Metro Pakistan: Solidarität gefragt

11. März 2021

 

(gk) Die deutsche Metro A.G. ist ein multinationaler Lebensmittelgroßhändler, der in 26 Ländern auf der ganzen Welt tätig ist.

Eines dieser Länder ist Pakistan, wo die Metro-Beschäftigten seit sieben Jahren für einen Tarifvertrag kämpfen.

Die Geschäftsführung von Metro Pakistan hat eine Kampagne zur Zerschlagung der Gewerkschaft geführt, indem sie die Gewerkschaftsführer durch Abmahnungen, Kündigungen, Wechsel des Arbeitsplatzes und des Beschäftigungsstatus sowie Entlassungen eingeschüchtert und ins Visier genommen hat.

In den letzten Jahren sind mehrere Gewerkschaftsmitglieder von Metro Pakistan entlassen worden – darunter jeder einzelne gewählte Generalsekretär der Gewerkschaft seit 2013.

Zuletzt entließ Metro Tahir Mehmood, den Generalsekretär der lokalen Gewerkschaft. Tahir war seit mehr als 10 Jahren bei Metro Pakistan beschäftigt.

UNI Global Union hat eine Online-Kampagne auf LabourStart gestartet, in der Metro A.G. aufgefordert wird, Tahir wieder einzustellen, die Gewerkschaftsrechte zu respektieren und echte Verhandlungen mit der Gewerkschaft zu führen.

Bitte nehmt euch einen Moment Zeit, um den Aufruf der UNI zu unterstützen.

Und bitte teilt diese Nachricht mit euren Freund*innen und anderen Gewerkschafter*innen.

PS Auch im Nachbarland Indien ist die Metro AG seit vielen Jahren für ihre ausbeuterische Politik bekannt:

Derzeit protestieren Bauern und Gewerkschaften in Indien massenhaft gegen das Gesetzespaket zur „Förderung und Schutz von Bauern». Entgegen dem beschönigenden Titel ist das Ziel der neuen Gesetze, private Investitionen von Agrarunternehmen aus dem In- und Ausland in die Produktion, Verarbeitung, Lagerung, den Transport und die Vermarktung von Agrarprodukten zu fördern. Unter anderem sollen damit die indischen Großmärkte umgangen und Millionen von Bauern in die Vertragslandwirtschaft gezwungen werden.

Schon seit vielen Jahren machen Supermarkt-Lobbyisten Front gegen die staatlich regulierten Großmärkte. Bis auf wenige Ausnahmen sind Einzelhändler per Gesetz verpflichtet dort einzukaufen. Marktkomitees vergeben Lizenzen an Zwischenhändler. Nur dann können sie landwirtschaftliche Produkte bei den täglichen Auktionen ersteigern. Für einige Feldfrüchte wie Zwiebeln und Kartoffeln gelten dabei staatliche Mindestpreise für den Ankauf, die sie nicht unterbieten dürfen. Außerdem legt das Marktkomitee, das sich aus Lokalpolitikern, Landwirten und Händlern zusammensetzt, für sämtliche auf dem Markt gehandelte Waren aktuelle Höchstpreise für den Verkauf fest. Die Bauern sollen künftig „frei“ ihre Lebensmittel verkaufen können. Die Profiteure werden Supermarktketten und andere Aufkäufer sein, die wie hierzulande die Preise für die Produzenten immer weiter drücken. Die neuen Agrargesetze entsprechen auch den Forderungen der EU, die seit Jahren den Entwurf eines Freihandelsabkommens mit Indien in der Schublade liegen hat.

Vorreiter für den Angriff auf die staatlich regulierten Großmärkte war der deutsche Metro-Konzern. Bereits 2008 betrieb er einen eigenen Großhandelsmarkt in Kolkata. Damals regierte im Bundesstaat Westbengalen noch eine Linkskoalition, angeführt von der Communist Party of India (Marxist), kurz CPIM. Das staatliche Marktkomitee verweigerte Metro die Lizenz für den An- und Verkauf von frischen Agrarprodukten. Eine Reaktion der diplomatischen Vertretung in Kolkata ließ nicht lange auf sich warten. Der deutsche Konsul drohte öffentlich: Sollte die Regierung den Metro-Konzern durch diesen Schritt zur Schließung zwingen, würden in Westbengalen die Totenglocken für sämtliche Investitionen aus Deutschland läuten. Metro sei ein bekannter Name in Deutschland und wenn der Konzern sein Geschäft hier nicht abwickeln könnte, würden auch andere Unternehmen dem Beispiel folgen und woanders investieren. Die Drohung wirkte. Noch am gleichen Abend umging der Ministerpräsident des Bundesstaates die Entscheidung des Komitees und ordnete an, die Lizenz auszustellen.

 

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