(gk) Am 3.März wird bei Siemens-Energy in Erlangen ein neuer Betriebsrat gewählt. Isabella Paape, die Spitzenkandidatin der Liste „Gemeinsam aktiv“, muss dabei ihren Wahlkampf unter widrigsten Bedingungen führen: Nachdem ihr im November mit Zustimmung der Betriebsratsmehrheit gekündigt wurde, hatte sie zunächst weder Zugang zum Werksgelände noch zum Intranet.
Isabella Paape hat erklärt, dass sie trotz aller Schikanen im Sinne der Beschäftigten Wahlkampf macht. Das ist mutig – und das verdient Solidarität.
Günter Wallraff, 11.02.2026
Bis heute haben weder die Geschäftsführung noch der Betriebsrat ausreichende Gründe offengelegt, die einen so drastischen Schritt wie eine fristlose Kündigung üblicherweise rechtfertigen würden. Durch eine einstweilige Verfügung, Mitte Januar zu ihren Gunsten vor dem Arbeitsgericht in Nürnberg gegen die Geschäftsführung durchgesetzt, darf sie nun wieder drei Stunden täglich zu Wahlkampfzwecken das Werksgelände betreten – work watch berichtete. Allerdings mit uniformierter Begleitung durch Sicherheitskräfte. Von einem Wahlkampf auf Augenhöhe kann unter solchen Bedingungen keine Rede sein.
Siemens Energy lässt Güteverhandlung platzen
In der Güteverhandlung Anfang Februar lehnte die Vertretung der Geschäftsführung erneut eine weitere Zusammenarbeit mit der engagierten Betriebsrätin ab. Sie warf ihr vor, den Betriebsfrieden gestört zu haben und beschwerte sich über eine einseitige Berichterstattung in der Presse, für die sie mit verantwortlich sei. Aber dafür trägt vor allem der Weltkonzern selber die Verantwortung: Bisher verweigert Siemens Energy, das mussten viele Medien und auch work-watch erfahren, Stellungnahmen zur fristlosen Kündigung von Isabella Paape.
Die Empörung über das undemokratische Vorgehen des Weltkonzerns zieht derweil immer weitere Kreise. Mehrere regionale Gewerkschaftsverbände und der DGB haben sich solidarisch mit Isabella Paape erklärt. Und auch Günter Wallraff, dessen Moderationsangebot in der Sache Siemens Energy bereits Ende letzten Jahres abgelehnt hatte, bewundert den Mut der engagierten Betriebsrätin:
„Isabella Paape hat unmissverständlich erklärt, dass sie trotz aller Schikanen im Sinne der Beschäftigten Wahlkampf macht. Das ist mutig – und das verdient Solidarität. Sie steht nicht allein. Ihre Listenkolleginnen, viele Kollegen sowie Gewerkschafter innerhalb und außerhalb des Werks stehen an ihrer Seite. Jetzt gilt es, zusammenzuhalten.“
Die Ergebnisse der Betriebsratswahl Anfang März werden zeigen, ob die Rechnung der Geschäftsführung in Erlangen aufgeht. Und der öffentliche Kammertermin vor dem Arbeitsgericht in Nürnberg steht auch schon: 16.April 2026, 9:30 Uhr.

