Seelbach: Geldstrafen für Angriffe auf Betriebsrat

Das Amts­ge­richt Lahr, Baden-Würt­tem­berg, ver­ur­teil­te jetzt den Gesell­schaf­ter und den Geschäfts­füh­rer des Kunst­stoff­her­stel­lers New Albea in Seel­bach wegen Behin­de­rung des Betriebs­rats zu Geld­stra­fen in Höhe von 35 000 und 2250. Die IG Metall Offen­burg hat­te Straf­an­zei­ge nach Para­graf 119 Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz gestellt, weil „ein neu­er Geschäfts­füh­rer per­ma­nent gegen den Betriebs­rat (schoss), um nied­ri­ge Löh­ne zah­len und durch­re­gie­ren zu kön­nen“.
Obwohl bei „Straf­ta­ten gegen Betriebs­ver­fas­sungs­or­ga­ne und ihre Mit­glie­der“ Frei­heits­stra­fen bis zu einem Jahr und Haft­stra­fen dro­hen, blei­ben Arbeit­ge­ber in der Regel straf­frei. Die letz­ten Ver­ur­tei­lun­gen lie­gen schon ein paar Jah­re zurück, 2012 gab es zuletzt zwei.

Staats­an­walt Jochen Wie­de­mann beton­te in sei­nem Plä­doy­er denn auch: „Die Straf­jus­tiz hat sel­ten mit dem Para­gra­fen 119 aus dem Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz zu tun.” Obwohl für den Vor­sit­zen­den der Kam­mer erwie­sen war, dass der dama­li­ge Betriebs­rat in sei­ner Arbeit behin­dert wur­de und damit eine Stö­rung des Betriebs­rats vor­ge­le­gen hat, blieb das Gericht in sei­nem Urteil deut­lich unter dem Straf­an­trag des Staats­an­walts, der 80 000 und 3200 Euro Geld­stra­fe gefor­dert hat­te. Aus­schlag­ge­bend für die Ver­ur­tei­lung war, dass bei einer Beleg­schafts­ver­samm­lung im März 2013 ein Stimm­zet­tel an die Mit­ar­bei­ter ver­teilt wor­den war, auf dem sie ankreu­zen konn­ten, ob sie den Betriebs­rat wei­ter unter­stüt­zen oder ob sie bis zur Neu­wahl ein von der Fir­men­lei­tung vor­ge­schla­ge­nes Gre­mi­um befür­wor­ten. In einer wei­te­ren Ver­samm­lung im April hat­te der Gesell­schaf­ter dem dama­li­gen Betriebs­rat vor­ge­wor­fen, dass er den Betrieb in „Wür­ge­griff” neh­me. Die schlech­ten hät­ten die guten Betriebs­rats­mit­glie­der aus dem Amt geekelt. Außer­dem hat­te der Gesell­schaf­ter der Beleg­schaft vor­ge­rech­net, dass die Kos­ten, die der Betriebs­rat ver­ur­sa­che, ihrem Weih­nachts­geld ent­spre­che, das nicht mehr gezahlt wer­den kön­ne.

Staats­an­walt Jochen Wie­de­mann wer­te­te die Wort­wahl des Gesell­schaf­ters vor Gericht als „fort­dau­ern­de Schmä­hung des Betriebs­rats auf unters­tem Niveau”. Mit sei­nen Ein­las­sun­gen habe er deut­lich gemacht, dass er unbe­lehr­bar sei, so Wie­de­mann. Wäh­rend des Plä­doy­ers hielt sich der Gesell­schaf­ter die Ohren zu. Arbeit­ge­ber-Anwalt Gerson Trüg, der auch den ehe­ma­li­gen Deut­sche-Bank-Chef Josef Acker­mann ver­tei­digt hat­te, warf der Staats­an­walt­schaft ein­sei­ti­ge Ermitt­lungs­ar­beit vor und kün­dig­te Beru­fung gehen an.