Skandal bei BAUHAUS: Engagierte...

Nach ein paar Mona­ten im Amt das Aus. Die Geschäfts­lei­tung eines Bau­markts von BAUHAUS in Kre­feld setzt kurz vor Weih­nach­ten eine enga­gier­te Betriebs­rä­tin vor die Tür. Eine Begrün­dung für die frist­lo­se Kün­di­gung, Fehl­an­zei­ge. Zwei Jah­re hat­te die Kol­le­gin gemein­sam mit ande­ren Beschäf­tig­ten für die Ein­set­zung eines Wahl­vor­stan­des gekämpft. Im Früh­jahr war es end­lich soweit. Gemein­sam mit einer ande­ren ver.di-Kollegin wähl­te die Beleg­schaft sie in den Betriebs­rat. Doch die Mehr­heits­ver­hält­nis­se waren ungüns­tig. Die meis­ten Mit­glie­der des Gre­mi­ums scheu­ten den Kon­flikt mit dem Arbeit­ge­ber. Statt die Inter­es­sen der Beleg­schaft zu ver­tre­ten, kusch­ten sie vor der Geschäfts­lei­tung und lehn­ten selbst den Antrag der bei­den Kol­le­gin­nen ab, die Lohn- und Gehalts­lis­ten ein­zu­se­hen. Trotz­dem lie­ßen sich die bei­den Frau­en nicht beir­ren und setz­ten sich erfolg­reich für ihre Kol­leg-innen ein. Das war der Geschäfts­lei­tung jetzt offen­sicht­lich zu viel.

 
Angrif­fe auf akti­ve Betriebs­rä­te haben bei Euro­pas Num­mer Zwei bei Heim­wer­ker-Märk­ten Tra­di­ti­on. Bereits 2009 präg­ten Bau­haus-Mana­ger das Unwort des Jah­res, indem sie Filia­len, wo Betriebs­rä­te exis­tier­ten, als „betriebs­rats­ver­seucht” bezeich­ne­ten. Ein sprach­li­cher Tief­punkt im Umgang mit Beschäf­tig­ten, befand die Jury damals. Betriebs­rä­te machen bei BAUHAUS immer wie­der die Erfah­rung, dass Wah­len ver­hin­dert und beein­flusst, akti­ve Beschäf­tig­te gekün­digt oder Betriebs­rä­te durch jah­re­lan­ge Rechts­strei­tig­kei­ten oder die Kür­zung von Gehäl­tern zer­mürbt und zur Auf­ga­be gezwun­gen wer­den sol­len oder — wie im aktu­el­len Fall am Nie­der­rhein — gleich vor die Tür gesetzt wer­den.

 
Dabei lau­fen die Geschäf­te bei BAUHAUS präch­tig. Der Kon­zern zählt mit etwa 18.500 Beschäf­tig­ten zu den größ­ten Bau­markt­ket­ten Euro­pas. Das Unter­neh­men, das im Jahr 2016 deutsch­land­weit 155 Filia­len betrieb und einen Umsatz von rund 3,7 Mil­li­ar­den Euro erziel­te, unter­hält im euro­päi­schen Aus­land außer­dem 114 Stand­or­te. Obwohl das Unter­neh­men über eine gerin­ge­re Ver­kaufs­flä­che als OBI, Toom oder Hage­bau ver­fügt und weni­ger Ange­stell­te als der Markt­füh­rer OBI beschäf­tigt, ist BAUHAUS ver­hält­nis­mä­ßig pro­fi­ta­bel: Jeder Mit­ar­bei­ter setz­te 2016 durch­schnitt­lich über drei­hun­dert Tau­send Euro um. Das ist deut­lich mehr als im Durch­schnitt der Bran­che. Bereits 2004 trat BAUHAUS aus dem Bun­des­ver­band Deut­scher Heim­wer­ker-, Bau- und Gar­ten­fach­märk­te aus und unter­liegt seit­dem kei­ner Tarif­bin­dung. Von den über 150 Bau­haus-Nie­der­las­sun­gen in Deutsch­land haben nur zehn über­haupt einen Betriebs­rat.

 
Trotz­dem setz­ten sich eini­ge Betriebs­rä­te erfolg­reich für die Inter­es­sen der Beschäf­tig­ten bei BAUHAUS ein. In Wit­ten muss­te die Geschäfts­lei­tung vor zwei Jah­ren ihr Kün­di­gungs­be­geh­ren gegen die stell­ver­tre­ten­de Betriebs­rats­vor­sit­zen­de zurück­zie­hen, weil die Beleg­schaft und der Betriebs­rat sich mit der Kol­le­gin soli­da­ri­sier­ten. Der Wit­te­ner Betriebs­rats­vor­sit­zen­de erhielt für sei­ne Zivil­cou­ra­ge erst kürz­lich den renom­mier­ten Preis „Demo­kra­tie im Betrieb.“ Viel­leicht macht die­ses ermu­ti­gen­de Bei­spiel am Nie­der­rhein Schu­le.