Aldi Nord: Klassenkampf von oben

Mit rüden Metho­den ver­sucht Aldi Nord, sei­nen Ange­stell­ten neue Arbeits­ver­trä­ge auf­zu­zwin­gen, doch es gibt auch „Dis­si­den­ten”. Dar­über berich­tet die­se Woche Der Spie­gel.

 

Wer bei Aldi schuf­tet, hat einen stres­si­gen Job, leis­tet regel­mä­ßig Über­stun­den, ver­dient im Ver­gleich gegen­über Beschäf­tig­ten bei ande­ren Dis­coun­tern jedoch etwas mehr. Denn Aldi-Nord zahlt Tarif­löh­ne plus 13. Monats­ge­halt, ver­mö­gens­wirk­sa­me Leis­tun­gen, einen Fahr­geld­zu­schuss und eine monat­li­che Zula­ge von min­des­tens 100 Euro. Doch die Zula­ge gibt es nicht umsonst. Als Gegen­leis­tung ver­langt Aldi von sei­nem Ver­kaufs­per­so­nal drei und von Fili­al­lei­ter-innen sogar 7,5 Über­stun­den pro Woche. Für die Eigen­tü­mer des Dis­coun­ters läuft der Laden bes­tens.  13,5 Mil­li­ar­den Euro Brut­to­um­satz im ver­gan­ge­nen Jahr, gut sechs Pro­zent mehr als im Vor­jahr, erwirt­schaf­te­ten die Beschäf­tig­ten in 2.250 Filia­len des Dis­coun­ters.

 

Nun will das Manage­ment den fast 36.000 Beschäf­tig­ten neue Arbeits­ver­trä­ge auf­zwin­gen, zu erheb­lich schlech­te­ren Kon­di­tio­nen: Arbeit auf Abruf statt gere­gel­te Arbeits­zei­ten, Arbeits­be­ginn ab 4 Uhr nachts statt 6 Uhr mor­gens wie bis­her. Arbeits­schluss soll statt um 21 Uhr erst um 23 Uhr sein. Fili­al­lei­ter sol­len nicht mehr Teil­zeit arbei­ten kön­nen, auch wenn das dem Arbeits­zeit­ge­setz wider­spricht. Da dies bei den Beschäf­tig­ten nicht gut ankommt, haben sich Aldi-Mana­ger etwas ganz Beson­de­res aus­ge­dacht, um ihr Vor­ha­ben durch­zu­set­zen. Sie ver­spre­chen, nun end­lich die elek­tro­ni­sche Zeit­er­fas­sung ein­zu­füh­ren, aller­dings nur, wenn 90 Pro­zent der Beleg­schaft die neu­en Ver­trä­ge unter­schreibt. Die Stem­pel­uh­ren sind bei den Beschäf­tig­ten popu­lär, weil damit Über­stun­den auto­ma­tisch erfasst und ver­gü­tet wer­den müs­sen.

 

Doch es blieb nicht bei die­sem Erpres­sungs­ver­such. Man­che Mana­ger droh­ten mit der Schlie­ßung von Filia­len, soll­ten die Ange­stell­ten die neu­en Ver­trä­ge nicht akzep­tie­ren. Wer offen gegen die­ses Hor­ror­pro­gramm auf­be­gehrt, wird offen­sicht­lich sys­te­ma­tisch fer­tig­ge­macht, berich­tet Der Spie­gel. So zitiert das Blatt eine Markt­lei­te­rin aus Ost­west­fa­len, der ihre Filia­le mehr­fach mit gan­zen LKW-Ladun­gen beschä­dig­ter und abge­lau­fe­ner Ware zuge­müllt wur­de, weil sie sich gegen die Plä­ne des Manage­ments zur Wehr setz­te. Ihr Ver­kaufs­lei­ter droh­te sogar mit Kün­di­gung, ande­ren wur­de mit Abmah­nun­gen gedroht, soll­ten sie sich wider­set­zen. Ande­re Vor­ge­setz­te setz­ten auf Schi­ka­nen und teil­ten Ange­stell­te, die sich wei­ger­ten, die Unter­schrift zu leis­ten, nur noch zur Früh­schicht ein, damit sie kei­ne Spät­schicht­zu­la­ge mehr erhiel­ten. Betriebs­rä­te, die sich gegen den Abschuss einer neu­en Betriebs­ver­ein­ba­rung wehr­ten, in der die Wün­sche des Manage­ments fest­ge­schrie­ben wer­den, gerie­ten erheb­lich unter Druck. Die Chef­eta­ge droh­te unver­blümt mit der Schlie­ßung von Filia­len, Aus­glie­de­rung von gan­zen Abtei­lun­gen und der Umstruk­tu­rie­rung der Gesell­schaf­ten zum Nach­teil der Beschäf­tig­ten, berich­tet Der Spie­gel.

 

Obwohl die meis­ten Beschäf­tig­ten inzwi­schen zäh­ne­knir­schend unter­schrie­ben haben, gibt es immer noch etli­che Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen, die dem Druck stand­hal­ten und sich gegen neue Ver­trä­ge weh­ren. Laut Aldi-Nord sol­len über 34 000 der knapp 36 000 Mit­ar­bei­ter neue Arbeits­ver­trä­ge haben, berich­tet die NRZ. Unbeug­sa­me Beschäf­tig­te bei Aldi-Nord haben sich inzwi­schen ver­netzt. Sie nen­nen sich „Die Dis­si­den­ten“ und set­zen sich gericht­lich gegen die Ein­füh­rung schlech­te­rer Arbeits­be­din­gun­gen zur Wehr.