AG Darmstadt gibt Union Buster Recht

Bei­trag vom „Komit­tee gegen BR-Mob­bing”

Vor zehn Jah­ren, am 31. Juli 2009, wur­de erst­mals im Ent­wick­lungs­zen­trum von Hyun­dai in Rüs­sels­heim ein Betriebs­rat gebil­det. Kurz danach begann das Mob­bing gegen die in der IG Metall orga­ni­sier­ten BR-Mit­glie­der.

Am 14. Mai 2014 gelang es dem Manage­ment, eine kon­zern­hö­ri­ge BR-Mehr­heit zu instal­lie­ren. Wer glaub­te, dass jetzt der Krieg gegen die IG Metal­ler im Betriebs­rat been­det wer­den wür­de, sah sich getäuscht.

Am 08. August 2019 fand nun wegen der außer­or­dent­li­chen Kün­di­gung eines schwer­be­hin­der­ten (!) IGM-Betriebs­rats von Hyun­dai ein in mehr­fa­cher Hin­sicht bemer­kens­wer­ter Kam­mer­ter­min beim Arbeits­ge­richt Darm­stadt statt. Die vom Unter­neh­mer­ver­band Hes­sen­me­tall gestell­te Rechts­ver­tre­tung von Hyun­dai hat­te zuvor dreist behaup­tet, „die betrieb­li­chen Abläu­fe sowie der Betriebs­frie­den“ wür­den durch den Kol­le­gen „mas­siv gestört bzw. gefähr­det“.

Das Komi­tee „Soli­da­ri­tät gegen BR-Mob­bing!“ orga­ni­sier­te des­halb in Koope­ra­ti­on mit der IG Metall eine Unter­stüt­zungs­ak­ti­on. 40 Kol­le­gIn­nen aus der nähe­ren und wei­te­ren Regi­on betei­lig­ten sich an einer spon­ta­nen Soli­da­ri­täts­kund­ge­bung vor dem Gerichts­ge­bäu­de in Darm­stadt.

Ein Ver­tre­ter des Komi­tees kri­ti­sier­te scharf, dass Kon­zer­ne wie Hyun­dai die Grund- und Men­schen­rech­te von Betriebs­rä­ten hier­zu­lan­de offen­bar ohne Pro­ble­me mit Füßen tre­ten kön­nen. Es sei ein Skan­dal, dass Poli­tik, Medi­en und Jus­tiz die­ses schwer­wie­gen­de Pro­blem wei­test­ge­hend igno­rier­ten. Die Gewerk­schaf­ten sei­nen mehr als bis­her gefor­dert, kon­se­quen­te und wirk­sa­me Gegen­wehr gegen die kri­mi­nel­len Angrif­fe auf ihre betrieb­lich akti­ven Kol­le­gIn­nen zu leis­ten.

Erfreu­li­cher­wei­se soli­da­ri­sier­te sich auch einer der Ver.di-Vertrauensleute-Sprecher der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Darm­stadt mit der Pro­test­ak­ti­on gegen Hyun­dai.

Im Arbeits­ge­richt reagier­te der Vor­sit­zen­de Rich­ter der für das Ver­fah­ren zustän­di­gen 7. Kam­mer, Lösch, aggres­siv auf das Erschei­nen der vie­len Besu­che­rIn­nen. Er for­der­te sie in her­ri­schem Ton auf, die roten Wes­ten des Komi­tees abzu­le­gen, und er droh­te barsch mit Kon­se­quen­zen, falls nicht ein Groß­teil der Anwe­sen­den den – viel zu klei­nen – Sit­zungs­saal wie­der ver­las­sen wür­de.

In etwa 40 Minu­ten glaub­te die Kam­mer, der außer Lösch zwei erst im Sit­zungs­aal ver­ei­dig­te Ehren­amt­li­che Rich­te­rin­nen ange­hör­ten, in die­sem kom­ple­xen Ver­fah­ren ein Urteil fäl­len zu kön­nen.

Wie schon all­zu oft in der Ver­gan­gen­heit, befass­te sich das Gericht nicht mit dem offen­sicht­li­chen Hin­ter­grund des Rechts­streits – der Gewerk­schafts­be­kämp­fung bei Hyun­dai.

Unser gekün­dig­ter Kol­le­ge wies in kla­ren Wor­ten auf die schwer­wie­gen­den gesell­schaft­li­chen Fol­gen des BR-Mob­bing bei dem süd­ko­rea­ni­schen Kon­zern hin. Die Ant­wort des Gerichts war – ein bered­tes Schwei­gen…

Wie spä­ter bekannt gewor­de­nen ist, hat die 7. Kam­mer des Darm­städ­ter Arbeits­ge­richts der Kün­di­gung des schwer­be­hin­der­ten Betriebs­rats durch Hyun­dai zuge­stimmt. Sobald die schrift­li­che Begrün­dung die­ses skan­da­lö­sen „Urteils“ vor­liegt, wer­den wir wei­ter berich­ten.

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