Beschäftigte des Wombat’s City Hostels in Berlin...

Die Beschäf­tig­ten des Wombat’s City Hos­tel gehen auf die Stra­ße. Dar­über berich­tet das Neue Deutsch­land in der Wochen­end­aus­ga­be.

 

Hin­ter­grund ist die seit August 2017 andau­ern­de Aus­ein­an­der­set­zung um einen Tarif­ver­trag für die über 50 Beschäf­tig­ten in der Back­pa­cker­bu­de in Ber­lin-Mit­te. Sie wol­len ihn, doch der Arbeit­ge­ber ver­wei­gert die Unter­schrift. Dazu kommt, dass den Geschäfts­füh­rern der Wombat’s Hotel­ket­te der Betriebs­rat ein Dorn im Auge ist. Der Streit war kurz vor Weih­nach­ten eska­liert. Nach einem zwei­ten Warn­streik hat­te die Geschäfts­füh­rung zwei Rezep­tio­nis­tin­nen frist­los gekün­digt, eine davon ist die Betriebs­rats­vor­sit­zen­de. Doch bevor es zum Arbeits­ge­richts­ver­fah­ren kam, sah die Lei­tung ein, dass sie einen aus­sichts­lo­sen Kampf focht, und lenk­te ein. Das Unter­neh­men hat Häu­ser in meh­re­ren euro­päi­schen Städ­ten, ins­ge­samt rund 300 Beschäf­tig­te.

 

 

Gewerk­schaft und Geschäfts­füh­rung tra­ten in Tarif­ver­hand­lun­gen und einig­ten sich. »Wir haben einen fer­tig aus­ge­han­del­ten Aner­ken­nungs­ta­rif­ver­trag«, sagt Sebas­ti­an Ries­ner von der Gewerk­schaft Nah­rung-Genuss-Gast­stät­ten (NGG). Für die Wombat’s-Beschäftigten sol­len künf­tig die tarif­li­chen Rege­lun­gen des Ber­li­ner Hotel- und Gast­stät­ten­ge­wer­bes gel­ten. Doch eine Unter­schrift fehlt. »Bei jedem seriö­sen Unter­neh­men läuft es so, dass wir den Tarif­ver­trag an die Lei­tung schi­cken und ihn unter­zeich­net zurück­be­kom­men.« Bereits ab dem 1. April soll­te der Tarif­ver­trag gel­ten. Für die Beleg­schaft hät­te das eine deut­li­che Stei­ge­rung der Ein­kom­men bedeu­tet. Doch die Geschäfts­füh­rung will nur unter­schrei­ben, wenn vor­her der Betriebs­rat eine Betriebs­ver­ein­ba­rung zu Dienst­plä­nen unter­schreibt. »Ich habe ihnen erklärt, dass das Quatsch ist«, sagt Ries­ner. »Wir als Gewerk­schaft machen Tarif­ver­trä­ge, Betriebs­ver­ein­ba­run­gen macht der Betriebs­rat, das hat nichts mit­ein­an­der zur tun.«

Um die Geschäfts­füh­rung doch noch zur Unter­schrift zu bewe­gen, wol­len die Beschäf­tig­ten an die­sem Sonn­tag demons­trie­ren. »Wir müs­sen unse­re Leu­te vors Tor brin­gen, wenn der Arbeit­ge­ber so reagiert«, sagt der Gewerk­schaf­ter. Und: »Sicher­lich kann es auch wie­der zu Warn­streiks kom­men. In Pla­nung sind wir.

 

 

Der ande­re Kon­flikt­herd im Wombat’s ist der Streit um die am 22. Mai anste­hen­de Betriebs­rats­wahl. Doch ob sie wie geplant statt­fin­det, ist frag­lich. Der Arbeit­ge­ber hat einen Antrag auf Ände­rung des Wahl­schrei­bens ein­ge­reicht. Der Grund: Das Wombat’s hat über 51 Beschäf­tig­te und damit nach dem Gesetz Anspruch auf einen fünf­köp­fi­gen Betriebs­rat. Der Arbeit­ge­ber aber sagt: Es sind weni­ger als 51, außer­dem sol­le die kom­plet­te Rei­ni­gung aus­ge­glie­dert wer­den. Dar­um darf es nur einen drei­köp­fi­gen Betriebs­rat geben, und das Wahl­aus­schrei­ben sei falsch. Hilfs­wei­se hat die Geschäfts­füh­rung den Abbruch des Wahl­ver­fah­rens bean­tragt.

Doch das dürf­te im Arbeits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg schnell vom Tisch sein. Dass ein Gericht den Stopp einer Betriebs­rats­wahl anord­net, hat Sel­ten­heits­wert. So ein Ein­griff ist nur bei beson­ders schwe­ren Ver­stö­ßen gegen das Wahl­ver­fah­ren denk­bar.

Dani­el Weid­mann, der Anwalt des Betriebs­ra­tes, geht gelas­sen in die Ver­hand­lung in der nächs­ten Woche. »Berück­sich­tigt man die ein­ge­setz­ten Leih­ar­bei­ter, die nach sechs Mona­ten Betriebs­zu­ge­hö­rig­keit das vol­le Wahl­recht haben, dann gibt es deut­lich über 51 Beschäf­tig­te«, sagt er gegen­über »nd«.

Für Betriebs­rat Rapha­el K. ist klar, dass es sei­nen Arbeit­ge­bern nur dar­um geht, den ihm unbe­que­men der­zei­ti­gen Betriebs­rat los zu wer­den. »Auch des­halb wur­de jetzt eine eige­ne Lis­te von arbeit­ge­ber­freund­li­chen Abtei­lungs­lei­tern zur Wahl auf­ge­stellt. Und des­halb ver­su­chen sie, die Beschäf­tig­ten­zahl zu drü­cken.« Die Geschäfts­füh­rung ant­wor­te­te auf eine schrift­li­che Anfra­ge des »nd« bis Redak­ti­ons­schluss die­ser Sei­te nicht.