Preis „Demokratie im Betrieb“ 2017 für Bauhaus- und...

Memet Özcan, Betriebs­rats­vor­sit­zen­der der BAUHAUS Filia­le in Wit­ten und Nils Hen­ningsen, Betriebs­rats­vor­sit­zen­der von Post­con in Mön­chen­glad­bach wur­den ges­tern Abend im Hein­rich-Hei­ne-Insti­tut in Düs­sel­dorf für ihre lang­jäh­ri­ge enga­gier­te Betriebs­rats- und Gewerk­schafts­ar­beit mit dem Preis „Demo­kra­tie im Betrieb“ aus­ge­zeich­net. Der Preis wur­de zum fünf­ten Mal von Arbeit und Leben NRW ver­ge­ben. Schirm­herr ist der Minis­ter für Arbeit, Gesund­heit und Sozia­les des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len, Karl-Josef Lau­mann.

Mit­be­stim­mung ist geleb­te Demo­kra­tie im Betrieb. Sie schafft sozia­len Frie­den und einen Aus­gleich zwi­schen den Inter­es­sen der Beleg­schaf­ten und der Arbeit­ge­ber. Es geht dabei um gute Arbeits­be­din­gun­gen und Mit­ver­ant­wor­tung für die Zukunft des Unter­neh­mens sowie der Wirt­schaft und Gesell­schaft. Die Preis­trä­ger gehen mit ihrer Arbeit in beein­dru­cken­der und vor­bild­li­cher Wei­se vor­an“, sag­te Staats­se­kre­tär Edmund Hel­ler, der in Ver­tre­tung des Minis­ters den Preis­trä­gern gra­tu­lier­te.

 

 

Wie­der­holt war es bei BAUHAUS in Wit­ten zu Kon­flik­ten gekom­men, die bis zur ver­such­ten Kün­di­gung der stell­ver­tre­ten­den Betriebs­rats­vor­sit­zen­den führ­ten. Unbe­irrt davon mach­te der Betriebs­rat und allen vor­an Memet Özcan sei­ne Arbeit wei­ter. In sei­ner Frei­zeit unter­stütz­te er Beschäf­tig­te und Betriebs­rä­te in ande­ren Filia­len, sogar über das eige­ne Unter­neh­men hin­aus, und enga­giert sich in der Gewerk­schaft Ver.di. „Uns allen ist das Unter­neh­men, für das wir arbei­ten sehr wich­tig. Gleich­zei­tig fin­de wir es nicht in Ord­nung, wie dort mit dem The­ma Mit­be­stim­mung umge­gan­gen wird. Des­halb haben wir lan­ge für einen Betriebs­rat in unse­rer Filia­le gekämpft und wol­len jetzt dau­er­haft die Ver­tre­tung der Inter­es­sen von Beschäf­tig­ten im gan­zen Unter­neh­men sicher­stel­len. Das ist nicht immer ein­fach, aber wir wer­den so schnell nicht auf­ge­ben. Wir machen das schließ­lich für alle Beschäf­tig­ten.“, sag­te Memet Özcan zu der Moti­va­ti­on auch in schwie­ri­gen Situa­tio­nen wei­ter stand­haft zu blei­ben. Dass es zu Kon­flik­ten kommt, liegt in der Natur der Sache, stell­te Dr. Her­bert Schaaff, Geschäfts­füh­rer Per­so­nal der Vallou­rec Deutsch­land GmbH, in sei­ner Lau­da­tio klar. Ent­schei­dend sei die Ursa­chen der Kon­flik­te und der Umgang mit ihnen. Kon­flik­te, die aus der grund­sätz­li­chen Ableh­nung von Betriebs­ver­fas­sung und Mit­be­stim­mung resul­tie­ren, sei­en schlicht und ein­fach inak­zep­ta­bel.

 

 

Seit 2008 ver­such­te Nils Hen­ningsen bei Post­con in Mön­chen­glad­bach einen Betriebs­rat zu grün­den, um der Ver­schlech­te­rung der Arbeits­be­din­gun­gen in sei­nem Betrieb ent­ge­gen­zu­wir­ken. Dafür benö­tig­te der Wahl­vor­stand eine Wäh­ler­lis­te von sei­nem Arbeit­ge­ber, eigent­lich eine For­ma­lie. Nicht aber in die­sem Fall, ins­ge­samt sechs Jah­re und unzäh­li­ge Ver­fah­ren bis hin zum Bun­des­ar­beits­ge­richt brauch­te es, bis er die Wäh­ler­lis­te in den Hän­den hielt. Grund dafür war die Ver­zö­ge­rungs­tak­tik eines vom Arbeit­ge­ber enga­gier­ten Anwalts. Letzt­end­lich gelang die Betriebs­rats­grün­dung. Ohne den lan­gen Atem von Nils Hen­ningsen wäre das nicht gelun­gen. „Als der Betrieb 2006 den Inha­ber gewech­selt hat, wur­de alles umge­stellt. Damit ging jede Selbst­be­stim­mung ver­lo­ren. Eini­ge Beschäf­tig­te woll­ten das nicht ein­fach hin­neh­men und haben dann beschlos­sen einen Betriebs­rat zu grün­den, um mit­be­stim­men zu kön­nen. Es hat dann sehr lan­ge gedau­ert bis wir damit erfolg­reich waren. Mitt­ler­wei­le haben wir einen Betriebs­rat, aber damit ist es nicht getan. Der Arbeit­ge­ber hat einen Struk­tur­ta­rif­ver­trag mit einer christ­li­chen Gewerk­schaft abge­schlos­sen und bezwei­felt jetzt unse­re Zustän­dig­keit als Betriebs­rat in Mön­chen­glad­bach.“, schil­der­te Nils Hen­ningsen die aktu­el­le die Situa­ti­on bei post­con. Recht haben sei ein­fach. Um Recht durch­zu­set­zen brau­che es enga­gier­te Men­schen, hob Schaaff her­vor.

 

 

Ein wei­te­rer Preis ging an den Betriebs­rat der SMS Group Hil­chen­bach für ein Semi­nar­kon­zept zur grup­pen­be­zo­ge­nen Men­schen­feind­lich­keit. Das Kon­zept soll fest in den Aus­bil­dungs­plan inte­griert wer­den, um Aus­zu­bil­den­de mög­lichst früh für Dis­kri­mi­nie­rung zu sen­si­bi­li­sie­ren und ihnen zu ver­mit­teln, wie sie sich in sol­chen Situa­tio­nen ver­hal­ten kön­nen. „Wir dür­fen den Popu­lis­ten so wenig Raum wie mög­lich geben. Dort wo sie sich ihn neh­men wol­len, müs­sen wir beson­nen und ent­schie­den popu­lis­ti­schen Stra­te­gi­en, die in ihrem Kern anti­plu­ra­lis­tisch und damit anti­de­mo­kra­tisch sind, ent­ge­gen­wir­ken.“, brach­te es Maria Sprin­gen­berg-Eich in ihrer Lau­da­tio auf den Punkt.

 

 

Mit dem drit­ten Preis wur­de der Betriebs­rat der War­stei­ner Braue­rei aus­ge­zeich­net. Initi­iert durch das Pro­jekt „Arbeit in NRW 2020“ hat sich das Gre­mi­um inten­siv und sys­te­ma­tisch mit den Aus­wir­kun­gen der Digi­ta­li­sie­rung auf die Arbeits­be­din­gun­gen im eige­nen Betrieb aus­ein­an­der­ge­setzt. So wur­den die Betriebs­rats­mit­glie­der Exper­ten in Sachen Digi­ta­li­sie­rung.