Bauhaus in Bedrängnis

19. März 2019

Protest gegen Schikanen und Mobbing in Witten – Der Konzern erleidet wieder einmal eine empfindliche Niederlage vor Gericht

Am Freitag protestierten vor der Wittener Filiale ein Dutzend Bauhaus-Beschäftigte gegen Schikanen und Mobbing durch Vorgesetzte und forderten mehr Respekt, Wertschätzung, Entgegenkommen bei der Dienstplangestaltung und Gesundheitsschutz für alle.

Tatsächlich sind bei Bauhaus Einschüchterung, Schikanen, Ungleichbehandlung und die systematische Bekämpfung gewerkschaftlich aktiver Beschäftigter und die Behinderung von Betriebsräten an der Tagesordnung. Betriebsratswahlen werden systematisch verhindert oder beeinflusst, gewerkschaftlich aktive Beschäftigte gemobbt, Betriebsräte durch Abmahnungen, Kürzung von Gehältern und jahrelange Rechtsstreitigkeiten unter Druck gesetzt oder mit unhaltbaren Vorwürfen vor die Tür gesetzt. In vielen Filialen herrscht ein Klima der Angst. Die Folgen sind Unzufriedenheit und Frust, hohe Fluktuation, erhöhte Krankenstände aufgrund der enormen psychischen Belastungen am Arbeitsplatz und ein chronischer Personalmangel, ein fataler Teufelskreis, klagen Beschäftigte. Dagegen hilft nur eins, sagen die Wittener Kollegen: Solidarität. Deshalb trotzten sie am Freitag Wind und Wetter und gingen auf die Straße.

 

Das Beispiel Witten zeigt, es gibt auch Gegenwehr bei Bauhaus. Auch in anderen Filialen engagieren sich Beschäftigte für die Mitbestimmung und setzten sich für die Interessen ihren Kolleg*innen ein. 2009 prägten Bauhaus-Manager das Unwort des Jahres, indem sie Filialen, wo Betriebsräte existierten, als „betriebsratsverseucht” bezeichneten. In dem Jahr waren in Stuttgart kurz nach der Eröffnung von zwei Märkten über dreißig Mitarbeiter-innen entlassen worden, um die Wahl der betrieblichen Interessenvertretung zu verhindern. Das löste einen Sturm der Entrüstung aus. 2013 führte die Kündigung einer Betriebsrätin bei Bauhaus in Mannheim-Waldhof zu einer breiten Protestbewegung. Zahlreiche Betriebsräte, Gewerkschaften und politische Organisationen der Stadt solidarisierten sich, um den Angriff auf den Betriebsrat zurückzuweisen. 2015 musste Bauhaus Witten die Kündigung der stellvertretenden Betriebsratsvorsitzenden zurücknehmen. Auf einer vom Betriebsrat eilig einberufenen Betriebsversammlung trugen zahlreiche Beschäftigte demonstrativ einen Sticker mit der Aufschrift „I love Bianca“, dem Namen der gekündigten Kollegin, und machten damit unmissverständlich klar, auf welcher Seite sie standen. Der Konflikt schlug hohe Wellen. In mehreren Bauhaus-Filialen tauchten Flugblätter gegen Bossing auf. Auch über die Aktion am Freitag berichtete die WAZ.

 

In Krefeld wehrt sich eine engagierte Betriebsrätin seit mehr als einem Jahr gegen ihre Kündigung und bekam letzte Woche vom Bundesarbeitsgericht Recht. Das Arbeitsgericht Krefeld hatte die Kündigung der Kollegin bereits im Mai letzten Jahres für rechtswidrig erklärt. Das Landesarbeitsgericht Düsseldorf hatte die Berufung gegen das Urteil zurückgewiesen und die Revision vor dem Bundesarbeitsgericht nicht zugelassen. Obwohl das Gericht die Betriebsrätin drängte, einem Vergleich zuzustimmen und mit einer Abfindung den Betrieb zu verlassen, bestand die Kollegin darauf, in den Baumarkt zurückzukehren. Schließlich hatte sie nur ihren Job als Mitglied des Betriebsrats gemacht. Bauhaus scheiterte nun auch mit der Klage beim Bundesarbeitsgericht auf Zulassung der Revision. Das Arbeitsgericht Krefeld verurteilte Bauhaus jetzt dazu, die Klägerin wiedereinzustellen und ihr den seit Dezember 2017 nicht gezahlten Lohn nachzuzahlen. Ihr Mut und ihre Standhaftigkeit könnte ein Beispiel sein, dass Schule macht und könnte andere Beschäftige ermutigen, für ihre Interessen zu kämpfen.

 

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