in die Gestal­tung der sozia­len Umwelt ein­mi­schen, auch weit über die „ein­fa­che” Lohn­po­li­tik hin­aus. Die Fra­gen der Ent­schei­dungs­fin­dung, der poli­ti­schen Posi­tio­nie­rung und der gesell­schaft­li­chen Rol­le einer Gewerk­schaft dür­fen nicht unter den Tisch fal­len. Der Mit­glie­der­schwund der Gewerk­schaf­ten in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten ver­weist auch auf eine Ent­täu­schung vie­ler Lohn­ab­hän­gi­ger über die Mög­lich­kei­ten der Mit­be­stim­mung und die kor­po­ra­tis­ti­sche Poli­tik der DGB-Ver­bän­de. Alter­na­ti­ve Ansät­ze und Pro­gram­me könn­ten daher dazu bei­tra­gen, vie­le Men­schen wie­der gewerk­schaft­lich zu akti­vie­ren.

Ein­heits­ge­werk­schaf­ten, wie sie in Deutsch­land vor­herr­schend sind, ver­hin­dern dage­gen alter­na­ti­ve Posi­tio­nen: Min­der­hei­ten mit neu­en Ansät­zen müs­sen sich inner­halb der Ein­heits­or­ga­ni­sa­ti­on stän­dig der vor­herr­schen­den Linie beu­gen und kön­nen kei­ne Gewerk­schafts­po­li­tik prak­ti­zie­ren, die etwas ver­än­dern könn­te. Dass wir uns als Min­der­hei­ten­ge­werk­schaft kon­sti­tu­ie­ren, ermög­licht es uns, die­se ver­bor­ge­nen Kräf­te sicht­bar zu machen, eigen­stän­dig zu han­deln, Impul­se zu set­zen und Dyna­mi­ken zu schaf­fen, die letzt­lich auch die eta­blier­ten Gewerk­schaf­ten befruch­ten kön­nen.

Als unab­hän­gi­ge, föde­ra­lis­ti­sche und basis­de­mo­kra­ti­sche Gewerk­schaft für die Goe­the-Uni­ver­si­tät ist es uns mög­lich, am Puls der kon­kre­ten Pro­ble­me an der Hoch­schu­le zu han­deln. Dafür spricht ins­be­son­de­re unse­re Orga­ni­sie­rung in Form von Insti­tuts-, Fach­schafts- und Ver­wal­tungs­grup­pen. Klar, die Eta­blie­rung einer sol­chen Alter­na­tiv­ge­werk­schaft an der Goe­the-Uni­ver­si­tät stellt eine gro­ße Her­aus­for­de­rung dar. Ins­be­son­de­re in die Posi­ti­on zu kom­men, eine der zen­tra­len Kom­pe­ten­zen von Gewerk­schaf­ten wahr­neh­men zu kön­nen und Tarif­ver­hand­lun­gen zu füh­ren, ist nicht ein­fach. Als Min­der­hei­ten­ge­werk­schaft einen Ver­tre­tungs­an­spruch für die gesam­te Hoch­schu­le gel­tend zu machen, ist ver­mes­sen. Aber wir wol­len auch kei­ne ein­zel­nen Berei­che der Uni­ver­si­tät tarif­lich sepa­rie­ren. Des­halb ver­ste­hen wir uns tarif­po­li­tisch zunächst als Schritt­ma­cher: Wir stel­len For­de­run­gen und bau­en Druck auf, damit sie Ein­gang in die eta­blier­te Tarif­po­li­tik fin­den. Mit­tel­fris­tig wol­len wir tarif­po­li­tisch koalie­ren, ohne eige­ne Stan­dards auf­zu­ge­ben, und lang­fris­tig selbst Tarif­po­li­tik gestal­ten.

Noch zur FAU: deren Basis­grup­pen haben uns in der Kon­sti­tu­ie­rung als Gewerk­schaft viel­fäl­tig unter­stützt und inten­siv bera­ten. Es ist immer schön, die Genoss_innen der FAU zu tref­fen. Im Aus­tausch über die vie­len ver­schie­de­nen gewerk­schaft­li­chen Kämp­fe, wel­che die FAU-Grup­pen, aber auch ande­re basis­de­mo­kra­ti­sche Orga­ni­sa­tio­nen füh­ren, konn­ten wir bereits spü­ren, wel­che Kraft in der auf­rich­ti­gen Soli­da­ri­tät anar­cho-syn­di­ka­lis­ti­scher Grup­pen und Gewerk­schaf­ten liegt.

 

GWR: Ihr orga­ni­siert die Inter­es­sen­ver­tre­tung von Stu­die­ren­den, Dozen­tIn­nen und wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­te­rIn­nen. Sind das alles eigent­lich jun­ge, wei­ße und über­wie­gend männ­li­che Aka­de­mi­ke­rIn­nen? Kri­ti­ke­rIn­nen könn­ten ein­wer­fen, dass ihr doch pri­vi­le­giert wärt und noch nie rich­tig gear­bei­tet hät­tet.

 

unter_bau: Pri­vi­le­gi­en sind ja rela­tiv. Natür­lich ist ein Anstel­lungs­ver­hält­nis im aka­de­mi­schen Bereich nicht das­sel­be wie am Fließ­band. Aber es geht gera­de dar­um zu sagen: auch wenn man sich mit inter­es­san­ten Inhal­ten beschäf­ti­gen darf, braucht man eine mate­ri­el­le Basis zum Leben. Und eben auch um unab­hän­gi­ge For­schung betrei­ben zu kön­nen. Momen­tan müs­sen alle den Dritt­mit­tel­trends hin­ter­her­ren­nen, ande­re The­men sowie kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung und For­schung gehen dabei unter. Die­ser Punkt kommt immer wie­der auf.

In einer Gesell­schaft, in der Wis­sen ein zen­tra­ler Pro­duk­ti­ons­fak­tor ist und die Hälf­te eines Jahr­gangs stu­diert, ist aber klar, dass auch die­se Men­schen unter sys­te­mi­schen Zwän­gen lei­den. Der kaput­te Rücken am Fließ­band wird dann zur Depres­si­on durch zeit­lich ent­grenz­te Arbeit oder Ähn­li­chem. Zudem spre­chen wir alle Men­schen an, wel­che an der Hoch­schu­le arbei­ten. Und in der Men­sa oder an der Pfor­te ist es durch­aus kla­rer, dass es sich hier um Lohn­ar­beit han­delt und man sich schö­ne­res vor­stel­len kann als z.B. Schicht­ar­beit ohne siche­ren Arbeits­ver­trag.

Es kann unse­rer Mei­nung nach nicht dar­um gehen, ein Ran­king auf­zu­ma­chen, wer wie stark von Pre­ka­ri­sie­rung betrof­fen ist, son­dern durch alle Sta­tus­grup­pen umfas­sen­de Soli­da­ri­tät der pre­kä­ren Gesamt­schei­ße zu begeg­nen.

 

GWR: Im April 2016 wur­de ein vor­läu­fi­ges Pro­gramm mit den gro­ben Inhal­ten bes­se­re Arbeits­ver­hält­nis­se, Zugang zum Stu­di­um, Frei­heit der Leh­re und For­schung sowie geleb­te Soli­da­ri­tät ver­öf­fent­licht. Im Sep­tem­ber wur­de ein Anhang zur Geschlech­ter­po­li­tik nach­ge­reicht. Wie ist es dazu gekom­men?

 

unter_bau: Im April waren unse­re inter­nen Refle­xio­nen und Debat­ten zur eige­nen femi­nis­ti­schen Struk­tur und dem Ver­hält­nis von Gewerk­schaft und Femi­nis­mus noch im vol­len Gan­ge. Trotz­dem woll­ten wir schon an die Öffent­lich­keit gehen. Daher ist der Teil zu Geschlech­ter­po­li­tik im Sep­tem­ber ergänzt wor­den. Unter_bau hat in der Zwi­schen­zeit eine schlag­kräf­ti­ge Frauen*-Vollversammlung insti­tu­tio­na­li­siert, wel­che mit einem auf­schie­ben­dem Veto gegen­über der all­ge­mei­nen Voll­ver­samm­lung aus­ge­stat­tet ist. Außer­dem konn­te das Pro­gramm von unter_bau um expli­zit femi­nis­ti­sche Inhal­te ergänzt wer­den. Für das Sekre­ta­ri­at von unter_bau ist übri­gens eine „Har­te Quo­te” beschlos­sen wor­den. Das heißt, dass min­des­tens 50% der elf Pos­ten im Sekre­ta­ri­at von Frau­en* besetzt sein müs­sen.

 

GWR: Gewerk­schaf­ten haben tra­di­tio­nell häu­fig eige­ne Zei­tun­gen her­aus­ge­ge­ben. Die FAU hat die Print­aus­ga­be der Direk­ten Akti­on ja ein­ge­stellt und setzt mehr auf das Inter­net als Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nal. Habt ihr ein eige­nes Medi­um?

 

unter_bau: Wir haben unse­re Web­site www.unterbau.org, sowie natür­lich einen Twit­ter- und einen Face­book-Account, über die wir alle wich­ti­gen Infos und Ankün­di­gun­gen bekannt geben und zu Tref­fen und Voll­ver­samm­lun­gen ein­la­den. Online prä­sent zu sein ist uns wich­tig, um öffent­lich­keits­wirk­sam und pro­fes­sio­nell kom­mu­ni­zie­ren zu kön­nen. Eine eige­ne Zeit­schrift haben wir bis­her nicht. Wir müs­sen noch bera­ten, wel­che Form wir wäh­len wol­len, um die Hoch­schul­öf­fent­lich­keit anzu­spre­chen. Einen monat­li­chen News­let­ter per Mail gibt es schon. Wie wir die neu­ge­won­ne­nen Mög­lich­kei­ten einer Gewerk­schaft stra­te­gisch am sinn­volls­ten nut­zen und ob eine Zei­tung dazu­ge­hört, müs­sen wir noch aus­dis­ku­tie­ren.

Auf alle Fäl­le wird es im Rah­men einer von uns orga­ni­sier­ten wis­sen­schaft­li­chen Kon­fe­renz nächs­tes Jahr einen Call for Papers zu ver­schie­de­nen The­men­fel­dern rund um Hoch­schu­len geben.

Die Bei­trä­ge zur Kon­fe­renz sol­len nach Mög­lich­keit auch publi­ziert wer­den. Und wo wir schon bei Schrift­stü­cken sind: Unse­re Pro­gram­ma­tik wird zur­zeit aus­ge­ar­bei­tet. Momen­tan gibt es ein Papier, wel­ches skiz­ziert, wel­che Fel­der wir in einer umfang­rei­chen Pro­gram­ma­tik beach­ten müs­sen. Es ist ein her­aus­for­dern­des Pro­jekt die­se nun aus­zu­ar­bei­ten und eine detail­lier­te Betriebs­ana­ly­se der Goe­the-Uni­ver­si­tät mit eman­zi­pa­to­ri­schen For­de­run­gen und Stra­te­gi­en zu ver­bin­den.

 

GWR: Wollt ihr den Lese­rIn­nen der Gras­wur­zel­re­vo­lu­ti­on noch etwas auf den Weg geben?

 

unter_bau: Wir haben viel dar­über gelernt, wie wich­tig es ist, Wis­sens­hier­ar­chi­en trans­pa­rent zu machen und vehe­ment am Abbau die­ser Hier­ar­chi­en zu arbei­ten. Denn Räte­de­mo­kra­tie sehen wir nur dann als mög­lich, wenn ein ega­li­tä­rer Zugang zu Wis­sen ermög­licht wird und kon­stant reflek­tiert wird, wel­che Hier­ar­chi­en sich zu eta­blie­ren dro­hen, nur weil ver­schie­de­ne Men­schen über unter­schied­lich viel Wis­sen ver­fü­gen. Gera­de des­halb lohnt sich auch ein Blick dar­auf, was an den Hoch­schu­len pas­siert.

 

Und soll­tet ihr mal in Frank­furt sein, kommt bei uns vor­bei! Wir freu­en uns immer sehr über Genoss_innen, die zu Besuch kom­men.

 

Inter­view: Mathi­as Schmidt

 

aus. Gras­wur­zel­re­vo­lu­ti­on 415 Janu­ar 2017 www.graswurzel.net