Bossing bei Syncreon – Gesamtbetriebsratsvorsitzender fristlos gekündigt

Die Beschäf­tig­ten sind ent­setzt, der Logis­tik-Kon­zern Syn­creon, für den in Deutsch­land in sechs Logis­tik-Zen­tren über 1.500 Mitarbeiter*innen arbei­ten, will den Betriebs­rats­vor­sit­zen­den des Stand­orts Bre­men und Vor­sit­zen­den des Gesamt­be­triebs­rats vor die Tür set­zen. „Die IG Metall for­dert die Rück­nah­me der Kün­di­gung des akti­ven Gewerk­schaf­ters, der sich kon­se­quent für die Rech­te der Beschäf­tig­ten ein­setzt“, sagt Vol­ker Stah­mann, Ers­ter Bevoll­mäch­tig­ter der IG Metall Bre­men. Die Gewerk­schaft steht hin­ter dem Betriebs­rat, bie­tet Rechts­schutz und sam­melt Unter­schrif­ten gegen die Kün­di­gung des enga­gier­ten Kol­le­gen.

 

Bos­sing ist bei Syn­creon nichts Neu­es. Über hun­dert Gerichts­ver­fah­ren muss­ten Syn­creon-Betriebs­rä­te in den letz­ten vier Jah­ren füh­ren. Die Gewerk­schaft und die Mit­be­stim­mungs­rech­te der Beleg­schaft sind für das Manage­ment ein Rotes Tuch. Betriebs­rä­te wer­den nach allen Regeln gemobbt, schi­ka­niert und fer­tig­ge­macht, um sie zur Auf­ga­be zu zwin­gen. Statt ihre Arbeit anzu­er­ken­nen, wer­den sie mit Lohn­ab­zug bestraft, mit Abmah­nun­gen über­zo­gen, schlecht­ge­macht und mit an den Haa­ren her­bei­ge­zo­ge­nen Vor­wür­fen beschäf­tigt. Der Kon­zern lässt sich sei­ne betriebs­rats- und gewerk­schafts­feind­li­che Betriebs­po­li­tik eini­ges kos­ten und wird von einem gan­zen Heer von Anwäl­ten der berüch­tig­ten Kanz­lei Hogan Lovells, Düs­sel­dorf, bera­ten. Die Kanz­lei hat­te bereits ver­sucht, den Betriebs­rat des Wind­kraft­an­la­gen­bau­ers Ener­con fer­tig­zu­ma­chen.

Dabei lau­fen die Geschäf­te des Logis­tik­kon­zerns Syn­er­con, für den welt­weit über 12.000 Beschäf­tig­te arbei­ten, auch in Deutsch­land präch­tig. Syn­creon Deutsch­land ist dar­auf spe­zia­li­siert, Tei­le für die glo­ba­le Pro­duk­ti­ons­ket­te der Auto­mo­bil­in­dus­trie zu ver­pa­cken und zu ver­schif­fen. Die Deutsch­land GmbH konn­te ihren Umsatz zum 31. Dezem­ber 2016 um 14 Pro­zent gegen­über dem Vor­jahr auf 125,1 Mil­lio­nen Euro stei­gern. Die Kehr­sei­te die­ses Erfolgs: Betriebs­rä­te kla­gen über hohe Arbeits­be­las­tun­gen der Beleg­schaft, schlech­te Arbeits­be­din­gun­gen, hohe Kran­ken­stän­de, Ver­tu­schung von Arbeits­un­fäl­len und den Ein­satz von Leiharbeiter*innen. Sie wer­den oft­mals von heu­te auf mor­gen vor die Tür gesetzt.

 

Die Kün­di­gung des Betriebs­rats­vor­sit­zen­den ist eine offe­ne Kampf­an­sa­ge an die gut orga­ni­sier­te Beleg­schaft und die IG Metall. Die IG Metall konn­te im ver­gan­ge­nen Jahr mit einem Warn­streik einen Haus­ta­rif­ver­trag und deut­li­che Lohn­er­hö­hun­gen durch­set­zen. Im Som­mer ver­gan­ge­nen Jah­res wur­de das Urlaubs­geld erhöht eine Ein­mal­zah­lung von 500 Euro ver­ein­bart. Es folg­te die Redu­zie­rung der Arbeits­zeit auf 38,5 Stun­den pro Woche, inklu­si­ve 20 Minu­ten bezahl­ter Pau­se. Die­ses Jahr steigt der Urlaub auf 30 Tage sowie die Jah­res­son­der­zah­lun­gen um wei­te­re drei Pro­zent. Der Kon­zern hat schon ein­mal ver­sucht, einen unbe­que­men Betriebs­rats­vor­sit­zen­den abzu­schie­ßen, den Betriebs­rats­vor­sit­zen­den von Syn­er­con, Wunstorf. Weil der Kol­le­ge sich nicht klein­krie­gen ließ und die Beleg­schaft hin­ter sich wuss­te, ging der Angriff auf die Mit­be­stim­mung voll nach hin­ten los.

Es lohnt sich durch­zu­hal­ten und nie­mals auf­zu­ge­ben, auch wenn schein­bar alle gegen dich sind. Lebe für dei­ne Visio­nen und Zie­le und las­se sie dir von nie­man­dem weg­neh­men. Nach all den Jah­ren des Kamp­fes haben wir heu­te so viel erreicht“, sagt der Wunst­dor­fer Kol­le­ge. Über sei­nem Schreib­tisch hängt ein Pla­kat von Rocky mit dem Spruch des Boxers: „Es kommt im Leben nicht dar­auf an wie viel Du aus­teilst, son­dern dar­auf, wie viel Du ein­ste­cken kannst. Wie viel du ein­ste­cken kannst und trotz­dem wei­ter­machst. Das ist es, wie man gewinnt.“

 

Wer den Vor­sit­zen­den des Gesamt­be­triebs­rats von Syn­er­con unter­stüt­zen will, kann Unter­schrif­ten gegen sei­ne frist­lo­se Kün­di­gung sam­meln. Die Vor­la­ge gibt es hier zum Unter­schrif­ten­lis­te Rai­ner Rei­sing extern. Außer­dem ruft die IG Metall zum soli­da­ri­schen Pro­zess­be­such auf. Das Arbeits­ge­richt Bre­men ver­han­delt die Kün­di­gungs­schutz­kla­ge des Kol­le­gen am 27. März um 11:30 Uhr.

Veröffentlicht in News