H&M wirft mit Schimmel

H&M geht bekannt­lich nicht zim­per­lich mit akti­ven Betriebs­rä­ten um. Kün­di­gun­gen sind üblich, die Ver­hin­de­rung von Betriebs­rats­wah­len gehört zum Geschäfts­mo­dell der Mode­ket­te. Am 13. Mai urteilt z.B. das Bun­des­ar­beits­ge­richt über die Kün­di­gung von Cosi­mo-Damia­no Quin­to, Betriebs­rat einer Trie­rer Filia­le von H&M.

 

Dass H&M von Gewis­sens­bis­sen auch dann wenig geplagt scheint, wenn es nicht um das Wohl­erge­hen gewähl­ter Beleg­schafts­ver­tre­ter son­dern gan­zer Beleg­schaf­ten geht, zeigt die Geschich­te des Kamp­fes um gesund­heits­ver­träg­li­che Arbeits­be­din­gun­gen in einer Stutt­gar­ter Filia­le. Seit 10 Jah­ren ver­sucht  der dor­ti­ge Betriebs­rat, gif­ti­ge Dämm­ma­te­ria­li­en und Schim­mel aus den Räu­men zu ver­ban­nen — und schei­tert immer wie­der an der Igno­ranz der Ver­ant­wort­li­chen.

 

Des­halb ist jetzt der Gesamt­be­triebs­rat von H&M an die Öffent­lich­keit gegan­gen: „Obwohl es mitt­ler­wei­le die Aus­sa­ge eines Sach­ver­stän­di­gen gibt, die bestä­tigt, dass in der Filia­le krebs­er­re­gen­de Stof­fe im Dämm­ma­te­ri­al vor­han­den sind, wur­de dem Betriebs­rat vom Manage­ment unter­sagt, die Kol­le­gen über die kon­kre­ten Gefähr­dun­gen auf­zu­klä­ren. Viel­mehr wur­de in einer Wochen­end-Akti­on bis­lang nur ein klei­ner Teil des gefähr­li­chen Mate­ri­als aus den Sozi­al­räu­men ent­fernt, das Lager ist wei­ter­hin belas­tet”, heißt es in der Erklä­rung.

 

Die staat­li­chen Kon­troll­be­hör­den wie die Gewer­be­auf­sicht, die Berufs­ge­nos­sen­schaft und das  Gesund­heits­amt sind schon seit Jah­ren über die Miss­stän­de infor­miert. Sie tun aller­dings nichts und zwin­gen H+M nicht dazu, die gesund­heits­ge­fähr­li­chen Zustän­de zu behe­ben.
Nicht unbe­deu­tend ist, dass neben H&M eine Filia­le von  MAREDO Essen zube­rei­tet und aus­gibt. Die Zu- und Abluft-Ver­sor­gung der bei­den Geschäf­te sind mit­ein­an­der ver­bun­den. Auch das hat die amt­li­chen Stel­len bis­lang noch nicht inter­es­siert, obwohl sie auf die mög­li­chen Pro­ble­me hin­ge­wie­sen wur­den. Ein  trau­ri­ges Bei­spiel dafür, wie staat­li­che Arbeits­schutz-, Gesund­heits­schutz- und Umwelt­schutz­kon­trol­len NICHT funk­tio­nie­ren.
Der Betriebs­rat hat nun erneut einen aus­führ­li­chen Fra­ge­bo­gen an die Berufs­ge­nos­sen­schaft und die ande­ren Ämter geschickt. Ziel ist auch, Beweis­ma­te­ri­al im Fal­le even­tu­el­ler Kla­gen von erkrank­ten Beschäf­tig­ten zu sam­meln.

 

Von der auf­ge­bla­sen ver­kün­de­ten „gro­ßen Ver­ant­wor­tung”, die H&M  für Mensch, Tier, Umwelt und das gan­ze Uni­ver­sum ver­spürt, ist bei die­sem Unter­neh­men eigent­lich an kei­nem Ort viel zu spü­ren. Der Gesamt­be­triebs­rat blickt in sei­ner zitier­ten Erklä­rung auch über die Gren­zen von Stutt­gart: „Die­se frag­wür­di­ge Hal­tung von H&M ist nicht ganz unbe­kannt. Seit Jah­ren pran­gert der Gesamt­be­triebs­rat die Arbeits­be­din­gun­gen in Zulie­fer­er­län­dern an, die Zustän­de in Pro­duk­ti­ons­fir­men in Ban­gla­desch und andern­orts gehen schon seit gerau­mer Zeit durch die Pres­se.” Was dort z.B. an Gif­ten in die Klei­dung über­geht, hat­te zuvor nicht nur schwers­te Erkran­kun­gen vie­ler Beschäf­tig­ter zur Fol­ge, son­dern dringt auch aus den Kla­mot­ten­con­tai­nern, wenn sie dann aus Ban­gla­desh oder Viet­nam hier lan­den.

 

Natür­lich. Mode ist unsterb­lich. Aber es drängt sich die Fra­ge auf, wie lan­ge es H&M noch gelin­gen kann, all die Skan­da­le unbe­ein­druckt aus­zu­sit­zen, die sich um sein Haus her­um auf­tür­men.

 

Nach der öffent­li­chen Kri­tik an den gesund­heits­ge­fähr­den­den Bedin­gun­gen in der Stutt­gar­ter H&M-Filiale hat das Unter­neh­men übri­gens ent­schie­den, die Filia­le vor­erst zu schlie­ßen. Immer­hin. Geht doch.