Bundesarbeitsgericht veröffentlicht Urteil für...

Work-watch hat immer wie­der über den Kampf des Betriebs­rats­vor­sit­zen­den Damia­no Quin­to in der Trie­rer Filia­le der Mode­ket­te H&M berich­tet.

Im Mai hat­te das Bun­des­ar­beits­ge­richt den Streit um sei­ne Kün­di­gung end­gül­tig posi­tiv im Sin­ne des Betriebs­rats­vor­sit­zen­den ent­schie­den.

Kurz vor Weih­nach­ten wur­de das Urteil ver­öf­fent­licht.

Die Gewerk­schaft ver­di schreibt dazu:

in der Aus­ein­an­der­set­zung um die Kün­di­gung eines lang­jäh­ri­gen Betriebs­rats­vor­sit­zen­den des Tex­til­un­ter­neh­mens Hen­nes & Mau­ritz (H&M) (2 ABR 3814). Das BAG hat­te am 13. Mai die For­de­rung von H&M nach außer­or­dent­li­cher Kün­di­gung des Betriebs­rats­mit­glieds zurück gewie­sen und nun die aus­führ­li­che Begrün­dung ver­öf­fent­licht. Vor­aus­ge­gan­gen war seit 2012 ein Streit um die Fra­ge, ob das Betriebs­rats­mit­glied bei betrieb­li­chen Kon­flik­ten als Eini­gungs­stel­len­bei­sit­zer für ande­re H&M-Filialen hät­te tätig wer­den dür­fen. H&M hat­te vor­ge­bracht, die­se Arbeit ver­letz­te die Loya­li­täts­pflich­ten gegen­über dem Arbeit­ge­ber und sei zudem eine nicht geneh­mig­te Neben­tä­tig­keit. Das BAG stell­te fest, dass die Tätig­keit als Eini­gungs­stel­len­bei­sit­zer in ande­ren
Betrie­ben des Arbeit­ge­bers kei­nen Grund für eine außer­or­dent­li­che Kün­di­gung lie­fe­re. Durch die Bei­sit­zer­tä­tig­keit an sich wür­den kei­ne arbeits­ver­trag­li­chen Pflich­ten ver­letzt.

Die Urteils­be­grün­dung des BAG stärkt die Rech­te der Beschäf­tig­ten und ihrer betrieb­li­chen Inter­es­sen­ver­tre­tung. Das Gericht hat klar­ge­stellt, dass Betriebs­rats­mit­glie­der grund­sätz­lich als Eini­gungs­stel­len­bei­sit­zer in ande­ren Filia­len des glei­chen Arbeit­ge­bers
benannt wer­den kön­nen. Damit kön­nen Betriebs­rats­gre­mi­en von der Erfah­rung ande­rer Betriebs­rä­te pro­fi­tie­ren und frei ent­schei­den, wen sie benen­nen“, sag­te Ulrich Dali­bor, ver.di-Bundesfachgruppenleiter Ein­zel­han­del.

Außer­dem, so Dali­bor, habe das Gericht die Rech­te der Beschäf­tig­ten auch in der Fra­ge nach Auf­nah­me einer Neben­tä­tig­keit gestärkt. Das in Teil­zeit beschäf­tig­te Betriebs­rats­mit­glied hat­te die geplan­te Neben­tä­tig­keit als Eini­gungs­stel­len­bei­sit­zer dem Arbeit­ge­ber vor­ab mit­ge­teilt und um Erlaub­nis dafür gebe­ten. Der Arbeit­ge­ber ver­wei­ger­te die Erlaub­nis. Das Gericht stell­te fest,
dass der Beschäf­tig­te eine Neben­tä­tig­keit als Eini­gungs­stel­len­bei­sit­zer wahr­neh­men konn­te, ohne vor­ab eine gericht­li­che Klä­rung abzu­war­ten. Beschäf­tig­te, die mit der Aus­übung einer recht­mä­ßi­gen Neben­tä­tig­keit nicht bis zu einer gericht­li­chen Ent­schei­dung abwar­te­ten, näh­men ihre Grund­rech­te auf freie Berufs­wahl und freie Ent­fal­tung der Per­sön­lich­keit wahr und han­del­ten dem Arbeit­ge­ber gegen­über nicht pflicht­wid­rig.

Damit kön­nen Unter­neh­men recht­mä­ßi­ge Neben­tä­tig­kei­ten nicht ein­fach will­kür­lich unter­sa­gen oder eine Kün­di­gung damit begrün­den, dass der Beschäf­tig­te sich nicht an das Ver­bot gehal­ten hat“, sag­te Dali­bor. Er ver­wies dar­auf, dass H&M durch die Kün­di­gung einen für das Unter­neh­men unbe­que­men, enga­gier­ten Betriebs­rat los­wer­den woll­te. „H&M soll­te end­lich die
Mit­be­stim­mungs­rech­te der Beschäf­tig­ten respek­tie­ren und kon­struk­tiv mit den Betriebs­rä­ten zusam­men arbei­ten“, sag­te Dali­bor.
Eine Eini­gungs­stel­le, gere­gelt im Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz, ist eine inner­be­trieb­li­che Schlich­tungs­stel­le, die in Kon­flikt­fäl­len zwi­schen Betriebs­rat und Arbeit­ge­ber ange­ru­fen wer­den und Ent­schei­dun­gen fäl­len kann.”