Frank Natus hat zum Rechtsbruch aufgefordert

Jah­re­lang hat sich das Tra­di­ti­ons­un­ter­neh­men Natus in Trier gegen die Ein­rich­tung eines Betriebs­ra­tes gewehrt. Nach­dem der Inha­ber und Geschäfts­füh­rer Frank Natus den Gang der Din­ge nicht mehr auf­hal­ten konn­te und im ver­gan­ge­nen Jahr die Wahl eines sol­chen Gre­mi­ums zulas­sen muss­te, setzt die nun­mehr zwei­köp­fi­ge Geschäfts­füh­rung ihren Feld­zug gegen eine gewerk­schaft­lich ori­en­tier­te und am Inter­es­se der 600 Beschäf­tig­ten aus­ge­rich­te­te Betriebs­rats­ar­beit fort.

So hef­tig, dass sich die IG Metall genö­tigt sah, gegen den 2. Geschäfts­füh­rer Dr. Kei­del Straf­an­trag wegen Behin­de­rung der Betriebs­rats­ar­beit zu stel­len (work-watch berich­te­te).
Die­ser Kurs der Natus-Geschäfts­füh­rung hat aller­dings selbst in den höhe­ren Eta­gen des Betrie­bes offen­sicht­lich nicht nur Freun­de. Jeden­falls wur­de uns jetzt aus dem Unter­neh­men eine sozu­sa­gen pro­gram­ma­ti­sche Email aus dem Jah­re 2008 zuge­spielt, unter­zeich­net von Frank Natus selbst. Dar­in for­mu­liert der Eigen­tü­mer in aller Offen­heit und Schär­fe sei­ne betriebs­po­li­ti­sche Linie und ver­ord­net sie sei­nem Lei­tungs­stab.
Der Kern­satz des im Befehls­ton gehal­te­nen Schrei­bens lau­tet: „Jede noch so win­zi­ge Mög­lich­keit, dass sich ein Betriebs­rat for­mie­ren könn­te, muss sofort im Keim erstickt wer­den.”

So mar­tia­lisch und unge­setz­lich for­mu­lier­te Frank Natus am 17.3. 2008 sei­ne Leit­li­nie, weil das Unter­neh­men eini­ge Tage zuvor — eben­falls per Email — auf­ge­for­dert wur­de, bei Natus end­lich einen Betriebs­rat zu grün­den. Als Absen­der war eine unbe­kann­te Grup­pie­rung mit Namen „Arbeit­neh­mer­mit­be­stim­mung” ange­ge­ben.
Die Ant­wort von Frank Natus an den enge­ren Füh­rungs­kreis des Unter­neh­mens ist in sei­ner Offen­heit atem­be­rau­bend: „Wir haben das The­ma vor Jah­ren bereits inten­siv bespro­chen. Sie ken­nen mei­nen Ein­stel­lung, die meis­ten von Ihnen tei­len die­se zu 100%. Ein Betriebs­rat kos­tet sehr viel Geld, bin­det enor­me Zeit und Ener­gie und bringt nicht viel. Er ist Beschäf­ti­gungs­wie­se für Gewerk­schaf­ter.”

Ein­mal abge­se­hen von der Unkennt­nis des Frank Natus, das Betriebs­rats­gre­mi­um sei „Beschäf­ti­gungs­wie­se” für Gewerk­schaf­ter — wenn, dann ist es eine für jeden Arbeit­neh­mer, der von der Beleg­schaft in die­ses Ver­tre­tungs­or­gan gewählt wird, egal ob orga­ni­siert in einer Gewerk­schaft oder nicht — spricht aus die­sen Sät­zen eine Hal­tung, die sich um gesetz­li­che Pflich­ten eines jeden Unter­neh­mers nicht wei­ter schert. Wir fra­gen aller­dings: Kann sich der Vor­sit­zen­de der „Ver­ei­ni­gung Trie­rer Unter­neh­mer”, der Ein­tracht-Trier-Vor­ständ­ler und Spon­sor zahl­rei­cher Trie­rer Ver­ei­ne tat­säch­lich ein sol­ches Maß an Gleich­gül­tig­keit und Gering­schät­zung, ja Ver­ach­tung des Geset­zes leis­ten?