WISAG geht Baden — Kündigung...

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf wies die Kün­di­gung des akti­ven Gewerk­schaf­ters Karl S. zurück. Freun­de und Kol­le­gen des Nacht­wäch­ters quit­tier­ten das Urteil mit lau­tem Bei­fall. Die Kam­mer sehe kei­ne Grün­de, die eine außer­or­dent­li­che Kün­di­gung recht­fer­ti­gen, sag­te der Vor­sit­zen­de. Der Tat­vor­wurf einer Ver­dachts­kün­di­gung sei nicht erwie­sen. Eine Revi­si­on beim Bun­des­ar­beits­ge­richt ließ das Gericht nicht zu. Mit die­sem Urteil ist wohl auch die zwei­te Kün­di­gung vom Tisch, erklär­te die Rechts­se­kre­tä­rin, die Karl zur Sei­te stand. Sobald das Urteil rechts­kräf­tig sei, wer­de er bei der WISAG wie­der auf der Mat­te ste­hen, freu­te sich der Gewerk­schaf­ter.

Der Vor­wurf des Kon­zerns, das Betriebs­rats­mit­glied habe in betrü­ge­ri­scher Absicht eine fal­sche Fahrt­kos­ten­ab­rech­nung vor­ge­legt, erwies sich nach der Ver­neh­mung eines Zeu­gen als völ­lig halt­los. Für den Dienst­leis­tungs­kon­zern, der in den Berei­chen Gebäu­de­rei­ni­gung, Haus­tech­nik, Cate­ring, Boden­ver­kehrs­diens­te, Sicher­heit und Bewa­chung tätig ist, und für den über 46.000 Beschäf­tig­te arbei­ten, ist das Urteil eine emp­find­li­che Schlap­pe, denn das Ver­fah­ren hat­te nicht nur hohe Kos­ten ver­ur­sacht, son­dern auch für Schlag­zei­len und Empö­rung unter den Beschäf­tig­ten gesorgt. Die meis­ten arbei­ten Teil­zeit mit befris­te­ten Ver­trä­gen und kom­men mit ihrem Lohn mehr schlecht als recht über die Run­den. Kein Wun­der, dass das Frank­fur­ter Fami­li­en­un­ter­neh­men flo­riert und fet­te schwar­ze Zah­len schreibt. Der Umsatz der Hol­ding steigt von Jahr zu Jahr, auf rund 1,7 Mil­li­ar­den Euro 2014. Zwar hält sich das Unter­neh­men an den Min­dest­lohn, heißt es in einer Stu­die der Hans-Böck­ler-Stif­tung. Doch wenn Betriebs­rä­te Betriebs­ver­ein­ba­run­gen oder Gewerk­schaf­ten Tarif­ver­trä­ge abschlie­ßen wol­len, ist Schluss mit lus­tig. Karl war Vor­sit­zen­der der Ver­trau­ens­leu­te bei der WISAG-Toch­ter, ist Mit­glied der ver­di-Tarif­kom­mis­si­on des Wach- und Sicher­heits­ge­wer­bes in NRW und stell­ver­tre­ten­des Betriebs­rats­mit­glied. Die Geschäfts­lei­tung will ihnen los­wer­den, weil er sich sich aktiv für sei­ne Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen ein­setz­te und ihnen zu ihrem Recht ver­half, wenn sie zu wenig Lohn beka­men, es um Befris­tung ging oder dar­um, Teil­zeit- in Voll­zeit­ver­trä­ge umzu­wan­deln. Auf einer Betriebs­ver­samm­lung hat­te der Geschäfts­füh­rer der WISAG Sicher­heit & Ser­vice Nord-West GmbH den Kol­le­gen ange­grif­fen, weil immer mehr betrieb­li­che Kon­flik­te beim Arbeits­ge­richt lan­de­ten. Doch war­um soll­ten Beschäf­tig­te auf ihre Rech­te ver­zich­ten, wenn der Arbeit­ge­ber sie ihnen vor­ent­hält und nicht mit sich reden lässt?