Prosegur missachtet Arbeitsrechte und streicht Lohnfortzahlung wegen Streik

20. März 2019

Der Kollege von Prosegur traute seinen Augen nicht, als er im Februar feststellte, dass der Arbeitgeber ihm im Januar drei Krankheitstage vom Lohn abgezogen hatte, obwohl er nicht am Streik teilgenommen hatte. Auf seiner Lohnabrechnung war für die Kalendertage 02.-04. Januar 2019 “KrankStreik“ vermerkt, obwohl er wegen Krankheit gar nicht an dem dreitätigen Streik teilnehmen konnte. Statt sich dafür zu entschuldigen verweigert Prosegur bis heute die Nachzahlung des ausstehenden Lohns.

 

„Trotz eindeutiger Rechtsprechung zur Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall während eines Arbeitskampfes missachtet die Geschäftsführung die Ansprüche des Beschäftigten und ignoriert Gesetze“, sagt Özay Tarim von der Gewerkschaft verdi. „Die Geschäftsführung handelt rechtswidrig!“ Das Bundesarbeitsgericht sei in seiner Rechtssprechung eindeutig. Ist ein Beschäftigter bereits vor Streikbeginn erkrankt und setzt sich seine Erkrankung während des Streiks fort, kann grundsätzlich nicht davon ausgegangen werden, dass er sich ohne eine Erkrankung am Streik beteiligt hätte. „Prosegur will offensichtlich die Beschäftigten abschrecken, sich zukünftig an Arbeitskämpfen zu beteiligen“, meint Tarim. Der Geschäftsführer von Prosegur stellt sich lieber taub und blieb der letzten Betriebsversammlung fern, zu der der Betriebsrat eingeladen hatte, um die betrieblichen Konfikte und die rechtswidrigen Vorgehensweisen des Arbeitgebers der letzten Monate zur Sprache zu bringen. Die Betriebsleitung in Düsseldorf hatte während des Tarifkonflikts im November eine verdi-Information über die Verstöße des Arbeitgebers gegen die gültige Betriebsvereinbarung zur Tourenplanung vom „Schwarzen Brett“ entfernt.

 

Nach einer ganzen Serie von Warnstreiks hatten die Beschäftigten im Geldtransportgewerbe um die Jahreswende deutlich höhere Löhne erkämpft. BUndesweit hatten mehrere tausend Beschäftigte die Arbeit niedergelegt. Viele Geldtransporter blieben stehen. Der Handel fürchtete bereits Bargeld-Engpässe. Der Tarifvertrag, der eine Laufzeit von zwei Jahren hat, sieht eine Anhebung der Löhne und Gehälter in zwei Stufen zwischen 7,7 und 17,1 Prozent vor. Nach Informationen von verdi hatte Prosegur in Düsseldorf und Hagen Streikbrecher eingesetzt.

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