Schreiner und Partner übernimmt Verhandlungsführung im...

Die Beschäf­tig­ten des Bas­su­mer Metall­be­triebs haben die Nase voll von unglei­chen Löh­nen und der 40-Stun­den-Woche satt, berich­tet die IG Metall. Sie for­dern einen fai­ren Tarif­ver­trag. Aber die Geschäfts­füh­rung lehnt das ab, hat die berüch­tig­te Kanz­lei Schrei­ner und Part­ner als Ver­hand­lungs­füh­rer enga­giert und setzt die Beleg­schaft unter Druck. Doch die Beschäf­tig­ten des Rohr­her­stel­lers sind nach Ein­schät­zung der Gewerk­schaft streik­be­reit.

 

 

Seit Som­mer 2018 haben IG Metall und Geschäfts­füh­rung bereits sechs Mal mit­ein­an­der ver­han­delt. Das Ziel: KMH soll die die Flä­chen­ta­rif­ver­trä­ge der IG Metall für das metall­ver­ar­bei­ten­den Hand­wer­kes in Nie­der­sach­sen aner­ken­nen. Denn bis­her ent­schei­det die Geschäfts­füh­rung allein, wann es mehr Geld gibt und wie­viel. Häu­fig lie­gen gleich meh­re­re hun­dert Euro zwi­schen den Ent­gel­ten, für die glei­che Arbeit. Außer­dem gilt bei KMH die 40-Stun­den-Woche. Der Flä­chen­ta­rif­ver­trag sieht dage­gen 37 Stun­den pro Woche vor. „Unter­schied­li­che Löh­ne bei glei­cher Arbeit, schwan­ken­de Monats­ein­kom­men und über­lan­ge Arbeits­zei­ten haben die Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen dazu bewo­gen, sich zu orga­ni­sie­ren und einen Tarif­ver­trag zu for­dern”, beschreibt Mar­tin Bau­erschä­fer von der IG Metall Nien­burg-Stad­tha­gen, die Situa­ti­on.

Anfangs lie­fen die Ver­hand­lun­gen zwi­schen der IG Metall und der Geschäfts­füh­rung gut. Ein mög­li­cher Tarif­ver­trag soll­te stu­fen­wei­se ein­ge­führt wer­den, die Ent­gel­te schritt­wei­se an das Niveau des Flä­chen­ta­rif­ver­trags ange­ho­ben und die Arbeits­zeit abge­senkt wer­den. Rück­wir­kend zum 1. Juli 2018 soll­te der ers­te Anpas­sungs­schritt erfol­gen. In einem ers­ten schrift­li­chen Ange­bot ließ KMH-Kam­mann Metall­bau dann aber die Kat­ze aus dem Sack: Den Flä­chen­ta­rif­ver­trag soll­ten die Beschäf­tig­ten erst im Jahr 2030 zu hun­dert Pro­zent erhal­ten. Ein Stu­fen­plan über zwölf Jah­re war für die Mit­glie­der der IG Metall nicht ver­hand­lungs­fä­hig. Am 20. Novem­ber tra­ten sie erst­mals in der Fir­men­ge­schich­te in den Warn­streik. Über 100 Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen betei­lig­ten sich.

Der Druck der Beschäf­tig­ten zeig­te Wir­kung. In der fol­gen­den Ver­hand­lung beweg­te sich die Geschäfts­füh­rung. Doch die ent­schei­den­de Unter­schrift blieb aus. „Man kön­ne sich heu­te nicht end­gül­tig fest­le­gen”. So been­de­te die Geschäfts­füh­rung die Ver­hand­lung.

Warn­streik für Tarif­ver­trag: KMH-Kam­mann Metall­bau in Bas­sum. Foto: Mar­kus Wen­te

 

 

Und dann wur­de der Umgangs­ton plötz­lich wur­de rau­er. KMH tausch­te den Ver­hand­lungs­füh­rer aus: Die als „Uni­on Bus­ter” (Gewerk­schafts­jä­ger) bekann­te Rechts­an­walts­kanz­lei „Schrei­ner und Part­ner” über­nahm das Ruder. „Der gesam­te Pro­zess ist sei­tens der Geschäfts­füh­rung nur auf ein Ziel aus­ge­legt: Ver­mei­dung eines Tarif­ver­tra­ges”, meint Mar­kus Wen­te, Ver­hand­lungs­füh­rer der IG Metall. „Die Kanz­lei Schrei­ner und Part­ner soll hier­zu den Weg berei­ten.”

Was nun folg­te, ist wie aus dem Uni­on-Bus­ting-Lehr­buch: Ein­zel­ge­sprä­che mit den Beschäf­tig­ten, Grup­pen­in­for­ma­tio­nen über meh­re­re Stun­den, Aus­hän­ge.  Den Betriebs­rä­ten wur­de ver­bo­ten Logos der IG Metall zu ver­wen­den. Den Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen wur­de mit Abmah­nun­gen gedroht, wenn sie sich beim Betriebs­rat infor­mie­ren und dafür ihren Arbeits­platz ver­las­sen. Warn­strei­ken­de wur­den auf „schwar­zen Lis­ten” ver­merkt und ein Streik­bre­cher ris­kier­te gar Leib und Leben der Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen, indem er mit einem LKW ohne Vor­war­nung die Streik­pos­ten durch­brach.

Dann ins­sze­nier­te die Geschäfts­füh­rung eine schrift­li­che Abstim­mung unter den Beschäf­tig­ten. Sie sol­len ent­schei­den, ob sie einen Tarif­ver­trag mit der IG Metall wol­len, oder doch lie­ber eine Ver­ein­ba­rung zwi­schen der Geschäfts­füh­rung und einer von KMH ein­ge­setz­ten Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung — die dann frei­lich kei­ne ech­ten gesetz­li­chen Mit­be­stim­mungs­rech­te hät­te.

„Das ist typisch für die Kanz­lei Schrei­ner und Part­ner”, erklärt Mar­kus Wen­te. „Betriebs­rä­te sol­len mit arbeit­ge­ber­freund­li­chen Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tun­gen aus­ge­he­belt und die Gewerk­schaft aus dem Haus gedrängt wer­den. Das wäre fak­tisch die Abschaf­fung der gesetz­lich garan­tier­ten Mit­be­stim­mung und Demo­kra­tie im Betrieb. Dies ist mit der IG Metall nicht zu machen.”

 

 

Ende Janu­ar ist eine wei­te­re Ver­hand­lung geplant — mit Schrei­ner und Part­ner am Tisch und damit im Aus­gang völ­lig offen.

„Die Geschäfts­füh­rung wäre gut bera­ten, die Anwäl­te von Schrei­ner und Part­ner vom Hof zu jagen”, appel­liert Wen­te. „Uni­on-Bus­ting Metho­den, um demo­kra­ti­sche Rech­te abzu­bau­en, haben nichts mit einer ver­trau­ens­vol­len Zusam­men­ar­beit und Demo­kra­tie im Betrieb zu tun.”

Die nächs­ten Wochen wer­den ent­schei­dend sein bei KMH Kam­mann Metall­bau in Bas­sum. Die For­de­rung der IG Metall-Mit­glie­der bleibt bestehen: ein rechts­si­che­rer und fai­rer Tarif­ver­trag muss her. Not­falls auch mit Streik.