29. Januar 2026

Betriebsräte in den Einzelhandel!

Zwischen Personalmangel und Kontrolle: das prägt heute das Arbeiten im
Einzelhandel. Egal ob bei Rewe, Edeka, Kaufland, DM,
H&M oder Marktkauf – Beschäftigte berichten von immer weniger
Personal, steigenden Anforderungen und wachsendem Druck. Diese
Entwicklung ist kein Zufall, sondern Ergebnis von Entscheidungen der
Arbeitgeber und Geschäftsführungen.
Stellen bleiben unbesetzt, obwohl Arbeit mehr als genug da ist. Die
Folgen tragen die Beschäftigten: Überlastung, Überstunden, Krankheit.
Wer bleibt, muss mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen. Stress wird
zur Normalität.
Besonders dramatisch ist die Situation für Auszubildende. Viele sind
bereits Monate vor ihren Abschlussprüfungen verzweifelt. Statt
Ausbildung erleben sie Dauerstress. Sie werden von Abteilung zu
Abteilung geschickt, springen als Ersatz für fehlende Arbeitskräfte ein
und sollen überall funktionieren. Ausbildungsinhalte bleiben liegen, Zeit
zum Lernen fehlt. Viele Auszubildende denken kurz vor dem
Abschluss über Kündigung nach – nicht aus mangelnder Motivation,
sondern weil sie sich allein gelassen fühlen und Angst haben, die
Prüfungen nicht zu schaffen. Auszubildende verkommen so zu billigen
Arbeitskräften.
Gleichzeitig wächst die Unsicherheit. Filialschließungen,
Umstrukturierungen und Privatisierungen werden oft vorbereitet, ohne
die Beschäftigten frühzeitig einzubeziehen. Entscheidungen fallen
hinter verschlossenen Türen. Informationen kommen spät oder gar
nicht. Diese Unsicherheit erzeugt Druck und ist Teil einer bewussten
Unternehmenspolitik.
Wo der Druck steigt, nimmt auch die Kontrolle zu. Pausen, Gespräche
unter Kolleginnen und Kollegen oder kleinste Abweichungen vom
Ablauf geraten stärker in den Fokus. Führungskräfte stehen selbst unter Druck.

Manche geben ihn weiter, andere verlieren Aufgaben
oder Perspektiven, wenn sie nicht mitziehen. Wer funktioniert, wird
belohnt. Wer widerspricht, gilt schnell als unbequem.

An all diesen Stellen sind aktive Betriebsräte wichtig: Betriebsräte fragen nach, fordern
Transparenz, setzen sich für Beschäftigte und Auszubildende ein. Sie
begrenzen Willkür und machen Entscheidungen sichtbar. Das passt
nicht zu Geschäftsmodellen, die allein auf Kostensenkung und
Kontrolle setzen.
Bessere Arbeit fällt nicht vom Himmel – sie wird gemeinsam
durchgesetzt.