STS-Zeitungshelfer: Aufstand am laufenden Band

Die gute Nach­richt zu Beginn: Bei STSwork-watch berich­te­te — arbei­tet die Che­fin noch selbst. Frau Grewe, Geschäfts­füh­re­rin des Dienst­leis­ters, nimmt zum Bei­spiel die Arbeits­ein­tei­lung ihrer Unter­ge­be­nen noch höchst­per­sön­lich vor. Jeden­falls wenn es hart auf hart kommt. So gesche­hen bei einem öffent­li­chen Arbeits­ge­richts­pro­zess in Düs­sel­dorf, in dem sie eigent­lich die Kün­di­gung eines Mit­ar­bei­ters über die Büh­ne krie­gen woll­te. Doch auf dem Güte­ter­min kam es zu kei­ner güt­li­chen Eini­gung. Also griff Frau Grewe zum Stift und schrieb auf einen DinA4-Zet­tel, wann der ihr miss­lie­bi­ge Arbeit­neh­mer zu arbei­ten habe: „Di., 9.12. ab 16.00 h, Do. 11.12. ab 22.00 h, Sa. 13.12. ab 21 h.” So schön kann Arbeit aus­se­hen, wenn die Geschäfts­füh­re­rin Hand anlegt:

Grewe Arbeitseinteilung

 

Nach die­ser guten Nach­richt aller­dings auch gleich die schlech­te: Wer so wenig Ahnung von einem gere­gel­ten Betriebs­ab­lauf hat, darf sich nicht wun­dern, wenn das mit der Arbeits­ein­tei­lung nicht klappt. Der Kol­le­ge P. erschien näm­lich zwar wie befoh­len an sei­nem Arbeits­platz. Aber nie­mand hat­te ihn auf dem dor­ti­gen Arbeits­zet­tel ein­ge­tra­gen. Und so kehr­te er unver­rich­te­ter Din­ge wie­der nach Hau­se zurück. Die noch schlech­te­re Nach­richt: weder für die­sen Fehl­alarm noch für die letz­ten Wochen und Mona­te hat der Kol­le­ge P. Lohn bekom­men. STS/Grewe hun­gert ihn aus.

 

Bei STS gehört es zur übli­chen Will­kür, die Beschäf­tig­ten so ein­zu­set­zen, wie es den Vor­ge­setz­ten gera­de in den Kram passt: mal zwei Stun­den, mal 12; mal 6 Tage in der Woche, mal 3. Also haben sie mal 300 Euro am Monats­en­de, mal 1.200. Wobei die­je­ni­gen häu­fi­ger ein­ge­setzt wer­den, die zu den Vor­ge­setz­ten ein gutes Ver­hält­nis pfle­gen. Und die, die selbst­be­wusst sind, kön­nen am Monats­en­de an den Fin­ger­nä­geln kau­en. So wer­den zur Zeit beson­ders die Kol­le­gIn­nen bestraft, die der Geschäfts­füh­rung und ihrem Tross unlieb­sam auf­ge­fal­len sind. Weil sie näm­lich einen selb­stän­di­gen und kri­ti­schen Betriebs­rat wol­len und die Mehr­heit des arbeit­ge­ber­freund­li­chen, aus Vor­ge­setz­ten bestehen­den Betriebs­ra­tes ableh­nen. Ein Dut­zend die­ser Kol­le­gIn­nen sind in den letz­ten Mona­ten gekün­digt wor­den, ande­re hat man auf Schon­kost gesetzt, sie ver­die­nen prak­tisch kein Geld mehr. Die Arbeits­ver­trä­ge in die­sem Unter­neh­men machen’s angeb­lich mög­lich. Denn sie sehen kei­ne Garan­tie­ar­beits­zei­ten vor. Bloß steht das unum­schränk­te Direk­ti­ons­recht, das STS in die Arbeits­ver­trä­ge geschrie­ben hat („STS bestimmt, an wel­chen Tagen der Mit­ar­bei­ter sei­ne Arbeits­leis­tung zu erbrin­gen hat, sowie Beginn und Ende der täg­li­chen Arbeits­zeit”), nicht über Grund­rech­ten von Arbeit­neh­mern. Wer z.B. jah­re­lang an 5 Tagen 8 Stun­den gear­bei­tet hat, kann nicht auf ein­mal ohne jede Ankün­di­gung oder Kün­di­gungs­frist auf die Hälf­te die­ser Arbeits­zeit her­un­ter gesetzt wer­den. Aber genau das pas­siert bei STS in Düs­sel­dorf — die stu­dier­te Juris­tin und Geschäfts­füh­re­rin Grewe dürf­te wis­sen, dass so etwas ille­gal ist.

 

Aber bei STS regiert eben außer Will­kür der Vor­ge­setz­ten auch die nack­te Angst der Beschäf­tig­ten. Mit gesund­heits­ge­fähr­den­den Fol­gen. Ein Bei­spiel: Ein neu­er Kol­le­ge, der an sei­nem 3. Arbeits­tag einen Arbeits­un­fall erlitt, tie­fer Schnitt in der Hand, wur­de mit dem Kran­ken­wa­gen ins Kran­ken­haus gebracht, dort wur­de sei­ne Hand genäht. Anstatt sich zuhau­se aus­zu­ku­rie­ren, kehr­te er sofort, d.h. in der­sel­ben Stun­de wie­der an sei­nen Arbeits­platz zurück. „Ich hab Angst, dass ich sonst sofort ent­las­sen wer­de“, sag­te er zur Begrün­dung. Ein halb­wegs pflicht­be­wuss­ter und geset­zes­treu­er Arbeit­ge­ber wür­de die­sen Mit­ar­bei­ter nach Hau­se schi­cken, damit er wie­der gesund wird. Bei STS ist so viel Mit­ge­fühl uner­wünscht.

 

In Aachen ist das am Ende schief gelau­fen. Die Aache­ner Zei­tung hat das Ver­trags­ver­hält­nis mit STS gekün­digt. Gegen die Zustän­de bei STS haben Beschäf­tig­te und Freun­de am 22. Novem­ber  in Aachen demons­triert. Auch um von der Aache­ner Zei­tung zu for­dern, dass die STS-Mit­ar­bei­ter über­nom­men und nicht in die Arbeits­lo­sig­keit geschickt wer­den.STS Demo Aachen

Die Ant­wort der Aache­ner Zei­tung auf die Über­nah­me­for­de­rung steht noch aus. Die Rhei­ni­sche Post hin­ge­gen, die wei­ter­hin den Dienst­leis­ter STS beschäf­tigt, erklärt auf Nach­fra­ge von work-watch, man sehe „die ange­spro­che­nen Ver­stö­ße der­zeit nicht bestä­tigt”. Fragt sich, wann die Ver­ant­wort­li­chen die­ser Zei­tung auf­wa­chen und wirk­lich, wie sie in ihrer Ant­wort schrei­ben, „die Ent­wick­lung der STS Medi­en-Ser­vice GmbH kri­tisch im Auge behal­ten”.