Aldi Nord: Klassenkampf von oben

14. August 2018

Mit rüden Methoden versucht Aldi Nord, seinen Angestellten neue Arbeitsverträge aufzuzwingen, doch es gibt auch “Dissidenten”. Darüber berichtet diese Woche Der Spiegel.

 

Wer bei Aldi schuftet, hat einen stressigen Job, leistet regelmäßig Überstunden, verdient im Vergleich gegenüber Beschäftigten bei anderen Discountern jedoch etwas mehr. Denn Aldi-Nord zahlt Tariflöhne plus 13. Monatsgehalt, vermögenswirksame Leistungen, einen Fahrgeldzuschuss und eine monatliche Zulage von mindestens 100 Euro. Doch die Zulage gibt es nicht umsonst. Als Gegenleistung verlangt Aldi von seinem Verkaufspersonal drei und von Filialleiter-innen sogar 7,5 Überstunden pro Woche. Für die Eigentümer des Discounters läuft der Laden bestens.  13,5 Milliarden Euro Bruttoumsatz im vergangenen Jahr, gut sechs Prozent mehr als im Vorjahr, erwirtschafteten die Beschäftigten in 2.250 Filialen des Discounters.

 

Nun will das Management den fast 36.000 Beschäftigten neue Arbeitsverträge aufzwingen, zu erheblich schlechteren Konditionen: Arbeit auf Abruf statt geregelte Arbeitszeiten, Arbeitsbeginn ab 4 Uhr nachts statt 6 Uhr morgens wie bisher. Arbeitsschluss soll statt um 21 Uhr erst um 23 Uhr sein. Filialleiter sollen nicht mehr Teilzeit arbeiten können, auch wenn das dem Arbeitszeitgesetz widerspricht. Da dies bei den Beschäftigten nicht gut ankommt, haben sich Aldi-Manager etwas ganz Besonderes ausgedacht, um ihr Vorhaben durchzusetzen. Sie versprechen, nun endlich die elektronische Zeiterfassung einzuführen, allerdings nur, wenn 90 Prozent der Belegschaft die neuen Verträge unterschreibt. Die Stempeluhren sind bei den Beschäftigten populär, weil damit Überstunden automatisch erfasst und vergütet werden müssen.

 

Doch es blieb nicht bei diesem Erpressungsversuch. Manche Manager drohten mit der Schließung von Filialen, sollten die Angestellten die neuen Verträge nicht akzeptieren. Wer offen gegen dieses Horrorprogramm aufbegehrt, wird offensichtlich systematisch fertiggemacht, berichtet Der Spiegel. So zitiert das Blatt eine Marktleiterin aus Ostwestfalen, der ihre Filiale mehrfach mit ganzen LKW-Ladungen beschädigter und abgelaufener Ware zugemüllt wurde, weil sie sich gegen die Pläne des Managements zur Wehr setzte. Ihr Verkaufsleiter drohte sogar mit Kündigung, anderen wurde mit Abmahnungen gedroht, sollten sie sich widersetzen. Andere Vorgesetzte setzten auf Schikanen und teilten Angestellte, die sich weigerten, die Unterschrift zu leisten, nur noch zur Frühschicht ein, damit sie keine Spätschichtzulage mehr erhielten. Betriebsräte, die sich gegen den Abschuss einer neuen Betriebsvereinbarung wehrten, in der die Wünsche des Managements festgeschrieben werden, gerieten erheblich unter Druck. Die Chefetage drohte unverblümt mit der Schließung von Filialen, Ausgliederung von ganzen Abteilungen und der Umstrukturierung der Gesellschaften zum Nachteil der Beschäftigten, berichtet Der Spiegel.

 

Obwohl die meisten Beschäftigten inzwischen zähneknirschend unterschrieben haben, gibt es immer noch etliche Kolleginnen und Kollegen, die dem Druck standhalten und sich gegen neue Verträge wehren. Laut Aldi-Nord sollen über 34 000 der knapp 36 000 Mitarbeiter neue Arbeitsverträge haben, berichtet die NRZ. Unbeugsame Beschäftigte bei Aldi-Nord haben sich inzwischen vernetzt. Sie nennen sich „Die Dissidenten“ und setzen sich gerichtlich gegen die Einführung schlechterer Arbeitsbedingungen zur Wehr.

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