Wer sich mit dem Thema Mobbing und Bossing befasst, weiß, dass es viel zu wenig Hilfestellung für die Betroffenen gibt. Nun hat die Deutsche Rentenversicherung einem Erfolgsmodell in Baden-Württemberg den Garaus gemacht. Dazu ist uns der Offene Brief des Ehreamtssprechers der Konflikthotline zugegangen:

Liebe Kolleginnen und Kollegen in der Beratung, liebe Ehrenamtliche,

scheinbar hat die Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg nun endgültig das AUS für unsere Konflikthotline-BW e.V. ( die auf ihrer Internetseite als Erfolgsmodell gepriesen wird Anlage 1), beschlossen. Wir Ehrenamtliche stehen momentan mit dem Rücken an der Wand, die Hauptamtlichen im Glottertal direkt am Abgrund!

Seit Jahren wird uns von Hn. Kienzle (Arbeitgeberseite der DRV-BW) mit dem finanziellen AUS gedroht…. ohne irgendeinen Grund zu nennen!! Mein Frust und Ärger hat sich deshalb die letzten Jahre enorm aufgestaut!

Seit über 10 Jahren haben wir gemeinsam eine Einrichtung und ein Netzwerk aufgebaut (mit der finanziellen Unterstützung unserer Mitglieder – DRV-BW als Hauptgeldgeber) und mit vielen Tausend Stunden von uns Ehrenamtlichen. Unsere Konflikthotline ist mittlerweile optimal vernetzt und in BW die einzige niederschwellige und anonyme Anlaufstelle…. alle Experten aus dem präventiven Bereich nennen sie unverzichtbar.

Deshalb tut mir (als Sprecher der Ehrenamtlichen) die aktuelle Situation und die eingeleitete Vernichtung eines der erfolgreichsten gemeinnützigen Vereine in BW sehr weh. Besonders auch im Hinblick auf das ehrenamtliche Engagement von 50 Berater*innen in BW (ein massiver Schlag gegen das Ehrenamt).

Die Ausbildung der 50 Ehrenamtlichen durch das Team der Hauptamtlichen im Glottertal war professionell und sehr gut! Die Betreuung der Ehrenamtlichen und die Organisation der Hotline war und ist immer noch hervorragend!

Jetzt zieht sich die Rentenversicherung plötzlich und ohne Angabe von Gründen aus der Finanzierung bzw. als Haupt-Mitglied zurück und das gesamte Konstrukt bricht zusammen!?

Es ist wohl das Recht eines jeden Mitglieds, ohne Angabe von Gründen aus einem Verein auszutreten. Bei einer Körperschaft des öffentlichen Rechts wie der DRV ist dieses Vorgehen aus meiner Sicht aber nicht nur unsozial, sondern sittenwidrig. Die DRV verstößt damit auch eindeutig gegen ihre Pflichten solche präventiv wirkenden Einrichtungen wie uns zu unterstützen. Auch die DRV-BUND befürwortet die momentane Initiative der Bundesregierung – https://inqa.de/DE/vernetzen/offensive-psychische-gesundheit/uebersicht.html !

Das, was vom Bund und auch von der DRV-BUND dringend empfohlen wird und gefördert werden soll, wird von der DRV-BW ohne Angabe von Gründen zerstört!

Am 15. und 16. April 2021 konnte ich am Dialogforum https://inqa.de/DE/vernetzen/offensive-psychische-gesundheit/opg-dialogforum/uebersicht.html teilnehmen. Bei dieser Veranstaltung wurde von Frau Gross (Direktorin DRV-BUND in Berlin) das Gegenteil von dem propagiert, was momentan bei der DRV-BW abläuft.

WAS HABEN WIR FALSCH GEMACHT?

1. Was haben wir Ehrenamtlichen in den letzten 12 Jahren falsch gemacht?

2. Was haben unsere Hauptamtlichen in den letzten Jahren falsch gemacht?

3. Wo liegen die Gründe für die Vernichtung der Konflikthotline-BW e.V. ??

4. Was hätten wir in der niederschwelligen und anonymen Erstberatung anders bzw. besser machen sollen?

5. Was war beim Aufbau unseres Netzwerkes (landesweit) falsch?…an der Einbindung von Experten, an der Weitergabe der Betroffenen auf ihren eigenen Wunsch an wohnortnahe Beratungsstellen und Betreuungsangebote.

6. Was war falsch daran, dass wir in jedem Jahr viele Betroffene betreut und begleitet haben, damit sie nicht in die Berufsunfähigkeit und Frühverrentung kamen, sondern wieder im Arbeitsleben integriert wurden?? Wir haben dadurch in jedem Jahr einen hohen 6-stelligen Betrag der Rentenversicherung an Kosten für Frühverrentung gespart!!

7. WAS HÄTTEN WIR ANDERS UND BESSER MACHEN SOLLEN aus Sicht der DRV BW ?

Warum erhalten wir bis heute keine Antworten auf diese berechtigten Fragen?

Unsere Wirtschaftsministerin hat mir in einem Schreiben die weitere Unterstützung der Konflikthotline signalisiert …aber ohne den Mitgliedsbeitrag der DRV-BW (90.000,-€) reicht es finanziell nicht für die Deckung der Kosten. Auch die REHA-Zentren ziehen sich zurück.

Ich persönlich bin davon überzeugt, dass es für die Ehrenamtlichen weiter geht…. unter welchen Voraussetzungen…unter welcher Trägerschaft ???… wird die Zukunft zeigen.

Mein bisheriger Kampf für den Erhalt der Konflikthotline war ein Kampf gegen Windmühlen! Die erhoffte Unterstützung vom DGB, der ja den Gegenpart im Vorstand der Rentenversicherung bildet, blieb aus. Unbequeme Fragesteller wie ich wurden systematisch ignoriert und dumm gehalten.

Das, was hier momentan schief läuft, kann ich nur als Skandal bezeichnen. Wir werden über nichts was im „Geheimbund- DRV-BW / DGB“ hintenrum entschieden wird informiert. Ich bin deshalb auch nicht bereit, in der Verwaltungsratssitzung am 6.Mai für die Entlassung unserer Hauptamtlichen im Glottertal zu stimmen…wie von mir verlangt!

Solche miesen Spielchen mache ich nicht mit und ziehe deshalb in dieser aktuellen Situation für mich die Reißleine… auch zum Schutz meiner eigenen Gesundheit!

Hiermit lege ich mit sofortiger Wirkung mein Amt als Sprecher der Ehrenamtlichen nieder, damit verbunden ebenfalls mein Amt im Verwaltungsrat und im Expertenrat der Konflikthotline-BW!

Ich wünsche den Hauptamtlichen alles Gute für ihre Zukunft und vor Allem einen künftigen Arbeitgeber, der respektvoller und wertschätzender mit ihnen umgeht (die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers ist aus meiner persönlichen Erfahrung für viele Arbeitgeber ein Fremdwort, aber aus meiner Sicht auch besonders für Gewerkschafter gültig und eine wichtige Basis für GESUNDE ARBEIT)! Ihr Hauptamtlichen habt eine hervorragende Arbeit geleistet und ich war sehr gerne in Eurem TEAM.

Euch, liebe ehrenamtliche Kolleginnen und Kollegen wünsche ich ebenfalls das Beste für die Zukunft. Ich würde mich freuen, wenn wir in Kontakt bleiben könnten, meine Aktivitäten (in meinem Verein, meinen Selbsthilfegruppen und der Beratungsstelle in Balingen) werde ich weiter intensivieren – meine Kontaktdaten habt ihr!

Bei Fragen stehe ich jederzeit zur Verfügung!

Herzliche Grüße an EUCH ALLE, passt bitte gut auf Euch auf und bleibt gesund!

Heinz Weisser

Vorsitzender Anti-Mobbing-Zollernalb e.V. u. Burnout-Hilfe-Zollernalb