Foodora will Betriebsrat in Münster verhindern

Foodora-Fahrer in Münster auf dem Prinzipalmarkt.

Die Fah­rer-innen des Essens­lie­fer­diens­tes Foo­do­ra wol­len in Müns­ter einen Betriebs­rat grün­den, berich­tet die Online-Platt­form www.wiedertaefer.ms. Doch das Unter­neh­men wehrt sich mit Hän­den und Füßen. Jetzt muss das Arbeits­ge­richt ent­schei­den.

Car­lot­ta R., Lukas N. und Joscha M. arbei­ten seit Anfang 2017 für Foo­do­ra in Müns­ter. Das Trio woll­te im Früh­jahr einen Betriebs­rat grün­den und hol­te sich dafür Unter­stüt­zung bei der Gewerk­schaft Nah­rung Genuss­mit­tel Gast­stät­ten (NGG). Der Hin­ter­grund ihres Vor­sto­ßes: Die intrans­pa­ren­te Schicht­pla­nung, das Ver­hal­ten bei Unfäl­len, der Ersatz von Ver­schleiß­tei­len an den Fahr­rä­dern – die den Fah­rern gehö­ren – oder die Säu­be­rung der Trans­port­ruck­sä­cke, die nicht als Arbeits­zeit ange­rech­net wird.

Die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit den Fah­rer-innen läuft fast aus­schließ­lich per Mail, häu­fig kämen Stan­dard­ant­wor­ten zurück, sagt Joscha. “Bei einem Pro­blem wie einem Arbeits­un­fall ist das nicht gut”, ergänzt Car­lot­ta. “Da haben wir uns gedacht, dass wir unse­rer Stim­me mehr Gewicht ver­lei­hen müs­sen.”

Die Gewerk­schaft NGG for­der­te Foo­do­ra auf, den rund 70 Beschäf­tig­ten am Stand­ort Müns­ter die Ein­la­dung zur Betriebs­ver­samm­lung zuzu­stel­len, auf der ein Wahl­vor­stand gewählt wer­den soll­te. Doch das Unter­neh­men wei­ger­te sich. Die Begrün­dung: Der Stand­ort Müns­ter sei kei­ne eigen­stän­di­ge Betriebs­stät­te. Ein Betriebs­rat des­halb nicht vor­ge­schrie­ben. Das sieht NGG-Gewerk­schafts­se­kre­tär Piet Mey­er anders. “Zu Zei­ten Ade­nau­ers war nicht abseh­bar, dass es ein­mal sol­che vir­tu­el­le Orga­ni­sa­tio­nen geben wür­de, die über Apps gesteu­ert wer­den”, meint er.

Kei­ne Betriebs­stät­te, kein Betriebs­rat, so die Logik des Unter­neh­mens, das als Mitt­ler zwi­schen Restau­rants ohne eige­nen Lie­fer­dienst und den Kun­den fun­giert. Pas­send dazu sei dem Foo­do­ra-Resi­den­ten in Müns­ter gekün­digt wor­den, ver­mut­lich als Reak­ti­on auf die geplan­te Betriebs­rats­wahl, so Mey­er. Die NGG brach­te den Fall vor Gericht. Foo­do­ra erklär­te in der Güte­ver­hand­lung, die Mit­ar­bei­ter in Müns­ter hät­ten sich an den Betriebs­rats­wah­len in Köln betei­li­gen sol­len, muss­te aber ein­räu­men, das nicht kom­mu­ni­ziert zu haben.

Da die Fah­rer-innen nur befris­te­te Ver­trä­ge gibt, könn­te sich das Pro­blem mit den rebel­li­schen Kol­leg-innen in Müns­ter bis zum nächs­ten Gerichts­ter­min Anfang Dezem­ber fast von selbst erle­di­gen. Die Beschäf­tig­ten soll­ten so klein gehal­ten wer­den. Wert­schät­zung sehe anders aus, meint Mey­er.

Josch ver­mu­tet hin­ter der unnach­gie­bi­gen Hal­tung noch ein ande­res Motiv: “Wir sind die ers­te Stadt ohne Büro. Ich den­ke, dass sie schau­en wol­len, wie das Gericht ent­schei­det.” Tat­säch­lich könn­te Foo­do­ra in ande­ren Städ­ten dann ähn­lich ver­fah­ren, um Betriebs­rä­te zu ver­hin­dern.

Am 3. Dezem­ber, 12 Uhr, ent­schei­det das Arbeits­ge­richt Müns­ter über die Kla­ge der Beschäf­tig­ten.