Im Marktkauf Frechen verschärft sich die Lage offenbar dramatisch. Nach Angaben mehrerer
Beschäftigter herrschen im Betrieb Zustände, die sie selbst als „nicht mehr tragbar“ bezeichnen.
Zentraler Kritikpunkt ist der massive Personalmangel. Mitarbeitende berichten, dass die
Unterbesetzung inzwischen so weit fortgeschritten ist, dass selbst grundlegende Abläufe kaum
noch zuverlässig gewährleistet werden können. Die Folgen seien gravierend: Erschöpfung,
Schlafprobleme und zunehmende Krankmeldungen. In einzelnen Abteilungen soll der
Krankenstand bereits bei rund 50 Prozent liegen.
Gleichzeitig wächst der Druck auf die verbleibenden Kräfte. Beschäftigte schildern, dass sie
regelmäßig mehrere Arbeitsbereiche gleichzeitig abdecken müssen und dauerhaft unter hohem
Zeit- und Leistungsdruck stehen. Sie sehen dadurch nicht nur die Arbeitsqualität gefährdet,
sondern auch den Arbeits- und Gesundheitsschutz.
Hygiene: ganz unten
Besonders kritisch wird die Situation im Hinblick auf Hygiene und Sicherheit bewertet. Nach
Aussagen aus der Belegschaft bleiben Reinigungs- und Hygienemaßnahmen zunehmend auf der
Strecke – insbesondere während laufender Bauarbeiten im Verkaufsbereich. Mitarbeitende
sprechen hier von Zuständen, die aus ihrer Sicht nicht mehr verantwortbar sind.
Auch der Umgang mit Auszubildenden sorgt für Unmut. Ihnen seien Perspektiven und
Entwicklungsmöglichkeiten in Aussicht gestellt worden. Tatsächlich würden sie jedoch vielfach wie
vollwertige Arbeitskräfte eingesetzt, ohne ausreichend lernen zu können. Viele Auszubildende
hätten inzwischen das Vertrauen in eine Zukunft im Unternehmen verloren. Gleichzeitig bestehe die
Befürchtung, dass sie künftig überwiegend nur noch als günstige Teilzeitkräfte übernommen
werden sollen.
Personalabbau
Zusätzliche Kritik richtet sich gegen den Einsatz von Fremdpersonal über Werkverträge. Nach
Darstellung von Beschäftigten dient dieses nicht dem Aufbau zusätzlicher Kapazitäten, sondern
ersetzt lediglich weggefallene Stammstellen. Dadurch entstehe nach außen der Eindruck
ausreichender Besetzung, während die tatsächliche Arbeitsbelastung intern weiter zunimmt.
Vor diesem Hintergrund wird auch die geplante Umstrukturierung im Kassenbereich kritisch
gesehen. Der mögliche vollständige Wegfall klassischer Kassen zugunsten von
Selbstscanner-Systemen wird von vielen Beschäftigten als weiterer Schritt in Richtung
Personalabbau bewertet.
Überlastungsanzeigen
In den vergangenen Wochen haben zahlreiche Mitarbeitende Überlastungsanzeigen bei der
Geschäftsleitung eingereicht. Darin weisen sie auf die aus ihrer Sicht unhaltbaren
Arbeitsbedingungen hin. Konkrete Verbesserungen seien bislang jedoch nicht erkennbar.
Mehrere Beschäftigte werfen der Unternehmensleitung vor, die Probleme herunterzuspielen. Statt
die Situation nachhaltig zu verbessern, bestehe der Eindruck, dass Missstände nach außen
möglichst nicht sichtbar werden sollen und der Fokus darauf liege, ein funktionierendes Bild des
Betriebs aufrechtzuerhalten.
Vor diesem Hintergrund gewinnt die anstehende Betriebsratswahl zusätzliche Brisanz. Es treten
unterschiedliche Listen an, die innerhalb der Belegschaft sehr unterschiedlich bewertet werden. Für
viele Beschäftigte steht fest: Es geht dabei nicht nur um eine Wahl, sondern um die Frage, ob sich
die Situation im Betrieb grundlegend verändert.
Ein Teil der Belegschaft erwägt inzwischen, sich verstärkt an die Öffentlichkeit sowie an zuständige
Stellen zu wenden, sollte sich an den bestehenden Zuständen kurzfristig nichts ändern
