Weg mit dem Hausverbot für Betriebsrat am Flughafen...

Der Logis­tik-Kon­zern FedEx ver­wei­gert einem Betriebs­rat von Pond Secu­ri­ty den Zutritt zum Sicher­heits­be­reich des Flug­ha­fens Köln/Bonn. Mit die­ser dra­ko­ni­schen Repres­sa­lie soll ein akti­ver Gewerk­schaf­ter und unbe­que­mer Mit­ar­bei­ter, der auch Schwer­be­hin­der­ten­be­auf­trag­ter ist, kalt­ge­stellt wer­den. Er hat sich immer wie­der für die Inter­es­sen der Kol­le­gen, eine gerech­te Bezah­lung sowie die Ein­hal­tung von Arbeits­schutz- und Sicher­heits­be­stim­mun­gen ein­ge­setzt, sagt Özay Tarim von der Gewerk­schaft Ver­di. Das Haus­ver­bot die­ne als War­nung an die Beleg­schaft und sei völ­lig unver­hält­nis­mä­ßig.

 

Weil Pond Secu­ri­ty ihm seit Mai nur noch die Stun­den zahlt, in denen er Betriebs­rats­ar­beit macht, kann der Gewerk­schaf­ter jetzt sei­nen Lebens­un­ter­halt nicht mehr sichern und ist sogar auf zusätz­li­che Sozi­al­leis­tun­gen ange­wie­sen. Das ist ein ein­deu­ti­ger Ver­stoß gegen den Tarif­ver­trag, sagt Özay Tarim. Danach sei der Arbeit­ge­ber ver­trag­lich ver­pflich­tet, dem Mit­ar­bei­ter min­des­tens 174 Stun­den im Monat zu beschäf­ti­gen und auch zu ver­gü­ten. Ver­di gewährt dem Betriebs­rat Rechts­schutz, juris­ti­sche Schrit­te sind bereits ein­ge­lei­tet.

 

Der Mann ist Ange­stell­ter der Sicher­heits­fir­ma Pond Secu­ri­ty, die im Auf­trag von FedEx in Köln/Bonn für die Kon­trol­le der Zugän­ge und der gesam­ten Fracht zustän­dig ist. Das Betriebs­rats­mit­glied ist gemein­sam mit rund hun­dert Kol­le­gen für die Iden­ti­fi­zie­rung und das Auf­spü­ren nicht­de­kla­rier­ter Gefahr­gü­ter, dar­un­ter auch von Waf­fen und Spreng­stof­fen am Flug­ha­fen ver­ant­wort­lich. Beschwer­den gab es bis­her nie. Nur die lako­ni­sche Mail von FedEx, das Betriebs­rats­mit­glied habe Haus­ver­bot. Als Grund sei ange­ge­ben, er habe Betriebs­rats­ar­beit geleis­tet und sich von sei­nem Arbeits­platz ent­fernt, so Tarim. Meh­re­re Zeu­gen bestä­ti­gen jedoch, dass da nichts dran sei. Außer­dem müss­ten Kame­ra­auf­zeich­nun­gen sei­ne Posi­ti­on stüt­zen.

 

Hin­ter­grund des Haus­ver­bots sei­en ver­schie­de­ne betrieb­li­che Kon­flik­te, ver­mu­tet Ver­di, zum Bei­spiel das The­ma unge­rech­te Ent­loh­nung. Beschäf­tig­te, die bei Pond Secu­ri­ty mit der Kon­trol­le von Gefahr­gü­tern betraut sind, ver­die­nen nach Anga­ben der Gewerk­schaft zwei Euro fünf­zig pro Stun­de weni­ger, als Luft­si­cher­heits­kon­troll­kräf­te der bei­den Kon­kur­ren­ten DHL und UPS. Der Betriebs­rat setzt sich seit lan­gem für glei­che Bezah­lung am Flug­ha­fen ein und arbei­tet der Tarif­kom­mis­si­on zu.
Ein wei­te­rer Kon­flikt­punkt im Sicher­heits­be­reich des Flug­ha­fens sind Beschwer­den wegen ekla­tan­ter Ver­stö­ße gegen Sicher­heits- und Arbeits­schutz­vor­schrif­ten. Pond-Secu­ri­ty soll in der Luft­fracht­ab­fer­ti­gung etli­che Kon­troll­kräf­te ein­set­zen, ohne dass die­se über die gefor­der­ten Zer­ti­fi­ka­te für Gefahr­gut der Per­so­nal­ka­te­go­rie 12 ver­fü­gen. Dabei sind ent­spre­chen­de Schu­lun­gen für die­se Kon­troll­tä­tig­keit bei der Fracht­gut­ab­fer­ti­gung zwin­gend vor­ge­schrie­ben. Für die Ein­hal­tung der Sicher­heit am Flug­ha­fen ist das Luft­fahrt­bun­des­amt zustän­dig, das bereits infor­miert ist. Im Fracht­ver­teil­zen­trum lit­ten die Beschäf­tig­ten außer­dem unter Lärm und Staub, berich­tet Tarim. Eini­ge Beschäf­tig­te sei­en sogar an Asth­ma erkrankt. Seit der Inbe­trieb­nah­me eines neu­en För­der­ban­des unter der Decke des Fracht­ver­teil­zen­trums droh­ten den Beschäf­tig­ten neue Gesund­heits­ge­fah­ren. Das Trans­port­band, das unmit­tel­bar über ihren Köp­fen schwebt, ver­fü­ge über kei­ner­lei Schutz­vor­rich­tun­gen vor even­tu­el­len Lecks aus Gefahr­gut­be­häl­tern oder her­un­ter­fal­len­den Gegen­stän­den. Der Betriebs­rat habe immer wie­der auf die­se Gefah­ren­quel­len hin­ge­wie­sen, bis heu­te sei aller­dings nichts pas­siert.

 

Anfang April wur­de bekannt, dass der Ver­trag zwi­schen dem Flug­ha­fen Köln/Bonn und dem Sicher­heits­un­ter­neh­men Köt­ter vor­zei­tig been­det wur­de, nach­dem bei dem Sicher­heits­un­ter­neh­men immer mehr Unre­gel­mä­ßig­kei­ten auf­ge­deckt wur­den. Auch in dem Fall hat­te die Gewerk­schaft Ver­di immer wie­der auf Ver­säum­nis­se hin­ge­wie­sen. Es ist nicht hin­zu­neh­men, dass nun aus­ge­rech­net ein Betriebs­rat kalt­ge­stellt wird, der wie­der­holt auf Unre­gel­mä­ßig­kei­ten im sen­si­blen Sicher­heits­be­reich des Flug­ha­fen Köln/Bonn hin­ge­wie­sen hat und damit mehr Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein unter Beweis stellt, als das Manage­ment von Pond Secu­ri­ty und FedEx. Der Mana­ging Direc­tor Ope­ra­ti­ons von FedEx Euro­pe äußer­te sich auf unse­re Bit­te um Stel­lung­nah­me fol­gen­der­ma­ßen: Sicher­heit habe stets obers­te Prio­ri­tät. „Wir arbei­ten in jedem Land der Welt im Rah­men der gül­ti­gen Geset­ze und Vor­schrif­ten. Das jeder­zeit erfor­der­li­che Ein­hal­ten aller Geset­ze und Vor­schrif­ten gilt natür­lich auch für exter­ne Unter­neh­men, die in unse­re Abläu­fe ein­ge­bun­den sind. Details zu ein­zel­nen Vor­gän­gen — wie etwa den Ein­satz bestimm­ter Mit­ar­bei­ter — klä­ren wir dabei grund­sätz­lich zwi­schen den Betei­lig­ten und geben sie nicht nach außen wei­ter.”

 

Tat­säch­lich ist dies nicht der ers­te Fall von Bos­sing bei FedEx Auf­trag­neh­mer Pond Secu­ri­ty. Bereits 2004 wur­den vier Betriebs­rä­ten, die als Sicher­heits­leu­te für die Bewa­chung des US-Kon­su­la­tes in Frank­furt tätig waren, durch das Kon­su­lat ohne Anga­be von Grün­den die Ein­satz­ge­neh­mi­gung ent­zo­gen, wor­auf­hin Pond sie kün­dig­te.