Bauhaus in Bedrängnis

Pro­test gegen Schi­ka­nen und Mob­bing in Wit­ten – Der Kon­zern erlei­det wie­der ein­mal eine emp­find­li­che Nie­der­la­ge vor Gericht

Am Frei­tag pro­tes­tier­ten vor der Wit­te­ner Filia­le ein Dut­zend Bau­haus-Beschäf­tig­te gegen Schi­ka­nen und Mob­bing durch Vor­ge­setz­te und for­der­ten mehr Respekt, Wert­schät­zung, Ent­ge­gen­kom­men bei der Dienst­plan­ge­stal­tung und Gesund­heits­schutz für alle.

Tat­säch­lich sind bei Bau­haus Ein­schüch­te­rung, Schi­ka­nen, Ungleich­be­hand­lung und die sys­te­ma­ti­sche Bekämp­fung gewerk­schaft­lich akti­ver Beschäf­tig­ter und die Behin­de­rung von Betriebs­rä­ten an der Tages­ord­nung. Betriebs­rats­wah­len wer­den sys­te­ma­tisch ver­hin­dert oder beein­flusst, gewerk­schaft­lich akti­ve Beschäf­tig­te gemobbt, Betriebs­rä­te durch Abmah­nun­gen, Kür­zung von Gehäl­tern und jah­re­lan­ge Rechts­strei­tig­kei­ten unter Druck gesetzt oder mit unhalt­ba­ren Vor­wür­fen vor die Tür gesetzt. In vie­len Filia­len herrscht ein Kli­ma der Angst. Die Fol­gen sind Unzu­frie­den­heit und Frust, hohe Fluk­tua­ti­on, erhöh­te Kran­ken­stän­de auf­grund der enor­men psy­chi­schen Belas­tun­gen am Arbeits­platz und ein chro­ni­scher Per­so­nal­man­gel, ein fata­ler Teu­fels­kreis, kla­gen Beschäf­tig­te. Dage­gen hilft nur eins, sagen die Wit­te­ner Kol­le­gen: Soli­da­ri­tät. Des­halb trotz­ten sie am Frei­tag Wind und Wet­ter und gin­gen auf die Stra­ße.

 

Das Bei­spiel Wit­ten zeigt, es gibt auch Gegen­wehr bei Bau­haus. Auch in ande­ren Filia­len enga­gie­ren sich Beschäf­tig­te für die Mit­be­stim­mung und setz­ten sich für die Inter­es­sen ihren Kolleg*innen ein. 2009 präg­ten Bau­haus-Mana­ger das Unwort des Jah­res, indem sie Filia­len, wo Betriebs­rä­te exis­tier­ten, als „betriebs­rats­ver­seucht” bezeich­ne­ten. In dem Jahr waren in Stutt­gart kurz nach der Eröff­nung von zwei Märk­ten über drei­ßig Mit­ar­bei­ter-innen ent­las­sen wor­den, um die Wahl der betrieb­li­chen Inter­es­sen­ver­tre­tung zu ver­hin­dern. Das lös­te einen Sturm der Ent­rüs­tung aus. 2013 führ­te die Kün­di­gung einer Betriebs­rä­tin bei Bau­haus in Mann­heim-Wald­hof zu einer brei­ten Pro­test­be­we­gung. Zahl­rei­che Betriebs­rä­te, Gewerk­schaf­ten und poli­ti­sche Orga­ni­sa­tio­nen der Stadt soli­da­ri­sier­ten sich, um den Angriff auf den Betriebs­rat zurück­zu­wei­sen. 2015 muss­te Bau­haus Wit­ten die Kün­di­gung der stell­ver­tre­ten­den Betriebs­rats­vor­sit­zen­den zurück­neh­men. Auf einer vom Betriebs­rat eilig ein­be­ru­fe­nen Betriebs­ver­samm­lung tru­gen zahl­rei­che Beschäf­tig­te demons­tra­tiv einen Sti­cker mit der Auf­schrift „I love Bian­ca“, dem Namen der gekün­dig­ten Kol­le­gin, und mach­ten damit unmiss­ver­ständ­lich klar, auf wel­cher Sei­te sie stan­den. Der Kon­flikt schlug hohe Wel­len. In meh­re­ren Bau­haus-Filia­len tauch­ten Flug­blät­ter gegen Bos­sing auf. Auch über die Akti­on am Frei­tag berich­te­te die WAZ.

 

In Kre­feld wehrt sich eine enga­gier­te Betriebs­rä­tin seit mehr als einem Jahr gegen ihre Kün­di­gung und bekam letz­te Woche vom Bun­des­ar­beits­ge­richt Recht. Das Arbeits­ge­richt Kre­feld hat­te die Kün­di­gung der Kol­le­gin bereits im Mai letz­ten Jah­res für rechts­wid­rig erklärt. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf hat­te die Beru­fung gegen das Urteil zurück­ge­wie­sen und die Revi­si­on vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt nicht zuge­las­sen. Obwohl das Gericht die Betriebs­rä­tin dräng­te, einem Ver­gleich zuzu­stim­men und mit einer Abfin­dung den Betrieb zu ver­las­sen, bestand die Kol­le­gin dar­auf, in den Bau­markt zurück­zu­keh­ren. Schließ­lich hat­te sie nur ihren Job als Mit­glied des Betriebs­rats gemacht. Bau­haus schei­ter­te nun auch mit der Kla­ge beim Bun­des­ar­beits­ge­richt auf Zulas­sung der Revi­si­on. Das Arbeits­ge­richt Kre­feld ver­ur­teil­te Bau­haus jetzt dazu, die Klä­ge­rin wie­der­ein­zu­stel­len und ihr den seit Dezem­ber 2017 nicht gezahl­ten Lohn nach­zu­zah­len. Ihr Mut und ihre Stand­haf­tig­keit könn­te ein Bei­spiel sein, dass Schu­le macht und könn­te ande­re Beschäf­ti­ge ermu­ti­gen, für ihre Inter­es­sen zu kämp­fen.

 

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